Präsidentschaftswahl in Kolumbien: Rechts und Links kommen in die Stichwahl
Der ultrarechte Neuling Abelardo de la Espriella gewinnt den ersten Wahlgang. Der linke Iván Cepeda wird mit 3 Prozentpunkten Rückstand Zweiter.
Es ist ein Wahlabend mit Überraschungen: Nach der ersten Runde der kolumbianischen Präsidentschaftswahl vom Sonntag zieht der ultrarechte Outsider Abelardo de la Espriella als Favorit in die Stichwahl am 21. Juni ein – gegen Iván Cepeda, den Umfragenfavoriten und Kandidaten der linken Regierungspartei.
De la Espriella wolle in die „Endschlacht“ ums „Vaterland der Wunder“ ziehen und Petro und Cepeda niederschlagen, damit Kolumbien nicht im Kommunismus ende, ruft er bei seinem Auftritt in der Küstenstadt Barranquilla. Militarisierung, harte Hand, religiöser Personenkult und Patriotismus zogen sich durch seinen Wahlkampf wie die KI-Videos. Seine Vorbilder sind US-Präsident Donald Trump, Argentiniens rechtslibertärer Javier Milei und El Salvadors Diktator Nayib Bukele.
De la Espriella, der Anwalt und Unternehmer von der Bewegung Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlands) holte nach der Schnellauszählung der Wahlbehörde 43,74 Prozent der Stimmen; Iván Cepeda (Pacto Histórico – Historisches Bündnis) 40,90 Prozent. Beide eröffneten noch am Sonntagabend direkt die heiße Phase des Wahlkampfs für die Stichwahl und zogen deutlich im Ton an.
Bombastisch wie sein Wahlkampf ist der Auftritt des selbst so getauften „Tigers“ de la Espriella. Sein Veranstaltungsschiff liegt im Meer vor der Uferpromenade seiner Heimatstadt Barranquilla. In der TV-Übertragung jubeln Fans am Ufer. De la Espriella brüllt vom Schiff zu ihnen. Und salutiert von der Leinwand als Dandy mit Einstecktuch.
Beide Kandidaten werden in der Tonlage schriller
Der echte Kandidat steht im gelben Nationaltrikot mit Baseballcap da, schlägt mit dem Arm um sich, das Gesicht wutverzerrt. „Sie wollen sich an der Macht festsetzen“, ruft er. Mit „sie“ meint er den linken Präsidenten Gustavo Petro und „seine Marionette“ Cepeda. „Sie wollten mit ihren gewalttätigen Horden Kolumbien in Brand stecken.“ Er werde die Demokratie „mit Vernunft oder Gewalt“ verteidigen.
Cepeda nennt er einen „Banditen, der mit Drogenterroristen verbündet ist“ und „den Schmerz der Opfer nutzt, um sich politisch und wirtschaftlich zu stärken“. Der bisherige Senator Cepeda ist Philosoph und Menschenrechtsverteidiger und setzte sich seit Jahren für Frieden, Versöhnung und die Opfer von Staatsverbrechen ein.
Auch Cepeda gibt sich bei seinem Auftritt in Bogotás Hotel Tequendama kämpferisch wie im ganzen Wahlkampf noch nicht. Bisher vermied er selbst auf Nachfrage, über de la Espriella zu sprechen. Damit ist es vorbei. „Wer ist dieser Herr Abelardo de la Espriella?“, ruft er. „Ein Anwalt der Paramilitärs und der Drogenhändler!“. Das haben journalistische Recherchen über Jahre belegt. Und noch deutlicher: „Abelardo de la Espriella repräsentiert den mafiösen Faschismus.“
Cepeda kritisiert die Einmischung ausländischer Regierungen in die Wahlen, namentlich durch Ecuadors rechten Präsidenten Daniel Noboa. Der gratulierte de la Espriella zum Sieg in der ersten Runde. Sollte der auch die Stichwahl gewinnen, würden die Fortschritte in linker Sozialpolitik zu Staub zerfallen, warnt Cepeda. „Die totale Zerstörung der Natur und des Lebens“ bedeute dessen mögliche Wahl, ein Ende der sexuellen Vielfalt und des Respekts vor Frauen. De la Espriella sei misogyn und homophob, warnte Cepeda und appellierte an die Jugend: „Von euch hängt die Zukunft des Landes ab.“
Die gesamte Rechte vereint sich hinter de la Espriella
Die große Verliererin der Wahl ist Paloma Valencia, die abgeschlagen auf dem dritten Platz landete. Die Kandidatin des extrem rechten Centro Democrático und politische Ziehtochter von Ex-Präsident Alvaro Uribe erzielte knapp unter 7 Prozent der Stimmen. Alle anderen der 13 Kandidatïnnen auf dem Wahlzettel waren noch chancenloser.
Valencia stellt sich jetzt hinter de la Espriella – ebenso ihr Mentor Uribe. Damit stehen sich bei der Stichwahl eine geeinte Rechte und Linke gegenüber.
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Der scheidende erste linke Präsident Kolumbiens, Gustavo Petro, der laut Verfassung nicht erneut antreten durfte, akzeptiert das Ergebnis der Schnellauszählung nicht, schrieb er auf X, und meldete bisher unbelegte Zweifel an der Auszählung an. Cepeda sagte, er werde sich erst dazu äußern, wenn diese Angelegenheit aufgeklärt sei. Er sprach von einer „konfusen Situation“.
Die Schnellauszählung weicht in der Regel nicht wesentlich von der Wahlprüfung ab, die das offizielle Wahlergebnis bestimmt. Das wird bis Dienstag erwartet. Die Wahlbeteiligung war mit 58 Prozent der rund 41 Millionen zur Wahl aufgerufenen Kolumbianerïnnen die höchste in 24 Jahren.
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