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Klimawandel in DeutschlandOrganisationen fordern besseren Hitzeschutz

Ein Bündnis aus mehr 150 Organisationen verlangt systematisch mehr Hitzeschutz. Ein mehrtägiger Hitzedom könne zu Tausenden Toten in Deutschland führen.

dpa/epd/taz | Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage aus Sicht von Gesundheits- und Klimaexperten bisher nicht ausreichend vorbereitet. Mehr als 150 Institutionen und Verbände aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft fordern daher, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung zum „Hitzeaktionstag 2026“ an diesem Donnerstag warnt das Bündnis, dass in einem extremen Hitzedom-Szenario Zehntausende Todesfälle in Deutschland innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben würden. Bei diesem meteorologischen Phänomen bildet eine starke Hochdruckzone eine „Kuppel“ über einem bestimmten Gebiet, wo die Hitze eingeschlossen wird.

Ein solcher Hitzedom ohne Vorbereitung könne zu mehreren Zehntausend Todesfällen in wenigen Tagen führen, sagte der Mitgründer der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Martin Herrmann.

„Auf so ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet“, hieß es in der Pressemitteilung. Gesundheitsbezogener Hitzeschutz müsse daher konsequent und flächendeckend umgesetzt werden.

Temperaturen von 45 Grad möglich

Der Meteorologe und ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke wies auf das schnelle Ansteigen der weltweiten Temperaturen hin. Im Jahr 2024 lag die globale Temperatur erstmals 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2031 könnte laut Schwanke die 2-Grad-Marke erstmals gerissen werden. Zudem seien deutschlandweit die Hitzewellen deutlich wärmer als noch in den 1960er Jahren: In Berlin seien diese um etwa 4 Grad heißer geworden, in Frankfurt am Main um 5 Grad, in Münster gar um 6,5 Grad.

In Zukunft erwarteten die Menschen mehr Hitzetage mit mehr als 30 Grad und mehr Tropennächte mit Temperaturen nicht unter 20 Grad, sagte Schwanke. Höchsttemperaturen von 45 Grad könnten in den kommenden Jahren möglich werden, warnte er.

Im Mai war es teilweise 10 Grad zu warm

Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen den Angaben zufolge Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden. Das habe man zuletzt in der extremen Hitzewelle in Europa Ende Mai noch vor dem offiziellen Sommerbeginn beobachten können. Solche stabilen Hochdrucklagen mit sehr hohen Temperaturen ohne nächtliche Abkühlung seien besonders gefährlich und könnten zu einer drastischen Zunahme hitzebedingter Todesfälle führen.

Am Mittwoch veröffentlichte Daten des europäischen Klimadienstes Copernicus sprechen vom zweitwärmsten Mai seit Beginn der Messungen. Westeuropa hat demnach in der zweiten Maihälfte eine ungewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle erlebt. Die stärksten Temperaturabweichungen seien im Westen Frankreichs sowie in England und Wales verzeichnet worden. Dort lagen laut Copernicus die Tagesdurchschnittstemperaturen mehr als 10 Grad über dem Durchschnitt.

Milliardenschäden durch Hitze

In solchen Hitzephasen nehmen nach Darstellung der Verbände, die sich jetzt in Deutschland zusammengetan haben, auch wirtschaftliche Schäden deutlich zu. Für Deutschland werden demnach in aktuellen Szenarien hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre erwartet. „Wer Deutschland krisenresilient machen will, muss Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken“, heißt es.

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Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte, „längere und intensivere Hitzeperioden belasten insbesondere ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen und stellen zugleich das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen“. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssten auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.

Nach den Worten der Gesundheits- und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese (SPD), sind die Auswirkungen von klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit bislang noch nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert.

Zu den Initiatoren des Bündnisses zählen laut den Angaben die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Insgesamt hätten sich über 150 Institutionen und Verbände angeschlossen.

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