US-Senatskandidat Graham Platner: Demokratische Hoffnung mit groben Macken
Im US-Bundesstaat Maine hat Graham Platner die Senatsvorwahl der Demokraten gewonnen. Sein Erfolg wird von Sexting-Skandalen und Nazi-Tattoos getrübt.
Der ehemalige US-Soldat und Austernfischer Graham Platner konnte sich in dieser Woche die Nominierung seiner Partei für die Senatswahl im Bundesstaat Maine sichern. Platner gilt als nächster linksliberaler Hoffnungsträger der Demokraten. Doch Negativschlagzeilen haben dessen Image in den vergangenen Wochen und Monaten stark zugesetzt.
Innerhalb der Partei gibt es Stimmen, die in Platner keinen Hoffnungsträger, sondern eher ein politisches Risiko sehen. Er stellt sich in seiner Kampagne klar gegen das politische Establishment in Washington und will sich für die amerikanische Arbeiterklasse einsetzen. Politisch steht Platner Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Zohran Mamdani nahe. Mit seinem populistischen Wahlprogramm konnte er nun zumindest schon die demokratischen Wähler in Maine überzeugen.
Er setzt sich für eine allgemeine Gesundheitsversorgung, höhere Steuern für Vermögende und einen höheren bundesweiten Mindestlohn ein. Bei Wahlkampfveranstaltungen wütet er gegen Milliardäre und Großkonzerne. „Kein Maßstab für harte Arbeit rechtfertigt die Existenz von Milliardären, während Menschen im Osten von Maine drei Jobs ausüben müssen, nur um Essen auf den Tisch zu bringen“, sagte er vor kurzem bei einer Kundgebung in Portland.
Doch das Bild des hart arbeitenden Ex-Soldaten hat in den vergangenen Monaten einen Kratzer abbekommen. Laut Medienberichten soll Platner sexuell eindeutige Textnachrichten an mehrere Frauen geschrieben haben, obwohl er verheiratet war. Auch schilderten mehrere Ex-Freundinnen in der New York Times ihre Beziehungen mit Platner. Er soll impulsiv und untreu gewesen sein.
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Tattoo mit Nazisymbolik
Außerdem geriet er aufgrund eines Tattoos mit Nazisymbolik in die Kritik. Platner gab an, er habe es sich ohne Kenntnis seiner Bedeutung stechen lassen und später überdecken lassen. Zudem tauchten alte Reddit-Beiträge auf, in denen er homophobe Beleidigungen verwendete und sexuelle Übergriffe beim Militär herunterspielte.
Platner reagierte auf die Negativschlagzeilen mit einer Mischung aus Reue und Trotz. Er spricht von einer schwierigen Zeit nach seinem Militärdienst, einer unbehandelten posttraumatischen Belastungsstörung und Alkoholmissbrauch.
„Wenn Sie – so wie ich – daran glauben, dass wir unsere Politik und unser Land verändern können, dann müssen Sie auch daran glauben, dass Menschen sich ändern können. Ich glaube daran, weil ich es selbst erlebt habe“, sagte Platner nach seinem Wahlsieg am Dienstag.
Am Ende gewann Platner seine Vorwahl mit fast zwei Dritteln der Stimmen. Sein Erfolg ist nicht nur auf seine politische Plattform zurückzuführen, auch die Realitäten in Maine spielen eine Rolle. Mit 1,4 Millionen Einwohnern ist der Staat im äußersten Nordosten der USA einer der kleinsten. Das Auftreten eines Kandidaten sowie der persönliche Austausch mit Wählern zählt noch immer viel. Genau hier konnte Platner punkten.
Im November 2024 gewann Donald J. Trump zum zweiten Mal eine Präsidentschaftswahl in den USA und amtiert seit Januar 2025 als 47. Präsident. Er treibt den Umbau öffentlicher Einrichtungen und einen Kurswechsel in der Außenpolitik voran.
Republikanerin Collins als Gegnerin
Ob Platner auch bei Nicht-Demokraten in Maine so gut ankommen wird, ist fraglich. Doch für die demokratischen Chancen, die Kontrolle im US-Senat zurückzugewinnen ist ein Sieg in Maine fast schon Pflicht.
Gegenspielerin ist die Republikanerin Susan Collins, die seit mittlerweile fast 30 Jahren Maine in Washington vertritt. Collins vertritt damit als Republikanerin einen Bundesstaat, der seit 1988 nicht mehr für einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt hat. Allein dies zeigt, dass es nicht leicht werden wird, Collins zu schlagen. Sie ist äußerst beliebt und im Gegensatz zu vielen anderen in ihrer Partei ist sie bereit mit Demokraten zusammenzuarbeiten und auch gegen die Agenda von Präsident Donald Trump zu stimmen.
Obwohl nicht jeder innerhalb der Partei Platner für den besten Kandidaten hält – vor allem aufgrund der Skandale – müssen die meisten eingestehen, dass die Status-Quo-Kandidaten in Maine bisher an Collins gescheitert waren. Und dank Präsident Trump sind Skandale in der US-Politik kein Ausschlusskriterium mehr.
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