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Wahl zum UN-SicherheitsratTiefschlag für Merz

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Deutschlands Niederlage bei den Vereinten Nationen zeigt: Die Bundesregierung muss daran arbeiten, die eigene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

D eutschland hat alles gegeben – von Gummibärchen über Picknickdecken bis zur diplomatischen Druckbetankung durch Außenminister Johann Wadephul. Es hat nicht gereicht. Bei der Abstimmung über einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat entschied sich die Welt gleich im ersten Wahlgang für Österreich statt für Deutschland. Die Nummer 3 der Weltrangliste der mächtigen Volkswirtschaften muss sich der Nummer 29 geschlagen geben.

Puh, dass muss sich für Kanzler Friedrich Merz, der selbstbewusst eine neue deutsche Führungsrolle in der Welt und einiges mehr ankündigte, wie ein Foul im Strafraum anfühlen. Selber schuld, kann man sagen. Gerade arabische und afrikanische Staaten kritisierten im Vorfeld nicht zu Unrecht Deutschlands doppelte Standards mit Blick auf Nahost und die Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen. Und Floskeln wie, die Situation sei eben komplex, als die USA Anfang des Jahres Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro entführten.

Doch Häme oder gar Achselzucken sind unangebracht. Die UN stecken in der Krise. Zu oft blockieren ständige Mitglieder, allen voran die USA und Russland, den Sicherheitsrat, weil sie ihre Eigeninteressen bedroht sehen. Ohnehin halten beide Länder aktuell das Völkerrecht für verzichtbar und den Multilateralismus für woken Mist. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die auf zwei Jahre gewählten nichtständigen Mitglieder ein Gegengewicht bilden und den Gründungsgedanken der UN hochhalten: das Selbstbestimmungsrecht der Völker, friedliche Konfliktlösungen, internationale Zusammenarbeit.

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Aus einem Rückschlag kann man lernen

Deutschland ist mit dem Anspruch angetreten, den Werten der UN und dem Multilateralismus wieder mehr Geltung zu verschaffen, hat mit dem Motto Respekt, Gerechtigkeit und Frieden für sich geworben. Klar kann sich ein wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland, einer der größten Beitragszahler, hier eher Gehör verschaffen als ein kleines Land mit weniger Ressourcen.

Die Niederlage ist ein Rückschlag, heißt aber nicht, dass Deutschlands Ruf in der Welt nun allein an der DFB-Elf hängt. Der Sicherheitsrat ist die wichtigste, aber nur eine von mehreren Institutionen der UN, und Deutschland ist in vielen sehr aktiv. Um sein Gewicht und den internationalen Einfluss zu stärken, könnte Deutschland etwa stärker die Lücken kompensieren, die mit dem Rückzug der USA entstanden sind, etwa aus der Entwicklungszusammenarbeit.

Und natürlich kann Deutschland sich in zwei Jahren erneut bewerben. Dann wäre es aber wichtig, die eigene Glaubwürdigkeit im Vorfeld zu stärken. Wegducken gilt nicht mehr!

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Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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8 Kommentare

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  • Scheitern als Chance, tät ich mal sagen. Das werden die Nagelsmänner&Frauen bald auch merken. Viel Freude beim Hinterhersehen und -winken. Grüße aus Erfurt

  • Wer hier hämisch kommentiert, hat wirklich GAR NICHTS verstanden. Die nächste Nationalratswahl in Österreich ist zwar offiziell erst 2029, ein Blick in die jüngere Geschichte macht aber deutlich, wie instabil die aktuellen Regierungen sind. Ich tippe auf Neuwahlen, spätestens im nächsten Jahr, und dann wird dort die FPÖ mir großer Mehrheit regieren. Dagegen wirkt Merz und seine CDU dann auch für TAZ-Leser wie ein Klon von Kevin Kühnert. Also, wie gesagt: Nicht zu viel Häme und Spott über der Regierung ausschütten, Österreich ist mit seiner nichtexistenten Außenpolitik und komplett fehlender Haltung ein Geschenk für einige Länder im Sicherheitsrat...

  • Ich als Ossi könnte den meistens aus der Alt-BRD stammenden Politikern sehr ans Herz legen, sich doch bitte nicht auch in der übrigen Welt so zu benehmen, wie es uns Zonisten gegenüber nach BRD-Beitritt gang und gäbe war. Nicht jeder möchte belehrt und darüber informiert werden, was gut und richtig ist und wo der moralische Kompass (gefälligst) zu hängen hat. Wahrscheinlich lässt man in China auch nicht Außenminister*innen von Österreich und Portugal auf dem Rollfeld stehen, warum wohl.... meine Liste von Verbesserungsvorschlägen hinsichtlich Benimmregeln wäre das ziemlich lang.

  • >Die UN stecken in der Krise. Zu oft blockieren ständige Mitglieder, allen voran die USA und Russland, den Sicherheitsrat.<

    Völlige Fehleinschätzung. Es ist conditio sine qua non der UN, dass die Mitgliedsstaaten ungleich sind. Fünf Atommächte haben ein Veto-Recht weil sie sonst nicht beigetreten wären. Die UN ist damit keine demokratische Institution und wird es auch nie werden.

    >Friedrich Merz, der selbstbewusst eine neue deutsche Führungsrolle in der Welt<

    Lächerlich - weder kann Merz führen noch will irgendjemand von Relevanz - nach den Erfahrungen ein Jahr Merz-Regierung - von ihm geführt werden.

  • Die Welt hat es uns gerade unmissverständlich gezeigt: Das ist der Dank für jahrelange oberlehrerhafte Belehrungen und eine Doppelmoral, die im eigenen Land oft edel daherkam, nach außen aber allzu oft von Eigennutz und Arroganz geprägt war. Wer selbst mit zweierlei Maß misst und andere ungefragt missioniert, darf sich über mangelnde Solidarität und wachsenden Groll nicht wundern. Es wird höchste Zeit, dass wir uns eingestehen: Es muss endlich Schluss sein mit der deutschen Großmannssucht. Der ständige Drang, die Welt zu belehren, verbunden mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein, hat unserem Ansehen mehr geschadet als genützt.

    Dabei hätten wir es besser wissen müssen. Deutschland war mal bekannt für Meister der Diplomatie und friedvolles Verhalten – eine Nation, die Brücken baute, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen

  • Puh, ich weiß nicht, die Niederlage Deutschlands gegen Österreich abzufeiern, nur weil man Merz nicht leiden kann oder mag...



    In Österreich waren die Rechten schon an der Macht und in Österreich sind sie, im Gegensatz zu Deutschland, bereits vollumfänglich salon- und regierungsfähig. Österreich vertritt im Gegensatz zu Deutschland auch keine offenere Politik gegenüber Geflüchteten.



    Jeder der das abfeiert muss sich schon fragen lassen, feiert er Österreich weil er die Politik Österreichs besser findet als die Deutsche oder feiert er es nur, weil er Merz jeden Misserfolg gönnt...

  • and so what? Die Regierung sollte sich um Deutschland kümmern, und erst wenn das läuft um den Rest der Welt. Man kanns auch anders sehen: Der Rest der Welt sieht dass die Regierung in D nichts auf die Reihe bekommt und die fragen sich natürlich ob die Bundesregierung überhaupt zu irgendwas fähig sind. Sieht nicht so aus, also lieber Portugal und die Ösis. Also erstmal am die eigene Nase fassen. Und Wadephul oder, wie er anderswo genant wird what-a-fool, weckt natürlich genausoviel Vertrauen wie Annalena. nur anders. Was hat Annalena eigentlich vor, nachdem ihr Vertrag ausläuft?

    • @Gerald Müller:

      Die Partei hat sicher noch einen Posten in petto