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Neue Zahlen zu ArmutFrausein macht arm

Marie Frank

Kommentar von

Marie Frank

Der Armutsbericht des Paritätischen zeigt: Die Regierung tut nichts, um Menschen vor Armut zu schützen – im Gegenteil. Frauen trifft das besonders hart.

W er nicht von Armut betroffen ist, kann sich kaum vorstellen, wie es ist. Nicht genug zu essen zu haben ist eine Erfahrung, die ei­ne:n das ganze Leben lang prägt. Noch heute esse ich viel zu schnell – ein Überbleibsel der Angst, dass sonst nicht genug für mich übrig bleibt, weil mein Bruder schon alles aufgefuttert hat. Aber auch die Scham, bei Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenken nur Selbstgebasteltes vorweisen zu können oder Klamotten aus Kleiderkammern tragen zu müssen, sitzt tief. Nicht nur bei Kindern: Auch die alleinerziehende Mutter, die kein Geld hat, ihrem Kind und dessen Freun­d:in­nen eine Kugel Eis oder Pommes im Freibad zu kaufen, ist von Scham und Schuld geplagt.

Auch hier muss die Scham die Seiten wechseln. Dass Merz und vermutlich auch sonst niemand aus der Bundesregierung jemals von Armut betroffen war und je sein wird, ist keine Entschuldigung dafür, dass sie nichts tun, um Betroffenen zu helfen. Und betroffen sind – wie so oft – mehrheitlich Frauen. 13,3 Millionen Menschen leiden hierzulande unter Armut, Obdachlose und Geflüchtete in Sammelunterkünften nicht mitgerechnet. Ein neuer Höchstwert.

Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in dieser Gesellschaft schlägt sich hier nieder: Sowohl bei jungen Erwachsenen als auch bei älteren Menschen ist der Anteil von armen Frauen vergleichsweise höher. Ganz zu schweigen von Alleinerziehenden, von denen mehr als 80 Prozent Mütter sind.

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Doch die Bundesregierung tut weder etwas für die Gleichberechtigung von Frauen noch für die Bekämpfung von Armut. 1,8 Millionen Menschen leben trotz Vollzeitstelle in Armut – hier würde eine Anhebung des Mindestlohns helfen. Je­de:r vierte 18- bis 25-Jährige und je­de:r dritte Alleinlebende ist arm – bezahlbares Wohnen ist eine Lösung. Fast jede dritte Alleinerziehende ist arm – hier braucht es bessere Kinderbetreuung und finanzielle Absicherung. Das würde auch aus der Teilzeitfalle helfen und damit Altersarmut von Frauen verringern.

CDU und SPD tun jedoch genau das Gegenteil. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Kanzler nicht gegen Arme und Ge­ring­ver­die­ne­r:in­nen hetzt. Ausgerechnet das Wohngeld soll gekürzt und der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende eingeschränkt werden.

Die Zeiten, in denen ich auf Wohngeld oder meine Mutter auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen war, sind zum Glück vorbei. Die Verachtung der Bundesregierung gegenüber großen Teilen der Bevölkerung finde ich jedoch nach wie vor bestürzend. Leider führt das jedoch nicht zu einer vereinten, progressiven Arbeiter:innenklasse, sondern treibt immer mehr Menschen in die Arme populistischer Parteien wie der rechtsextremen AfD. Und die hat für kein Problem eine Lösung, auch nicht für Armut.

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Marie Frank

Marie Frank Redakteurin

Redakteurin bei der taz mit Schwerpunkt soziale Bewegungen, Migration, Klassenkampf und soziale Gerechtigkeit. Hat politische Theorie studiert, ist aber mehr an der Praxis interessiert.
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1 Kommentar

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  • Hmmm, Fakten?

    Der vorherige Bericht nennt Prozentzahlen für armutsgefährdete Frauen und Männer, die sich kaum unterscheiden.

    „ trotz Vollzeitstelle in Armut“?



    Eine Vollzeitstelle mit Mindestlohn sind ca 2400€, die Armutsgrenze ist bei 1380€ netto.