Umgang mit Rechtsextremisten: Von sich aus wird kein AfDler wieder verschwinden
Wir sind es, die dafür sorgen müssen, dass sie und ihre Namen niemals ein Marker werden. Denn sie sind es nicht wert, dass man sie kennt.
Namen sind Marker. Für die, die unvergessen sind, öffnet der Name eine Tür zum Wirken der Person. Sobald etwa „Mahatma Gandhi“ oder „Goethe“, „Stalin“ oder „Lady Di“ gesagt wird, kennen viele den Kontext. Mal ist das gewaltfreier Widerstand. Mal „Faust“. Mal Massenmord. Mal „Rose of England“.
Wie lange die Namen die Zeit überstrahlen werden, ist nicht klar. Goethe tut es schon eine Weile. Stalin auch, wenngleich er gerade von Putin abgelöst wird. Beides schlimme Männer. Gandhi wiederum bräuchte einen Nachfolger, der Leute genauso wirkungsvoll zu weltweitem Protest gegen Ungerechtigkeit mobilisiert. Solange der nicht in Sicht ist, wird Gandhi die Zeit überdauern. Und Lady Di? Vielleicht wird ihr Name bald verblassen, wobei das Trauma ihres unglücklichen Todes noch eine Weile transgenerationell weitergegeben wird.
Auch nicht ganz so Prominente schaffen es, dass ihr Name eine Zeitlang ein Marker ist: Merkel etwa. Sie steht für spröde, entsexualisierte Beständigkeit. Und Merz: Bei ihm ist es Arroganz, die noch etwas überdauern wird, bevor niemand mehr weiß, wer er war.
Was aber, wenn einem der Name von Leuten, die mit aller Macht in den Vordergrund drängen, die jetzt Geschichte schreiben wollen mit Demagogie, sich unvergessen machen wollen mit Hetze, nicht einfällt? Ist er Ignoranz? Oder Selbstschutz?
Neulich sah ich ein Foto von dieser Frau, die mit ihrem Namen auf solch negative Weise zu einem Marker werden will: Sie hat ein wohlproportioniertes Gesicht und blonde, zurückgekämmte festgesteckte Haare. Wenn sie spricht, klingt, was sie sagt, auf eine entnervte Weise beleidigt. Die Frau ist mir bekannt, aber wie hieß sie doch gleich? Ihre Stimme hat sich bereits wie ein vergifteter Splitter in meine Haut gebohrt. Ich will ihn herausreißen und nicht warten, bis er herauseitert.
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Natürlich, ich kann die Frau zuordnen. Sie ist in der Hetzpartei AfD. Ich meine zudem zu wissen, dass sie lesbisch ist. Vielleicht ist sie in Wirklichkeit aber auch die kleine Schwester einer anderen AfDlerin, die, wenn sie etwas sagt, geifernd wirkt und hasserfüllt. Ihre gelbgrauen Haare liegen wie eine Ritterrüstung um ihren Kopf. Ihr Name fällt mir gerade auch nicht ein.
Bei den zwei Damen und diesem Thüringer, der wohl gerne die Marke „Hitler“ trüge, sehe ich Gesichter. Ich könnte sie beschreiben: Der Thüringer sieht ungeformt aus. Seine Haut ist farblos. Auch bei ihm ist die Stimme getragen vom Eifer der Verachtung. Die hellen in den Kopf fallenden Augen, der verschwindende Mund lassen ihn unfertig erscheinen, als wäre er in unvollendeter Metamorphose schon früh auf seinem Lebensweg stecken geblieben.
Diese drei sind die Einzigen, deren Gesichter ich erkenne. Verbissen alle. Sie kündigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an im Namen der Verteidigung des Deutschseins. Was genau das Deutschsein sein soll, erklären sie nicht. Und ja klar, jetzt, wo ich mich mit ihnen beschäftige, fallen mir ihre Namen doch wieder ein. Beim Thüringer nur der Nachname.
Bei den anderen aus der AfD weiß ich nicht, wie sie heißen, sehe keine Gesichter. Und bin erleichtert. Als könne meine Weigerung, mir ihre Namen zu merken, sie auslöschen. Auch diesen Typen, der die Nazizeit für einen Vogelschiss hält. Er hat mal eben das gesellschaftliche Klima vergiftet, trat ab und verschwand in der Versenkung. Ich denke, sie alle sind es nicht wert zu überdauern. Ich will mich mit Schönem beschäftigen, nicht mit ihnen und ihrem Schmutz.
Ist das ein Fehler? Ja. Denn von sich aus bleibt keine dieser Figuren ein Nichts. Wir sind es, die dafür sorgen müssen, dass sie und ihre Namen niemals ein Marker werden. Denn sie sind es nicht wert, dass man sie kennt.
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