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Ukrainische Angriffe auf RusslandRauchsäule über dem Terminal

Ukrainische Drohnen treffen einen Ölhafen in Sankt Petersburg. Bei einem Angriff auf den russisch besetzten Donezk sterben sieben Menschen.

Aus Moskau

Vera Bessonova

Der laute Knall war bis ins Stadtzentrum von Sankt Petersburg zu hören. Kurz darauf folgte ein zweiter. Konstantin (Name geändert), der in einem Hochhausviertel rund einen Kilometer Luftlinie von den Ölterminals im Hafen wohnt, wachte von dem Lärm auf.

Die am Mittwoch früh gegen 5.30 Uhr an alle Be­woh­ne­r*in­nen der nördlichen russischen Metropole per SMS versandte Drohnenwarnmeldung hatte er da noch gar nicht gesehen. Beim Anblick der vom Terminal aufsteigenden imposanten Rauchsäule drängte sich ihm aber auch so die Schlussfolgerung auf, dass der dort lodernde Brand keine Folge eines Unfalls war.

Stunden später teilte der Gouverneur des umliegenden Leningrader Gebietes Alexander Drosdenko mit, an diesem Morgen seien 59 Kampfdrohnen abgeschossen worden. Wie viele davon ihre Ziele hatten ungehindert erreichen können, erwähnte er nicht.

Sein Petersburger Amtskollege Alexander Beglow ließ verlauten, dass es keine Toten, aber Verletzte gäbe. Diverse Infrastrukturobjekte hätten, das war Beglow noch wichtig zu unterstreichen, nach Attacken durch „Drohnen ukrainischer Nazis“ Schäden davongetragen.

Surrendes Objekt

Kurzum, es handelte sich um einen der schwersten Angriffe auf die Millionenstadt seit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 22. Februar 2022. Erneut traf es einen der wichtigsten russischen Ölverladehäfen an der Ostsee, nur dieses Mal im Stadtgebiet. „Da ist sie, sie fliegt direkt an uns vorbei.“ Auf einem Video lässt sich mit Mühe ein surrendes Objekt erkennen, die dazugehörige verwunderte Stimme ist die eines jungen Mannes, der wohlweislich sein Gesicht nicht vor die Kamera hält. Schon solche Videoaufnahmen sind grenzwertig. Beglow erließ ein strenges Verbot von jeglicher Form der Veröffentlichung über Drohnenangriffe und deren Folgen.

Angesichts der geltenden gesetzlichen Vorgaben beschränkt sich das Petersburger Nachrichtenportal Fontanka nach eigenen Angaben auf die Veröffentlichung fragmentarischer Berichte und emotionaler Reaktionen von Au­gen­zeu­g*­in­nen wie die einer jungen Frau und eines Mannes. Sie haben von ihrer Wohnung aus freie Sicht auf das riesige Feuer im Ölterminal. „Das wird ja richtig warm“, kichert die Frau. „Ja, man kann die Hitze richtig spüren“, bestätigt der Mann.

Etliche Früh­auf­ste­he­r*in­nen hatten jedenfalls kein Problem damit, das Feuerspektakel und den Rauch festzuhalten. Um sich nicht selbst zu kompromittieren, schickten sie ihre Fotos an Onlineportale ihrer Wahl, die sie ihrer Le­se­r*in­nen­schaft anonym zugänglich machten.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte ein Video von dem Brand und dankte seinen Sol­da­t*in­nen für die Treffsicherheit. Militärische Ziele auf der der Stadt vorgelagerten Insel Kronstadt, wo die russische Marine einen Stützpunkt unterhält, wurden ebenfalls attackiert. Auch dort kam es Bildern nach zu urteilen zu einem erheblichen Feuerausbruch.

Mit eigenen Augen

Auf der Insel war im Übrigen eine Kulturveranstaltung im Rahmen des Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums geplant, das vom 3. bis 6. Juni stattfindet. Am Mittwoch durften sich die Gäste mit eigenen Augen davon überzeugen, was es heißt, sich in einem Krieg führenden Land ausgerechnet unter dem Motto „Pragmatischer Dialog – der Weg zu einer stabilen Zukunft“ zu treffen.

Auf einem der Telegram-Kanäle von Ksenija Sobtschak, die als Moderatorin angekündigt ist, war zumindest der Rauch vom Hafen gut zu sehen. Sobtschak ist die Tochter des einstigen Bürgermeisters von Sankt Petersburg, Antatolij Sobtschak, als dessen Stellvertreter der heutige Präsident Wladimir Putin seinerzeit für den Bereich Außenhandel zuständig war.

Putin wird auf dem Forum erst am kommenden Freitag auf der Plenarversammlung mit einem Redebeitrag erwartet. Bis dahin dürfen sich die Teilnehmenden an internationalen Prominenten wie der US-amerikanischen Influencerin Candace Owens erfreuen – bekannt für ihre Verschwörungserzählungen.

Konzerte werden abgesagt

Einige Konzerte für ausgewählte Forumsgäste waren indes bereits vor einigen Tagen gestrichen worden. Der Mediamanager des Forums, Georgij Lobuschkin, begründete dies mit der mündlich an ihn herangetragenen Anweisung, es sei nicht angebracht, jetzt zu feiern. Die eingesparten Mittel seien für Betroffene eines „Terroranschlags“ in Starobilsk bestimmt.

In der von Russland besetzten Stadt im Gebiet Luhansk waren in der Nacht zum 22. Mai nach einem ukrainischen Angriff 21 Menschen ums Leben gekommen. Am Mittwoch früh hatte eine ukrainische Drohne im Donezker Gebiet einen Reisebus getroffen, der von Moskau auf die annektierte Krim unterwegs war.

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Nach Angaben von Denis Puschilin, „Oberhaupt“ der von Russland kontrollierten sogenannten Donezker Volksrepublik, sind acht der In­sas­s*in­nen gestorben, rund ein Dutzend sei verletzt worden. Der Bus hatte in der Stadt Jenakijewe einen Zwischenstopp gemacht. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, die Drohne sei in den hinteren Teil des Busses eingeschlagen, wo sich die meisten Passagiere befanden.

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