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Corona-AufarbeitungFrauen trugen laut Experten die Hauptlast der Pandemie

Wie waren die Belastungen von Sorgearbeit und Arbeit während Corona verteilt? Was lässt sich daraus lernen? Das beschäftigte am Donnerstag den Bundestag.

Aus Berlin

Amelie Sittenauer

Es war die Zeit extremer Überbelastungen – Kitas und Schulen waren geschlossen, Pflegeheime und Krankenhäuser wurden unter Quarantäne gestellt, Menschen verloren ihren Job. Was lässt sich aus der Corona-Pandemie für zukünftige Krisen lernen? Am Donnerstag diskutierte die Corona-Enquete-Kommission des Bundestages mit sechs Sachverständigen über die Themen „Arbeitswelt, soziale Sicherung und soziale Resilienz, Care-Arbeit“.

„Die Corona-Pandemie war die größte Gesundheitskrise in unserer Generation“, sagte Hubertus Heil (SPD). Das habe zu Verwerfungen geführt, sozial und wirtschaftlich. Als damaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales war Heil für das Kurzarbeitergeld, Arbeitsschutz und die Abfederung sozialer Härten direkt zuständig.

Seine selbstkritische Erkenntnis: „Bestimmte Gruppen, zum Beispiel Menschen mit Behinderung, wurden oft nicht mitgedacht.“ Weil in Krisen aber diejenigen am meisten leiden, die es ohnehin schwer haben, müsse man statt auf die Lautesten auf die Verletzlichsten gucken.

Dass vor allem Frauen die Hauptlast der Pandemie getragen haben, war einhellige Meinung unter den Sachverständigen, zu denen auch Judith Rahner vom Deutschen Frauenrat und Katharina Spieß vom Institut für Bevölkerungsforschung gehörten. „Die Auswirkungen der Pandemie sind nicht geschlechtsneutral“, sagte Rahner.

Belastung ungleich verteilt

Auf dem Arbeitsmarkt sei Geschlechterungleichheit besonders deutlich geworden: Minijobber:innen, von denen zwei Drittel Frauen sind, rutschten häufiger in die Grundsicherung, Teilzeitbeschäftigungen führten bei Frauen zu niedrigen Kurzarbeitergeldern, gleichzeitig trugen Frauen den überwiegenden Teil der unbezahlten Sorgearbeit für Kinder und pflegebedürftige Angehörige, so Rahner.

Katharina Spieß betonte wiederum, dass die Belastungen sehr unterschiedlich verteilt waren. „Insbesondere Alleinerziehende, Trennungsfamilien, Familien mit anderen Familiensprachen als Deutsch oder auch einkommensarme Familien waren von der Pandemie sehr stark betroffen.“ Auch Pflegebedürftige in Pflegeeinrichtungen sowie Pflegepersonal seien Hauptleidtragende gewesen, betonte die Sachverständige und Krankenschwester Grit Köllmer aus Oschersleben. „Ich höre das Thema von vielen Angehörigen, aber auch bei uns, das Thema ist noch überhaupt nicht verarbeitet.“ Sie kritisierte zu viele unrealistische Eingriffe der Politik, zu viel Flickenteppich.

Welche Lehren ziehen?

Während Köllmer viele lebensweltliche Beispiele aus der Pflege lieferte, fielen die Abgeordneten der AfD, die die Sachverständige eingeladen hatten, vor allem mit Disruption auf. Immer wieder fielen sie den Sachverständigen grob ins Wort, stellten suggestive Fragen. Kommissionsvorsitzende Franziska Hoppermann (CDU) musste mehrmals zu einem parlamentarischen Umgang mahnen.

Insbesondere Katja Kipping, die von 2021 bis 2023 das Amt der Berliner Sozialsenatorin für die Linke innehatte und im Anschluss als Bundestagsabgeordnete weitermachte, hatten die AfD-Abgeordneten auf dem Kieker. Kipping setzte sich lange Zeit für eine Zero-Covid-Strategie ein.

Für die insgesamt 14 Abgeordneten und 14 Sachverständigen der Corona-Enquete-Kommission ergaben sich für zukünftige Krisen einige konkrete Handlungsempfehlungen. So forderte Spieß, dass Betroffenenverbände auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene früh in Krisenstäbe einbezogen werden, und auch, dass ein stärkerer Fokus auf Eltern gelegt werden müsse, um strukturell benachteiligte Kinder und Jugendliche zu erreichen. Rahner hingegen pochte auf verpflichtende geschlechterpolitische Folgenabschätzung bei politischen Entscheidungen.

Warnung vor aktuellen Spardebatten

Mit Blick auf die derzeitigen Diskussionen um Kürzungen im Sozialbereich betonte Hubertus Heil die Wichtigkeit des Sozialstaates in Krisenzeiten. „Das sage ich aktuell“, so Heil, „weil heute manchmal so getan wird, als sei der Sozialstaat das eigentliche ökonomische Problem unseres Landes.“

Ebenfalls mit Blick auf die aktuellen Spardebatten warnte Judith Rahner vom Deutschen Frauenrat davor, auch hier die Gleichstellung aus den Augen zu verlieren. „Wenn das Elterngeld gekürzt wird, wenn pflegende Angehörige und Alleinerziehende stärker belastet werden, dann setzt die Bundesregierung Reformen zulasten der Frauen durch, die dieses Land während Corona maßgeblich am Laufen gehalten haben“, sagte sie im Anschluss an den Ausschuss der taz.

Bis Juni 2027 arbeitet die Enquete-Kommission noch verschiedene Komplexe der Pandemie auf. Dann soll sie ihren Abschlussbericht vorstellen.

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