WM-Verbot für somalischen Schiri: Die Oberschiedsrichter
Die US-Behörden verweigern dem somalischen WM-Schiedsrichter Omar Artan die Einreise. Die Fifa schwärmt weiter vom inklusivsten Turnier aller Zeiten.
Sollte noch irgendjemand Zweifel gehabt haben, wer denn bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft die Oberschiedsrichter sein werden, weiß spätestens seit Montagabend Bescheid: die Staatsbehörden der USA natürlich. Die verweigerten nämlich, wie am Montag bekannt wurde, dem von der Fifa nominierten somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise.
„Aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung“, wie die Grenzschutzbehörde CBP mitteilte. Genaueres war nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Visum erhalten somalische Staatsbürger aufgrund eines Dekrets von US-Präsident Donald Trump sowieso nicht. Somalia hatte Artan deshalb mit einem Diplomatenpass ausgestattet. Geholfen hat selbst das nichts.
Die US-Behörden können also die Spielregeln dieser WM diktieren. Das räumte letztlich auch die Fifa mit ihrem resignativ-unterwürfigen Statement ein, man sei nicht an den Verfahren zur Einwanderung beteiligt.
Am Wochenende hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino bereits in Miami die nominierten 170 Schiedsrichter, Schiedsrichterassistenten und Videospieloffiziellen persönlich begrüßt. In rosa Trikots, den Farben der Stadt, stellte sich die Elite der Unparteiischen gemeinsam mit Infantino zum Gruppenfoto auf.
Infantino hieß die „Besten der Besten“ willkommen. Und ein Hinweis war ihm wichtig: „Sie haben jahrelang darauf hingearbeitet, für die größte Fußball-WM aller Zeiten bereit zu sein. Und hier sind sie nun in diesen großartigen Anlagen in Miami.“ Dass da einer der Besten trotz langjährig erworbener Meriten fehlte, verschwieg Infantino zu diesem Zeitpunkt. Offenkundig wollte er bei den Oberschiedsrichtern nicht als Nörgler unangenehm auffallen.
Historische Berufung
Zum Schiedsrichter des Jahres wurde Omar Artan 2025 vom afrikanischen Fußballverband gekürt. In diesem Jahr pfiff er auch ein Finalspiel der afrikanischen Champions League. Seine WM-Nominierung wurde als historisch gefeiert, weil er als erster Somalier an solch einem Turnier teilnehmen sollte. Das Nationalteam konnte sich nie für eine WM qualifizieren. Der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud bezeichnete den 34-Jährigen deshalb auch als „Inspirationsquelle für die neue Generation von Somalis“.
Nach Angaben des iranischen Fußballverbands wurde bereits 15 Funktionären die Einreise in die USA verweigert. Deren Fans dürfen ohnehin nicht ins Land. Dies bleibt auch Anhängern aus Haiti, Senegal und der Elfenbeinküste verwehrt. Der Internationale Sportjournalisten-Verband Aips beklagt, dass auch etliche Reporter aus afrikanischen Ländern zu Hause bleiben müssen. „Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren“, schrieb Aips-Chef Gianni Merlo an die Fifa und forderte den Weltverband zur Intervention bei den US-Behörden auf.
Aus den eigenen Reihen muss Fifa-Chef Infantino solche Kritik nicht befürchten. Das Statement von Omar Artan hätte die Fifa selbst auch so verfasst haben können. Sie war so freundlich, es zu veröffentlichen: „Trotz der Umstände bin ich guter Dinge und konzentriere mich auf die nächsten Herausforderungen in meiner Schiedsrichterkarriere. Ich möchte der Fifa und CAF [dem afrikanischen Verband] für ihre Unterstützung danken und verspreche, mein schiedsrichterliches Niveau aufrechtzuerhalten, während ich mich auf die Zukunft konzentriere.“
Aus somalischen Regierungskreisen kam wiederum der Aufruf an die Fußballwelt, sich solidarisch mit Omar Artan zu zeigen. „Omar Artan gehört zu den angesehensten Schiedsrichtern Afrikas und verdient die Unterstützung der gesamten Fußballgemeinschaft.“
Auf Hilfe der Fifa ist offenkundig nicht zu rechnen. Der Ausschluss von Artan wird Gianni Infantino nicht daran hindern, auch in den nächsten Tagen von der „größten, inklusivsten und großartigsten WM aller Zeiten“ zu schwärmen.
Vielmehr war es dem Verband wichtig, darauf hinzuweisen, dass wie bei früheren Fifa-Veranstaltungen die Gastgeberländer letztlich entscheiden würden, wer einreisen dürfe und wer nicht. Der feine Unterschied zu früheren Veranstaltungen ist nur, dass bislang noch nie einem Schiedsrichter die Einreise zu einer WM verweigert wurde.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert