Völkische Gruppe indoktriniert Kinder: Wo die Jungadler fliegen
Seit Jahren veranstaltet die völkische Gruppe „Jungadler“ konspirativ Zeltlager und indoktriniert Kinder – und hat Verbindungen bis zur AfD.
E s sind Szenen an diesem Samstag Ende Mai im kleinen Neubulach im Schwarzwald, die auch Wanderer stutzen und anhalten lassen. Ganz am Ortsrand, hinter einer Veranstaltungsscheune, der Faktorei, schreitet am Morgen eine Art Prozession auf eine frisch abgeheute, hügelige Wiese. Vor den Bäumen steht eine Tischreihe, feierlich gedeckt mit weißen Laken. Nur der nahe Waldrand spendet Schatten, dahinter geht es hinab zu einem Bergwerk. Voran geht ein junges Paar, sie im langen weiß-grauen Kleid, in den Haaren ein Blumenkranz, er passend dazu mit grauer Weste. Und hinter ihnen mehr als 150 Personen. Die Frauen und Mädchen ebenso in traditionellen Kleidern, auch die Männer und Jungen in Tracht. Auf der Wiese bilden sie einen zeremoniellen Kreis, tanzen und singen, musizieren mit Gitarren, die Hitze schwirrt. Es wirkt wie ein altertümliches Spektakel.
Später zieht die Gruppe wieder zurück in die Scheune. Hinter den Gebäuden sind schwarze Jurten zu sehen, wie sie Pfadfinder benutzen. Der Hof ist zugeparkt mit Autos, viele mit Dachzelten, dazu Kleinbusse, in denen sich übernachten lässt. An der Fassade des Gebäudes ist ein Reichsadler zu erkennen und der Schriftzug: „Deutsches Schutzgebiet“.
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Es ist eine „Eheleite“, eine heidnische Hochzeit, die diese Gesellschaft am 30. Mai in Neubulach feiert, einem Kurort mit knapp 6.000 Einwohnenden, 50 Kilometer vor Stuttgart. Die Braut Inga W., eine Handwerkerin, kommt aus einem nahen Dorf. Der Bräutigam Hartmut B., der als Musiker auftritt, wuchs in der Nähe des bayerischen Freising auf. Und beide kommen aus einschlägigen Familien – aus völkischen Familien, die sich selbst als Sippen bezeichnen.
Denn diese Hochzeit ist mehr als ein ausgelassenes Fest. Es ist ein Treffen einer Szene, die sich als nationalistische Avantgarde versteht. Die heidnische Rituale pflegt, um eine antimoderne Lebenswelt von Generation zu Generation weiterzureichen. Sie soll damit auch den Zusammenhalt dieser Szene stärken und auch den einer Organisation, der die Frischvermählten angehören: der Jungadler.
Verbindungen zur AfD
Es ist eine Gruppe, die Kinder in Zeltlagern zu Härte drillt, die ihnen NS-Größen als Vorbilder vermittelt. Die sich bundesweit organisiert und Verbindungen bis zur AfD und der Identitären Bewegung hat. Die sich äußerst konspirativ gibt. Und bei der sich die Frage stellt, ob sie nicht eine Nachfolgerin der 2009 verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) ist – und damit ebenso verboten gehört.
Und dennoch hatten die Sicherheitsbehörden die Gruppe lange nicht auf dem Schirm. Erst vor gut einem Jahr scheinen die Jungadler dort wirklich ins Visier geraten zu sein – durch eine Anzeige ausgerechnet gegen einen Brandenburger Oberstaatsanwalt, der die Gruppe unterstützt haben soll. Doch der Jungadler macht weiter.
Die Eheleite in Neubulach gewährt einen Blick hinter die Kulissen einer äußerst abgeschotteten Szene. Und es sind gleich mehrere Familien mit Bezug zum Jungadler, die anreisen. Ihre Gesichter prangen nach taz-Recherchen auf internen Fotos der Gruppe. Diese Fotos zeigen die Jugendlichen auf Wanderungen in Wäldern, auf Wiesen neben ihren Jurten, marschierend mit einer schwarzen Dreiecksfahne mit Sonnensymbol. Fast immer in blauen Kleidern und Hemden, beides Erkennungszeichen der Jungadler.
Nach Neubulach reisen die jungen Ehepaare und Jugendliche nun aus anderen Gemeinden in Baden-Württemberg an, aus Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder aus Hessen – und einige auch aus Österreich. Viele der Familien tauchen bereits seit Jahrzehnten in der völkischen rechtsextremen Szene auf, gehörten zu inzwischen verbotenen Gruppen wie der Wiking-Jugend, der HDJ, der Artgemeinschaft – oder zum noch aktiven „Sturmvogel/Deutscher Jugendbund“, den der niedersächsische Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft. Die Zusammenkunft in Neubulach zeigt, wie vernetzt die Szene weiter ist – und mittendrin der Jungadler.
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Eine völkische Parallelwelt
Schon 2017 erwähnte die taz-Autorin Andrea Röpke Jungadler-Aktivitäten in Mecklenburg in einem Bericht. Zuletzt berichtete die Zeit als Erste ausführlicher über die Gruppe und zeigte deren Verbindungen in die AfD auf. Seit etwa 15 Jahren veranstaltet der Jungadler bereits bundesweit Zeltlager, organisierte auch Fahrten ins polnische Schlesien, das ehemalige „Reichsgebiet“.
Man sei ein „kleiner, aber schneidiger Jugendbund“, heißt es in einem internen Papier in Frakturschrift. Neue Familien sollten „bewusst“ ausgewählt werden. Die Warnung: „Achtung – nicht jeder, der ‚national‘ denkt oder aus ‚völkischen Kreisen‘ kommt, ist auch für unseren Jugendbund der richtige.“ Neuzugänge sollten „nach ihrem Charakter, ihrer Familie und deren Umfeld sowie nach ihrem Alter beurteilt werden“. Die Entscheidung für eine Aufnahme trifft demnach die „Gefährtenschaftsführung“.
Aufgebaut ist die Gruppe in „Horte“, die Namen tragen wie „Barbarossa“ für den Ableger in Bayern, „Dragoner“ im Norden, „Wolfswald“ in Sachsen-Anhalt und Sachsen oder „Rote Milane“ in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Horten seien die „Säulen des Bundes, wie die Familien, die des Volkes“, wird intern festgehalten. Und: Anspruch der Gruppe sei die „Persönlichkeitsprägung junger Menschen“.
Wie die aussieht, geht ebenso aus Jungadler-Schriften hervor. Dort werden dem Nachwuchs NS-Dichter wie Herbert Böhme oder Georg Stammler vermittelt. Zitiert wird auch Marie Adelheid Reuß zur Lippe, die „braune Prinzessin“, wie sie in der Szene genannt wurde, die sich im NS-Staat für Eugenik und „Rassenhygiene“ einsetzte. Verschickt wurden Einladungen zu einer „Führerschule“, in denen die „Hortenführer“ die „notwendigen theoretischen und praktischen Grundlagen“ vermittelt bekommen. Führerschulen gab es auch in der „Hitlerjugend“.
Für die Kinder und Jugendlichen führt die Gruppe in eine völkische Parallelwelt, die sie nur noch schwer verlassen können – und die schon seit Jahrzehnten aufgebaut wird. Nur sieben Jahre nach dem Verbot der Hitlerjugend bildete sich 1952 die paramilitärische Wiking-Jugend. Über einen Zeitraum von 42 Jahren drillte diese Organisation nach eigenen Angaben bis zu 15.000 Jugendliche. Erst 1994 erfolgte das Verbot.
Wenig später übernahm die Heimattreue Deutsche Jugend. Auch dort wurden Zeltlager errichtet und Kinder völkisch indoktriniert, sollten für die „Blutreinheit“ eintreten. Rund 400 Mitglieder soll die HDJ am Ende gezählt haben. Das Bundesinnenministerium warf der Gruppe bei ihrem Verbot im Jahr 2009 vor, sie verbreite „rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut“ auch schon an Grundschulkinder.
Doch auch nach diesem Verbot blieb es nicht lange ruhig. Weil nun der Jungadler auftauchte. Mit Gesichtern, die man schon aus der HDJ oder Wiking-Jugend kannte, aber auch aus anderen völkischen Gruppen wie dem „Freibund“. Allerdings: Diesmal gibt sich die Gruppe noch konspirativer, vermeidet jede Öffentlichkeitsarbeit – anders als die HDJ, die noch Werbevideos veröffentlichte. „Wichtig“, wird intern gewarnt, es werde keine Werbung auf Veranstaltungen gemacht, auch nicht in Zeitungen – von denen bezeichnenderweise als Beispiele die rechte Junge Freiheit und das rechtsextreme Compact-Magazin aufgeführt werden. Einladungen zu Treffen werden nicht digital versandt, bis heute.
Dennoch konnte die taz nun ihre jüngste Zusammenkunft in Neubulach aufspüren. Und das Hochzeitspaar Inga W. und Hartmut B. und ihre Familien zeigen exemplarisch, in welcher politischen Welt sich der Jungadler bewegt. Die Braut Inga W. stammt aus einer Familie mit langer völkischer Vergangenheit. Schon ihre Eltern gehörten zur Wiking-Jugend, später tauchte das Paar auch bei der HDJ auf. Inga W.s Zwillingsbruder ist auf einem HDJ-Kalenderblatt von 2006 in Uniform abgelichtet. Auf einem späteren Foto ist er wiederum als Mitarbeiter des weit rechten österreichischen Internetsenders AUF1 zu sehen.
Und Inga W. selbst ist auf gleich mehreren Fotos der Jungadler abgelichtet. In Trachten sitzt sie auf Veranstaltungen, lacht in die Kamera, reckt eine Gitarre in die Höhe. Und Inga W. löst auch den Anspruch vieler völkischer Familien ein, ihren Nachwuchs zu Höchstleistungen anzutreiben. Als Handwerkerin wurde sie in der Ausbildung mit einem Preis prämiert, sie ist auch musikalisch engagiert.
Auch die weitverzweigte Familie von Bräutigam Hartmut B. genießt in der Szene breite Bekanntheit. Seine Mutter wuchs in Argentinien auf. Zur Hochzeit reisen auch Verwandte aus Bad Aussee in Österreich an. Hartmut B.s Onkel ist dort Lokalpolitiker der FPÖ. Eine Cousine arbeitete für den FPÖ-Spitzenpolitiker Herbert Kickl und ist heute mit einem Aktivisten der Identitären Bewegung verheiratet. Deren Opa wiederum ist der 2014 verstorbene Rechtsterrorist Manfred Roeder aus Hessen.
Und auch von Hartmut B. gibt es Fotos bei Jungadler-Aktivitäten. Eines zeigt ihn vor einigen Jahren an der Hand seiner Cousine auf einem „Älterentreffen“ der Gruppe beim Tanz. 2021 tauchte er dann auch bei Protesten gegen die Coronamaßnahmen in Österreich auf. Und im Mai 2024 besucht Hartmut B. dann auch einen „Maitanz“ mehrerer völkischer Gruppen, darunter auch Jungadler, im sächsischen Cossen, das die taz ebenso beobachten konnte.
Auf der großen Wiese eines Privathofs trafen sich damals die Gleichgesinnten, mit Blick in das Muldetal. Die Jungadler-Jugendlichen traten getrennt nach Geschlechtern an, die Mädchen in selbstgeschneiderten hellblauen Blusen und einheitlich dunklen Röcken mit Tornister und der schwarzen Dreiecksfahne, die Jungen in groben, dunkelblauen Hemden, begleitet von dem älteren Hartmut B. Ein Dutzend der jungen Männer stellten später einen schweren Maibaum auf, schritten danach mit den Frauen in Festtagskleidung zum Tanz.
Acht Monate später, am 24. Januar 2025, rückte dann die Polizei zu einer Razzia in Berlin und Brandenburg aus: gegen einen Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg. Sie durchsuchten dessen Büro und seine Berliner Wohnung, ganz im Süden der Stadt, in einer beschaulichen Seitenstraße. Seine Frau hatte sich zuvor von dem Juristen getrennt und ihn angezeigt. Der Verdacht nach taz-Informationen: rechtsextreme Indoktrinierung der gemeinsamen Kinder, juristisch als Misshandlung von Schutzbefohlenen bewertet, und die Fortführung einer verbotenen Gruppe – der HDJ, nun mit dem Jungadler.
Bis heute wird von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft gegen den Mann deshalb ermittelt. Die gibt sich zu dem Fall äußerst zugeknöpft, bestätigt nur, dass die Ermittlungen noch laufen. Auch der Oberstaatsanwalt selbst lehnt am Gartenzaun ein Gespräch mit der taz ab, dreht sofort um und läuft davon. Zumindest in Jugendzeiten scheint er einschlägig aktiv gewesen zu sein: Sein Name findet sich, samt Adresse, auf einer Mitgliederliste der Junggothia, einer weit rechten Schülerverbindung aus Berlin.
Zu den aktuellen Vorwürfen prüfen die Ermittler indes auch, inwieweit die Vorwürfe gegen den Oberstaatsanwalt auch dem Ehestreit entsprungen sind. Der Verdacht aber, dass ausgerechnet ein Oberstaatsanwalt eine rechtsextreme Organisation unterstützt oder nur von ihr Kenntnis gehabt haben könnte, wiegt schwer. Als Jurist in dieser Position hätte er im Gegenteil Ermittlungen auslösen müssen.
Und: Der Oberstaatsanwalt hat selbst auch familiäre Verbindungen in die völkische Szene. Sein Schwager ist der AfD-Politiker Laurens Nothdurft aus Sachsen-Anhalt, dort Ortsbürgermeister in Roßlau und ein Vertrauter des AfD-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Ulrich Siegmund. Nothdurft war selbst zwischenzeitlich Anführer der HDJ, dessen Frau war „Bundesmädelsführerin“.
Und Fotos der Jungadler zeigen nun auch mehrere der Kinder von Laurens Nothdurft. Sieben Kinder hat er insgesamt, die ältesten schon volljährig. Für das siebte Kind übernahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Ehrenpatenschaft, eine traditionelle Geste seines Amtes, um kinderreiche Familien zu ehren.
Eine taz-Anfrage, warum einige seiner Kinder nun beim völkischen Jungadler auftauchen, ließ Nothdurft seinen Anwalt beantworten. Nothdurft stehe nicht in Kontakt zum Jungadler, teilte er mit. Etwaige Nachfolgeorganisationen der HDJ seien Nothdurft nicht bekannt und er habe die gegen den Jungadler erhobenen Vorwürfe oder entsprechenden Materialien nicht gekannt. Von nationalsozialistischem Gedankengut distanziere er sich. Und seine Kinder würden an diversen Aktivitäten teilnehmen, sich aber nicht politisch betätigen.
Doch Laurens Nothdurft ist kein Einzelfall. Auch von Peter Felser, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Bundestag, zeigen Fotos des Jungadlers mehrere seiner Kinder. Zuerst hatte die Zeit darüber berichtet. Und auch die leibliche Tochter eines AfD-Vorstands aus Schleswig-Holstein ist auf Jungadler-Fotos zu sehen – sie war nun ebenso Gast auf der Eheleite in Neubulach. Aufgewachsen ist sie indes in einer Familie, die einst bei der Wiking-Jugend führend war. Felser und der AfD-Landesvorstand aus Schleswig-Holstein ließen taz-Anfragen unbeantwortet.
Ein Mitstreiter der Jungadler weist im Gespräch mit der taz dagegen zurück, dass seine Gruppe rechtsextrem sei. Vielleicht hätten einige Eltern eine einschlägige Vergangenheit, viele andere aber nicht, behauptet der Student, der seinen Namen nicht öffentlich genannt wissen will. Auch könnten die Kinder nichts für ihre Eltern. Und: „Man kann überall was finden, wenn man es drauf anlegt.“ Die Jungadler stünden vielmehr in der Tradition der bündischen Jugend, die Gruppe sei unpolitisch, fördere nur einen „kritischen Verstand“, es gehe sonst einzig um gemeinsame Fahrten.
Bei den Jungadlern scheinen die Ermittlungen indes durchaus Diskussionen ausgelöst zu haben. Zuletzt gab es Hinweise, dass sich Teile der Gruppe abgespalten haben könnten. Bei der Eheleite in Neubulach ist auffällig, dass einige der bekannten Mitglieder nicht dabei sind. Der Student will dazu nichts sagen. Nur: „Die Bünde verändern sich ständig, das ist ein Dauerzustand.“ Und er habe in die derzeit Verantwortlichen „großes Vertrauen“. Auch ein Verbot fürchte er nicht. „Da kann ich nur lachen.“
Tatsächlich bleibt das Treiben der Jungadler bis heute ungestört – trotz der NS-Referenzen, trotz der Indoktrinierung der Kinder in dieser Parallelwelt. Fragt man bei Sicherheitsbehörden zum Jungadler nach, geben diese sich ahnungslos – oder zugeknöpft. Von einigen Verfassungsschutzämtern heißt es, es lägen keine Erkenntnisse zu der Gruppe vor – oder keine „mitteilungsfähigen“ Informationen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Landesämter in Sachsen sowie Baden-Württemberg erklären immerhin, die Gruppe sei „bekannt“. Letzteres Amt ergänzt noch, dass die Gruppe ein „Jahreswechsellager“ Ende 2024 im Landkreis Schwäbisch Hall abgehalten habe – und es nimmt eine eindeutige Einstufung vor, die den Aussagen des Jungadler-Aktivisten widerspricht: Dass die Jungadler der „rechtsextremistischen völkischen Szene“ zugerechnet würden.
Bundesinnenministerium will sich nicht äußern
Vom Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) heißt es, beim Jungadler äußere man sich „aus grundsätzlichen Erwägungen“ nicht dazu, ob und gegebenenfalls welche Erkenntnisse man zu der Gruppe habe. Auch zu möglichen Verbotsplänen äußere man sich grundsätzlich nicht. Spätestens seit der Durchsuchung des Oberstaatsanwalts in Berlin aber gibt es dort Hinweise auf den Jungadler. Dass dem so ist, zeigte sich zuletzt auch bei der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht über das Verbot der einst ähnlich organisierten Artgemeinschaft – wo vor Gericht auch der Jungadler erwähnt wurde.
In Neubulach aber konnte die Gruppe kurz darauf wieder ungestört zusammenkommen. Und die, die dort anreisen, wirken weiter verschworen und festverwurzelt in der Szene. Darunter sind Jungadler etwa aus Mittelsachsen und dem Landkreis Meißen – die als Kinder eine besonders radikale Erziehung erfuhren. So nahmen zwei Väter ihre Kinder in diesem Frühjahr, und auch in den zwei Vorjahren, mit zu einem paramilitärischen Aufmarsch nach Budapest, einem europaweiten Neonazitreffen, bei dem SS und Wehrmacht verherrlicht werden. Fotos zeigen die Väter in Flecktarn und historischen Uniformen, die Kinder darauf sind teilweise vermummt, ein Junge trägt ebenfalls Uniform. Ähnlich radikal wird der Sohn eines Politikers der „Heimat“, einst NPD, aus Mecklenburg erzogen: Er nimmt seit Jahren mit dem Vater an den gewaltbereiten Aufmärschen von Neonazis in Dresden teil, die dort alljährlich an einen „Bombenholocaust“ der Alliierten zum Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen.
Andere Gäste in Neubulach kommen aus der Lüneburger Heide, es sind Anführer des rechtsextrem eingestuften „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“. Etwas verspätet erscheint auch ein früherer Musiker der Rechtsrockband Noie Werte, die dem verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk zugeordnet wurde.
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Das Bild aber prägt vor allem die große Zahl an Kindern und Jugendlichen vor Ort, die Mädchen in langen Kleidern und mit geflochtenen Zöpfen, die Jungen diesmal in weißen Hemden und braunen Lederhosen. Auch sie reihen sich in die Prozession und in den zeremoniellen Kreis der Eheleite ein. Die nächste Generation des völkischen Lebensbunds.
Mitarbeit: Jean-Philipp Baeck
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