piwik no script img

Indonesien unter Prabowo SubiantoGratisschulessen mit Kotzerei und mutmaßlicher Korruption

Der Präsident gibt wachsendem Druck nach und feuert den Chef seines zentralen Regierungsprogramms für landesweites kostenloses Schulessen.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben am Mittwoch Beamte der Generalstaatsanwaltschaft die Nationale Ernährungsbehörde BGN durchsucht und danach ihren bereits am Vortag gefeuerter Chef Dadan Hindanyana samt zwei seiner bisherigen Stellvertreter festgenommen. Der Vorwurf: Mutmaßliche „Verbrechen beim Management“ des Programms für kostenloses Schulessen.

Indonesiens Präsident Prabowo Subianto hatte Behördenleiter Dadan am Dienstag überraschend entlassen, eine konkrete Begründung gab sein Sprecher jedoch nicht. BGN ist dabei keine beliebige Behörde, sondern die zentrale Regierungsinstitution zur Durchführung des unter Prabowo eingeführten landesweiten kostenlosen Schulessens. Das „Makan Bergizi Gratis“ (MBG – Nahrhaftes Gratisessen) war 2024 Prabowos zentrales Wahlversprechen.

Mit dem Programm, das bis zu 82,9 Millionen Kinder sowie werdende und stillende Mütter erreichen soll, inszeniert sich der zum Autoritarismus neigende Ex-General Prabowo als volksnah. Rund ein Fünftel der indonesischen Kinder gilt als unterernährt.

Prabowo hatte noch Dienstagmorgen zusammen mit Dadan eine Schule in Jakarta besucht. Der Präsident hatte ihn eigens aus Saudi-Arabien zurückbeordert, wo Dadan an der Pilgerfahrt Hadsch teilgenommen und anschließend eine indonesische Schule besucht hatte. Auch die schlug er dann für das kostenlose Schulessen vor.

Vom Schulessen ins Krankenhaus

Das im Januar 2025 gestartete Essensprogramm wird schon länger massiv kritisiert. Zum einen müssen sich immer wieder Kinder wegen verdorbener Mahlzeiten erbrechen, wie zuletzt am 10. Mai in Surabaya 200 Kinder. Schon im vergangenen Jahr räumte Dadan 11.000 Krankheitsfälle ein und sprach von 600 Kindern, die seit Programmbeginn wegen verdorbenen Essens sogar in Krankenhäusern behandelt werden mussten.

Zum anderen ist das Programm mit seinen zentral und nicht in den jeweiligen Schulen zubereiteten Essen intransparent und mutmaßlich überteuert. Die Ausgaben werfen viele Fragen auf. Nach dem von der Regierung vorgelegten Budget, das für acht Jahre mit umgerechnet rund 230 Milliarden US-Dollar kalkuliert war, waren für 2025 fast sechsmal mehr Ausgaben zur Anschaffung von 21.800 Elektromotorrädern geplant als insgesamt für Lebensmittel. Darüber hinaus betrugen die Ausgaben für Kleidung und für Computer im Rahmen des Programms fast dreimal so viel wie insgesamt für Lebensmittel.

Schon im Juni 2025 forderte die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) von der Regierung, das Programm auszusetzen. Es sei „voller Risiken systematischer Korruption“. TI bemängelte fehlende Implementierungsrichtlinien, mangelnde Kontrolle, viele Interessenskonflikte und warnte insgesamt vor dem Scheitern des Programms.

Irankrieg führte zu Kürzungen beim Schulessen

Prabowo verteidigte bisher das Programm eisern und diffamierte mehrfach dessen Gegner, vielfach progressive Organisationen. Doch mit den vom Irankrieg angeheizten Preissteigerungen und den Sorgen vor einem unkontrollierten Haushaltsdefizit kürzte seine Regierung schließlich im Mai das diesjährige Budget um umgerechnet 3,77 Milliarden Dollar.

Der entlassene Behördenleiter Dadan ist ein Bauernopfer. Dadan war noch von Prabowos Amtsvorgänger Joko „Jokowi“ Widodo eingesetzt worden. Der war einst Probowos Gegner, hatte ihn aber zuletzt stark unterstützt, nachdem dieser Jokowis Sohn zu seinem Stellvertreter gemacht hatte. Mit dem Aufbau der Ernährungsbehörde BGN kam Jokowi dann Prabowos Plänen entgegen.

taz schneller googeln

Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz hinzuzufügen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen.

Sie wollen Google lieber meiden? Dann nutzen Sie doch DuckDuckGo oder Ecosia.

Zu Dadans Nachfolgerin wurde jetzt eine weitere Stellvertreterin, die Ex-Journalistin und Prabowo-Vertraute Nanik Deyan, ernannt. Ohne grundlegende Reformen dürfte das Programm nicht den vom konservativen Prabowo wohl erhofften populistischen Effekt entwickeln und könnte noch weiter zusammengestrichen werden.

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare