Ägyptischer Fotograf: Und wie geht es dem Nil?
Seit 2017 dokumentiert der ägyptische Fotograf Roger Anis den Nil und das Leben an seinen Ufern. Hier macht er sich ein Bild von der düsteren Zukunft.
taz: Herr Anis, welche Perspektive hat der Nil noch?
Roger Anis: Wenn ich das Gesamtbild betrachte, bin ich sehr pessimistisch – Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, Kriege. Jede nächste Katastrophe könnte alles zerstören. Aus dieser Perspektive erscheint Pessimismus logisch. Allerdings finde ich auch Gründe, optimistisch zu sein und positive Entwicklungen zu sehen. Etwa bei der Initiative Very Nile, bei der Fischer Plastik aus dem Nil fischen.
taz: Betrachten Sie Ihre Aufnahmen des Nils als ein Archiv für zukünftige Generationen?
Anis: Jedes Foto ist im Grunde genommen ein Archiv. Deshalb achte ich immer darauf, dass meine Fotos sowohl das Problem als auch die Lösung zeigen. Wenn ich zum Beispiel das Problem der Verschmutzung des Nils fotografiere, sorge ich dafür, dass dieses Bild im kollektiven Bewusstsein des Betrachters lebendig bleibt, damit sich die Menschen, wenn Jahre später über die Verschmutzung diskutiert wird, an dieses Bild erinnern. Hier beginnt die Gegendarstellung: So wie es Umweltverschmutzung gab, gab es auch Menschen, die das nicht so einfach hinnahmen und sich für den Schutz der Umwelt engagierten.
Wie die arabische Welt der Zukunft begegnet
Im Jahr 2050 droht der Region der Klimakollaps. Gibt es nur noch Hitze? Oder auch Hoffnung? 25 Journalistinnen aus 16 arabischsprachigen Ländern haben im Rahmen des zweijährigen Projekts MENA Green Panter (2024–2026) der taz panterstiftung erfrischende Antworten erarbeitet. Am 17. Juni 2026 findet der taz panter talk in Berlin dazu. Eine Podcastfolge dazu gibt es im Format Freie Rede. Alle Texte, die im Rahmen dieses Projektes erschienen sind, können Sie hier lesen.
taz: Was sagt die Realität des Nils über die Kluft zwischen dem, was wir wissenschaftlich wissen, und dem, was politisch beschlossen wird?
Anis: Wenn wir über den Nil reden, sprechen wir von einer Realität voller Allianzen, Kriege und versteckter Absichten. Die Beziehung besteht nicht nur zwischen Wissenschaft und Politik, sondern ist Teil eines komplexen Netzwerks aus Bündnissen und einer völlig turbulenten Welt. Die Politik wägt viele Faktoren ab: ökologische, wirtschaftliche und soziale. Wir als Journalisten oder Forscher, die sich für die Umwelt interessieren, neigen hingegen dazu, uns nur auf den ökologischen Aspekt zu konzentrieren.
taz: Was schließen Sie daraus?
Anis: Die Wertschätzung des Wassers wird steigen. Vor diesem Hintergrund müssen auch die Beziehungen zwischen allen Nilanrainerstaaten gestärkt werden. Wir teilen einen Fluss, und wir haben viel Erfahrung mit ihm, die wir miteinander teilen können. Alles hängt mit unserem Verhältnis zum Wasser zusammen. Ob wir es wollen oder nicht – wir werden diesem Strudel nicht entkommen.
Gilan Hefny, Fotografin und Journalistin aus Kairo. Sie hat die erste Sonderbeilage des Projekts MENA Green Panter der taz panterstiftung bebildert (November, 2025).
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