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Digitale UnabhängigkeitEU-Parlament sagt tschüss zu Google

Kommentar von

Svenja Bergt

Während die EU-Kommission Europa digital unabhängiger aufstellen will, schafft das Parlament Fakten. Doch das darf nur der Anfang sein.

D as EU-Parlament hat es verstanden. Ab diesem Donnerstag will es dem Nachrichtenportal Politico zufolge auf seinen Computern die Standardsuchmaschine wechseln. Tschüss Google, hallo Qwant. Qwant ist ein französischer Anbieter, der auch mit der deutschen Such-Alternative Ecosia kooperiert.

Und wer jetzt denkt: Der Wechsel kommt Jahre zu spät, außerdem kann sich doch je­de:r selbst die Suchmaschine einstellen, hat recht. Und auch wieder nicht: Denn Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die allermeisten Menschen bei ihrer Technik die Einstellungen nutzen, die voreingestellt sind. Wenn auf einem Gerät der Chrome-Browser drauf ist, die Datenschutz-Einstellungen lasch sind oder eben die Google-Suche Standard ist – dann wird das so genutzt.

Natürlich wäre es besser, EU-Parlament und auch sämtliche andere Behörden und öffentliche Stellen hätten schon längst gewechselt. Nicht nur die Suchmaschine, sondern auch Browser, Textverarbeitung, Cloud, das ganze Betriebssystem. Besser wäre auch, es gäbe ein digitales europäisches Zahlungssystem, das ohne US-Konzerne wie Paypal oder Visa funktioniert. Ist aber leider nicht der Fall. Daher ist schon dieser klitzekleine Schritt des EU-Parlaments eine Erfolgsmeldung.

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Ein paar Nummern größer denkt die EU-Kommission: Sie hat am Donnerstag ein lange angekündigtes Paket dazu vorgestellt, wie die EU endlich digital unabhängiger werden soll. Es geht um Chips und Clouds, um Rechenzentren und Open Source, also Software, bei der der Quellcode offenliegt.

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Zwar sind noch nicht alle Details des Pakets klar und schon gar nicht beschlossen. Doch es ist entscheidend, dass die Mitgliedstaaten schnell selbst aktiv werden, den Wechsel zu europäischen Open-Source-Alternativen angehen und damit auch Gelder mobilisieren, die bisher an Microsoft, Oracle und Co gingen. Digitale Unabhängigkeit kommt nicht von selbst, sie ist Arbeit. Eine andere Suchmaschine darf nur ein Anfang sein.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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1 Kommentar

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  • "Digitale Unabhängigkeit kommt nicht von selbst, sie ist Arbeit."



    Und vor allem fordert sie enorme Mengen an Strom für die Rechenzentren. Da muss man sich dann auch der Frage stellen, woher soll der kommen, aus französischen AKWs...



    Und es ist eine Frage der Chips, auch da ist Europa fast ausschließlich auf externe Quellen angewiesen. Solange Taiwan frei ist, ist es nur eine Frage des Geldes, was aber, wenn China sein ewiges Säbelrasseln in die Tat umgesetzt?



    Der Schritt der EU ist zu begrüßen, hoffentlich ist man aber auch willens, die daraus folgenden notwendigen Schritte zu gehen, sonst sitzen wir beim Thema Internet eventuell bald mit ähnlich runtergelassenen Hosen da wie heute schon bei der e-Mobilität...