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Posse um Platz der MärzrevolutionAmtsblatt streicht Revolution

Uwe Rada

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Uwe Rada

Warum wird ein Platz nicht ausgeschildert, obwohl es ihn gibt? Diese Frage der Berliner Geschichtswerkstatt muss das Verwaltungsgericht beantworten.

A uf Google Maps gibt es ihn. Etwas eingeklemmt zwischen Humboldt-Universität, Gorki-Theater und Neuer Wache ist er verzeichnet: der Platz der Märzrevolution.

Die prominente Lage in der Berliner Mitte verdankt der Platz der ersten Sitzung der Preußischen Nationalversammlung. Sie tagte 1848 in der ehemaligen Singakademie, seit 1952 Spielstätte des Maxim-Gorki-Theaters.

In den digitalen Raum hat es der Platz der Märzrevolution also geschafft, und auch auf den analogen Stadtplänen ist er eingetragen. Nur die letzte Weihe, die verweigert ihm das Bezirksamt Mitte. Seit der Umbenennung am 18. März 1998, dem 150. Jahrestag der Märzrevolution, wartet der Platz auf sein Platzschild.

Nun sind 28 Jahre im Berliner Verwaltungshandeln bekanntlich ein Wimpernschlag. Eine solche Interpretation würde vielleicht sogar auch Jürgen Karwelat von der Berliner Geschichtswerkstatt nicht bestreiten. Zusammen mit der „Aktion 18. März“ hatte er sich seinerzeit dafür eingesetzt, dass die immer etwas jenseits des offiziellen Erinnerns laufende deutsche Revolution im Stadtbild sichtbar wird.

28 Jahre im Berliner Verwaltungshandeln sind bekanntlich ein Wimpernschlag.

Außer dem „Platz des 18. März“ auf der Westseite des Brandenburger Tors hat sich dabei bislang aber nicht viel getan. Nun freilich besteht Hoffnung. Die Berliner Geschichtswerkstatt hat den Bezirk Mitte vor Gericht gezerrt. Hauptpunkt der Anklage: Das Bezirksamt habe versucht, „den Platz der Märzrevolution am Maxim-Gorki-Theater verschwinden zu lassen“. Am Dienstag kommt es laut Angabe der Geschichtswerkstatt nun zu einem mündlichen Verhandlungstermin.

Platz frei für das Nichts

Anlass der Klage war eine Mitteilung des Bezirks im Amtsblatt vom 11. April 2025. Darin habe der Bezirk erklärt, dass sich das Problem mit der Platzbenennung erledigt habe, teilt die Geschichtswerkstatt in einer Presseerklärung mit. Der Grund: Es gebe den Platz nicht, denn an der besagten Stelle sei nie ein Platz gestaltet worden.

Sollte das Gericht dieser Argumentation folgen, wäre Berlin auf einen Schlag fast all seine Probleme los. Beispielsweise könnte der Senat auf dem ehemaligen Flughafen Tegel eine große Waldfläche pflanzen lassen, ohne dafür Entschädigungen zahlen zu müssen. Denn die Urban Tech Republic die dort entstehen sollte, gibt es nicht, weil sie bislang nicht fertig wurde.

In Pankow wiederum könnte Europas größer Wildpark für Kreuzkröten entstehen – und Möbelkönig Kurt Krieger wäre machtlos. Denn das Pankower Tor, das dort entstehen soll …? Eben, gibbet nich!

Aber kommt frech wirklich durch? Bislang anscheinend schon. Bereits 2008 beklagte Karwelat in einem Gastbeitrag in der taz die Untätigkeit des Bezirks. Dabei waren bereits zwei Platzschilder gefertigt worden. Doch die waren auf kuriose Weise verschwunden. Schon damals stellte Karwelat deshalb die revolutionäre Forderung auf, ein neues Schild fertigen zu lassen. Und der Bezirk? Eben! Wimpernschlag!

Aber so ist das vielleicht mit den Deutschen und ihren Revolutionen. Der eine (Lenin) meinte, das werde ohnehin nie was: „Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen“, soll er gesagt haben, „kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“

Andere hoffen auf ein Berliner Verwaltungsgericht.

Wie wärs denn damit: Den 3D-Drucker anwerfen, Platzschild drucken und selbst anbringen?

Und am nächsten Tag mit dem Recht argumentieren, das noch jede Revolution ausgebremst hat – das Gewohnheitsrecht.

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Uwe Rada

Uwe Rada Redakteur taz.Berlin

Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Weitere Schwerpunkte sind Osteuropa und Brandenburg. Zuletzt erschien bei Bebra sein Buch "Morgenland Brandenburg. Zukunft zwischen Spree und Oder". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow und in Grunow im Schlaubetal.
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