UNHCR-Bericht 2025: Der Trend geht zur Abschiebung
Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist erstmals seit langer Zeit leicht zurückgegangen, so die Vereinten Nationen. Der Grund dafür ist aber bedenklich.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge auf der Welt leicht zurückgegangen. 50,6 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr außerhalb ihres Herkunftslandes vertrieben – im Vorjahr waren es noch 51,2 Millionen. Das berichtet das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) in seinem Jahresbericht 2025, den es am Mittwoch vorstellte.
Was wie ein Fortschritt erscheint, ist mit viel Leid erkauft. Denn der Rückgang der Flüchtlingszahl geht auch darauf zurück, dass im vergangenen Jahr etwa 4,4 Millionen Menschen wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehrten. Das lag aber nur teils daran, dass sich die Lage dort verbessert hätte. Oft waren Abschiebungen oder eine Vertreibung durch den Entzug von Rechten die Ursache.
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Über 90 Prozent der Rückkehrer entfielen auf nur drei Länder. Fast zwei Millionen Menschen kehrten in das von den Taliban beherrschte Afghanistan zurück, viele wurden aus Pakistan abgeschoben. 1,3 Millionen Menschen kamen nach Syrien zurück, oft abgeschoben aus der Türkei. In den Sudan, wo der Krieg mit unverminderter Härte weitergeht, gingen rund 650.000 Menschen zurück, die oft aus Ägypten abgeschoben wurden. „Viele der Rückkehrenden gingen unter widrigen Umständen und in Gebiete zurück, in denen weiterhin Unsicherheit herrscht“, so der UNHCR.
Millionen Menschen wurden neu vertrieben
Auch in Venezuela wurde ein Anstieg spontaner Rückkehrbewegungen sowie staatlich organisierter Rückführungen verzeichnet. Hintergrund sei die Wahrnehmung, dass sich die Lebensbedingungen in dem Land verbessern, so der UNHCR. Seit 2018 seien mehr als 1,2 Millionen Menschen in das Land zurückgekehrt.
Gleichzeitig wurden 2025 mehrere Millionen Menschen neu vertrieben, sodass am Ende ein Minus von etwa 600.000 steht. Die meisten Menschen flohen im vergangenen Jahr aus dem Sudan, der Ukraine, Venezuela, Südsudan, Burkina Faso, Afghanistan, Mali und Myanmar.
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Hinzu kommen rund 69 Millionen sogenannter Binnenvertriebener, also Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen mussten. Insgesamt summiert sich die Zahl der Vertriebenen damit weltweit auf knapp 118 Millionen. Vier von zehn Geflüchteten sind Kinder – ein überdurchschnittlicher Anteil, da nur knapp ein Drittel der Weltbevölkerung minderjährig ist. Mehr als ein Drittel der Vertriebenen, die in ein anderes Land gelangen, kommen in nur sechs Ländern unter – Kolumbien, Deutschland, die Türkei, Uganda, Iran und Tschad sind die Länder, die in den vergangenen Jahren am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben.
Kriege in Iran und Libanon treiben in die Flucht
Neu aufflammende Kriege tragen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Die eskalierenden Kriege in Iran und in Libanon haben ab Februar 2026 zu „großflächigen Vertreibungen, zahlreichen zivilen Opfern sowie erheblichen Schäden an Wohngebäuden und ziviler Infrastruktur geführt“, so der UNHCR. In Libanon seien schätzungsweise eine Million Menschen, in Iran rund 3,2 Millionen vorübergehend auf der Flucht innerhalb des Landes. Vieles deute darauf hin, dass die Vertreibung länger andauern werde.
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In Mali habe sich die Sicherheitslage nach dem Vormarsch von Dschihadisten und Tuareg-Rebellen im Norden des Landes zuletzt deutlich verschärft. Die teilweise Abriegelung der Hauptstadt Bamako durch bewaffnete Gruppen Ende April 2026 dürfte weitere Vertreibungen nach sich ziehen.
„Für zu viele Flüchtlinge beginnt die Flucht als Rettungsanker, dauert aber ein Leben lang“, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih. Es gehe zunächst ums Überleben, die Flucht bestimme aber oft dauerhaft die Lebensrealität. „Humanitäre Hilfe rettet Leben, aber ermöglicht es den Menschen nicht, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.“
Wichtig sei der Übergang von reiner Nothilfe zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit. „Wir können eine Zukunft nicht akzeptieren, in der Millionen Menschen über Jahre oder Jahrzehnte ohne echte Perspektive bleiben.“
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