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Neue transatlantische BeziehungenSich nicht blenden lassen, sondern Grenzen ziehen

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Es war der zweite G7-Gipfel, seit US-Präsident Trump wieder an der Macht ist. Diesmal ohne Eklat. Aber von neuer Harmonie kann keine Rede sein.

L ief doch ganz gut in Évian. Nachdem US-Präsident Donald Trump vor einem Jahr das G7-Treffen in Kanada vorzeitig verlassen hatte – damals startete er die erste Angriffswelle gegen Iran – und dann leider, leider keine Zeit hatte, den ukrainischen Präsidenten zu treffen, blieb er diesmal sogar länger.

Unterzeichnete im Versailler Spiegelsaal überraschend ein Friedensabkommen mit Iran und machte Wolodymyr Selenskyj Hoffnung, dass die USA endlich Druck auf den russischen Kriegsherrn Wladimir Putin ausüben würden, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Mehr, als die anderen G6 und vor allem die Europäer erhofft hatten. Bundeskanzler Friedrich Merz lobte den Gipfel als Erfolg. Zieht der Westen also an einem Strang, sind die transatlantischen Beziehungen wieder im Lot? Mitnichten!

Nicht blenden lassen

Im Umgang mit Trump und seiner Truppe gilt, was Psychologinnen auch für den Umgang mit Psychopathen raten: Man soll sich nicht von großartigen Versprechungen oder überwältigenden Reden blenden lassen, sondern Grenzen ziehen und einhalten. Denn Psychopathen wollen die absolute Kontrolle über andere haben. Sie lügen, manipulieren und zielen immer auf die Schwachpunkte. Kommt einem als Muster irgendwie bekannt vor.

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Nur einen Tag nachdem Trump seinen (schlechten) Deal im Schloss Versailles unterschrieben und sich zuvor ausgiebig selbst gelobt hatte, machte sein Kriegsminister Pete Hegseth jegliche Hoffnungen auf ein harmonisches Weiter-so wieder zunichte. Hegseth kündigte eine Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa an, die USA wollen zudem Kampfjets, Bomber und Flugzeugträger abziehen. Das war absehbar und tut dennoch weh, denn es zielt auf die größte Schwäche der Europäer, nämlich die eigene Sicherheit. Die USA wollen keine Schutzmacht Europas mehr sein.

Kriegsminister Hegseth machte Hoffnungen auf Harmonie zunichte

Strategische Abhängigkeiten gibt es aber auch auf anderen Gebieten. So bezieht die EU schätzungsweise zwei Drittel des Flüssiggases aus den USA, die Abhängigkeit und damit die eigene Erpressbarkeit sind enorm. Was, wenn, die Trump-Regierung irgendwann beschließt, die Europäer durch LNG-Entzug zu bestrafen? Zudem ist das leidige Zollthema zwar vorerst zuungunsten der EU-Staaten vom Tisch, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die USA neue Zölle erheben, um ihren politischen Willen durchzusetzen und Europa auf Linie zu zwingen.

Das transatlantische Verhältnis bleibt also asymmetrisch und prekär. Daraus folgt: Die Europäer müssen weiterhin daran arbeiten, auf Distanz zu den USA unter Trump zu gehen; und die eigene Verteidigung hochziehen, die Energieversorgung über den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben und weltweit neue Partnerschaften eingehen. Es ist politisch klug, zugleich Trump und Co bei Laune zu halten, auch mit T-Shirts und anderen Demutsgesten. Aber bitte immer mit Kästner im Hinterkopf: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

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Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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3 Kommentare

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  • „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

    Der Ratschlag kommt etwas zu spät für Deutschland. In dieser Hinsicht ist "das Kind längst in den Brunnen gefallen".

    Die Abhängigkeiten machen Deutschland auch noch nach der Ära Trump für lange Zeit zum Vasallen der USA. Die Rohstoffimporte und zu denen zählt in erster Linie Öl und die Rüstungsimporte binden Deutschland langfristig und sind auch in der Zukunft nicht zu ersetzen.

    Zu viele Waffensysteme aus US Produktion binden das Land auch vertraglich hinsichtlich Munition und Ersatzteile. Ein schleppender Ausbau der EE für die Inlandsversorgung und ein geringer Anteil an E Mobilität tragen das ihrige dazu bei. Und dann bliebe da noch der Punkt der Satellitenaufklärung.

    Von der wirtschaftlichen Komponente, die USA als Handelspartner der deutschen Wirtschaft, ganz abgesehen.

    Da sieht dann das Setzen der Grenzen so aus, das US Importe zollfrei bleiben oder Überflugrechte für die Durchführung eines Angriffskriegs gewährt werden.

    Deutschland ist halt nicht Spanien, Großbritannien oder Frankreich, die sich in vielen Bereichen nicht ganz so abhängig von den USA gemacht haben.

  • An wen sollen denn die USA Waffen verkaufen, wenn die Feinbilder verlorengehen?

  • Wann werden die Europäer endlich entsprechend handeln, denn begriffen muss es auch der letzte haben, und nicht mehr mit dem Feind unserer Lebensweise paktieren? Trump vernichtet unsere Arbeitsplätze, zerstört unsere Welt und kostet uns Milliarden. Aber statt unabhängiger zu werden, Rückgrat zu zeigen und die Weichen in Richtung europäische Eigenständigkeit zu stellen, setzt Reiche auf Gas, Dobrindt auf Palantir, Pistorius auf amerikanische Waffen und Merz auf Golfschläger und Trikots. Im Übrigen kann ich diese Witzfiguren, Vance, Rubio, Hegseth und wie sie alle heissen nicht mehr ertragen. Trump ist ohnehin der/die/das Letzte! Aber eins haben die Flitzpiepen definitiv erreicht, die Nazis werden stärker und stärker und ab 2029 wohl mit dem Thielfreund Spahn als Vize Schland regieren. Ich sage mir auch jeden Tag, noch ist der Kampf gegen die Machtergreifung 2.0 nicht verloren, doch dann lese ich die Zeitungen ... und Puff ist die Hoffnung wieder perdu. Europa unabhängig? Never, ever! Wir sind längst völlig abhängig von Amerika, den Ölstaaten oder den Chinesen. Also schön Sitz und Platz machen, Pfötchen geben, das Stöckchen holen und nach deren Pfeife tanzen.