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Möglicher Angriff aus BelarusWarum die Ukraine ihre Grenze nach Norden verstärkt

Zu Beginn des Überfalls auf die Ukraine stellte Belarus Russland Militärstützpunkte und Flugplätze zur Verfügung. Experten warnen vor einer erneuten Kooperation beider.

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Die Ukraine bereitet sich nach eigenen Angaben auf die Abwehr einer möglichen Offensive aus Belarus vor. Entlang der circa 120 Kilometer langen Grenze legen ukrainische Sicherheitsbehörden Minenfelder an und errichten Befestigungsanlagen.

Auch die Zivilbevölkerung ist häufiger von Kontrollen betroffen. Vertreter der ukrainischen Streitkräfte sprechen zudem offen über mögliche militärische Ziele auf belarussischem Territorium. Das Magazin Wjorstka analysiert, wie real die Gefahr ist, dass Minsk direkt in den Krieg eintritt.

Am 2. Mai erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass nahe der ukrainisch-belarussischen Grenze eine „ungewöhnliche Aktivität“ auf der anderen Seite beobachtet worden sei.

Anschließend berichteten ukrainische Medien, dass auf belarussischer Seite die Infrastruktur im Grenzgebiet ausgebaut werde. Demnach würden Straßen und Zufahrtswege modernisiert und Stellungen für die Artillerie eingerichtet.

Russische Armee griff auch von Belarus aus an

Zwei Wochen später, am 15. Mai, verschärfte Selenskyj seine Warnungen. Ihm zufolge prüfe Moskau mögliche Operationspläne, die von belarussischem Territorium aus umgesetzt werden könnten. Sprich: Wie eine Invasion in die Ukraine von Belarus aus erfolgreich gelingen könnte.

Dabei geht es entweder um eine Bedrohung der ukrainischen Regionen Tschernihiw und Kyjiw im Norden des Landes oder um mögliche Aktionen gegen einen Nato-Staat an der Nordgrenze von Belarus. An dieser Grenze liegen die beiden Bündnismitglieder Litauen und Lettland. Aber könnte sich Belarus der russischen Vollinvasion anschließen?

An den direkten Kampfhandlungen beteiligten sich die belarussischen Streitkräfte bislang nicht. Belarus stellte zwar sein Territorium und seine Infrastruktur zur Verfügung, entsandte aber keine eigenen Truppen an die Front.

Zu Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 griff die russische Armee die Ukraine auch von belarussischem Territorium aus an. Die Offensive gegen Kyjiw erfolgte dabei über zwei Achsen: durch die Region Prypjat sowie über Tschernihiw.

Russische Armee rückte bis in Kyjiws Außenbezirke vor

Von der belarussisch-ukrainischen Grenze bis zur ukrainischen Hauptstadt sind es nur circa 100 Kilometer. Damals gelang es den russischen Truppen, innerhalb eines einzigen Tages bis zu den Außenbezirken Kyjiws vorzurücken.

Heute erscheint ein solcher Vorstoß jedoch kaum noch vorstellbar. Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Verteidigungsstellungen entlang der Nordgrenze stark ausgebaut und die Region auf einen möglichen neuen Angriff vorbereitet.

Russland nutzte während der Invasion Militärstützpunkte und Flugplätze auf belarussischem Territorium, startete von dort Raketenangriffe auf die Ukraine und behandelte verwundete Soldaten in belarussischen Militärkrankenhäusern.

Die belarussischen Streitkräfte umfassen derzeit etwa 49.000 Soldaten. Im Kriegsfall könnten sie durch schätzungsweise 150.000 bis 300.000 Reservisten verstärkt werden. Rund 6.500 Soldaten und Unteroffiziere dienen auf Vertragsbasis, zudem werden Reservisten unter den Offizieren regelmäßig zu Übungen und Einsätzen einberufen. Die Armee verfügt überwiegend über modernisierte Waffensysteme und Militärtechnik aus sowjetischer Produktion.

Die Armee von Belarus wäre zu schwach für einen Angriff

Militärexperten bezweifeln allerdings, dass Belarus mit seinen Kräften eine groß angelegte Offensive gegen die Ukraine erfolgreich durchführen könnte. Als deutlich realistischer gilt derzeit das Szenario, dass Belarus sein Territorium erneut für russische Militäraktionen zur Verfügung stellt. Unabhängige Belege für konkrete Vorbereitungen einer solchen Offensive liegen bislang jedoch nicht vor.

Das Institute for the Study of War (ISW) weist ebenfalls darauf hin, dass Russland derzeit wahrscheinlich nicht über ausreichende Reserven verfügt, um eine neue Großoffensive von belarussischem Territorium aus zu starten.

Die Analysten des ISW gehen jedoch davon aus, dass Moskau versuchen könnte, Alexander Lukaschenko dazu zu bewegen, belarussisches Territorium für Drohnenangriffe auf die West- und Nordwestukraine zur Verfügung zu stellen. Mögliche Ziele könnten dabei auch wichtige Bahnverbindungen sein, über die Waffen und Hilfsgüter aus Polen in die Ukraine gelangen.

Bislang wurden derartige Angriffe von belarussischem Gebiet aus jedoch nicht registriert.

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1 Kommentar

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  • Ein Grund für militärische Aktivitäten in Belarus in der Nähe der Grenze zur Ukraine könnte neben geplanten Angriffen auch nur dessen Vortäuschung sein, damit die Ukraine dort verstärkt Ressourcen bindet. Diese wären dann eben nicht im Osten und Süden verfügbar.