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Ausländerfeindliche Gewalt in SüdafrikaPlünderungen, Bürgerwehren und ein untätiger Staat

Die Übergriffe auf afrikanische Ausländer in Südafrika eskalieren, es gibt Tote. Mehrere Länder evakuieren ihre Landsleute und sind empört.

Aus Durban, Johannesburg, Accra und Lagos

Njabulo Buthelezi, Akani Chauke, Russell Adadevoh und Emeka Okonkwo

Die letzten massiven Plünderungen von Geschäften in Südafrika liegen fünf Jahre zurück, 350 Tote wurden am Ende gezählt. Die laufenden Übergriffe gegen Unternehmen im Besitz afrikanischer Ausländer durch selbsternannte Bürgerwehren, die kein Ende nehmen, entwickeln sich jetzt in eine ähnliche Richtung.

Aus den ausländerfeindlichen Ausschreitungen wurden am Wochenende verbreitete Plünderungen in der Provinz KwaZulu-Natal (KZN), die bereits 2021 im Zentrum der Gewalt stand. In der Stadt Estcourt ging die Polizei mit Gummigeschossen gegen Plünderer vor, die reihenweise in geschlossene Geschäfte im Besitz von Ausländern einbrachen. Die Geschäfte wurden trotz des Polizeieinsatzes leergeräumt.

Estcourts Bürgermeister Nhlanhla Myeza hatte Ende April bei den ersten Demonstrationen Ausländer angewiesen, ihre Läden zu schließen, als Sicherheitsmaßnahme. Die Maßnahme bleibt bis heute in Kraft, obwohl 38 Ladenbesitzer, zumeist Äthiopier, vor Gericht erwirkten, dass sie ihre Geschäfte zumindest wieder betreten dürfen. Myeza ignorierte das und ließ stattdessen ihre Schlüssel beschlagnahmen.

Plünderungen gab es auch in mehreren Städten in anderen Landesteilen. In KwaNonqaba (Mossel Bay) an Südafrikas Südküste in der Provinz Western Cape an wurden zahlreiche Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Mehrere ausländische Botschaften lassen nun ihre dort lebenden Staatsbürger aus KwaNonqaba evakuieren. Busse werden geschickt, aber in mehreren öffentlichen Gebäuden verstecken sich noch Ausländer, die sich bedroht fühlen.

Ghana fliegt seine Landsleute aus

Ghana war das erste Land, das Evakuierungsflüge aus Südafrika organisierte. Rund 300 Menschen landeten am Mittwoch vergangener Woche auf einem von der Regierung gecharterten Sonderflug am internationalen Flughafen von Accra. Weitere 600 waren bis zum vergangenen Wochenende an der ghanaischen Botschaft in Südafrika registriert und sollen nachfolgen.

„Wenn es um die Sicherheit und die Würde von Ghanaern geht, geht Ghanas Regierung keine Kompromisse ein und handelt ohne Zögern“, sagte Außenminister Sam Okudzeto Ablakwa und erklärte, ein Spezialteam seines Ministeriums kümmere sich um die Repatriierten. 120 seien bereits in Arbeit untergebracht worden. Ghanas Regierung erwägt nun auch, dem südafrikanischen Goldbergbaugiganten Gold Fields die Lizenz zur Goldförderung in Ghana zu entziehen.

Der zunächst erhobene Vorwurf, all dies sei eine Überreaktion, ist längst verstummt. In Nigeria warnte die Polizei am vergangenen Wochenende vor Racheangriffen auf Südafrikaner in Nigeria, nachdem sich Meldungen über Angriffe auf Nigerianer in Südafrika gehäuft hatten.

Mosambikaner bei Angriffen getötet

Und am Dienstag meldeten die Behörden in Mosambik die Tötung mehrerer Mosambikaner im südafrikanischen KwaNonqaba. 800 Mosambikaner seien angegriffen und ihre Hütten und Läden angezündet worden, hieß es. „Bedauerlicherweise sind mehrere mosambikanische Bürger gestorben – fünf als direkte Folge der ausländerfeindlichen Angriffe und zwei bei einem Autounfall, während sie auf dem Weg zurück nach Mosambik waren“, so die Erklärung.

Sechs Busse mit über 500 Mosambikanern wurden am Mittwoch am Grenzübergang Ressano Garcia erwartet, einer davon ausschließlich mit Frauen und Kindern besetzt. Mehr als 300 sind bereits auf eigene Faust zurückgekehrt. Zugleich wurden am Dienstag 105 Mosambikaner aus Südafrika deportiert. Auch in Malawi bereitet sich die Regierung auf einen Zustrom fliehender Staatsbürger aus Südafrika vor.

ANC wirft Ausländern „Arroganz“ vor

Südafrikas Regierung tut sich schwer mit der Gewalt. Im Parlament am Dienstag erklärte Präsident Cyril Ramaphosa: „Wir dürfen nie gegenüber Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Vigilantentum nachgeben. Wir werden unsere Gesetze durchsetzen und zugleich die Verfassung und die Menschenwürde achten.“

Aber danach sagte ANC-Fraktionschef Ndumiseni Ntuli, man verurteile zwar die „Verteufelung“ afrikanischer Migranten, aber „wir lehnen auch entschieden die Arroganz und Überheblichkeit mancher Ausländer in unserem Land ab“.

Manche der Anführer ausländerfeindlicher Gewalt sehen sich offenbar weitgehend straffrei. Es kursieren Aufrufe an alle Ausländer in Südafrika, auch die mit Aufenthaltsrecht, das Land bis zum 30. Juni zu verlassen.

In diesem Klima steigt auch die Angst unter kleineren Bevölkerungsgruppen in Südafrika, die sich von Scharfmachern aus den großen Ethnien der Zulu und der Xhosa bedroht fühlen. Bei den Ausschreitungen in KwaNonqaba wurde jetzt ein Teenager aus der Ethnie der Tsonga im weit entfernten Nordosten Südafrikas getötet. Der je nach Bericht 18 oder 19 Jahre alte Nhlamulo Sambo wurde erstochen, weil er die Sprache der Zulu und Xhosa nicht beherrschte, sagte seine Familie.

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