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SozialversicherungenIt’s the Solidarität, stupid

Gastkommentar von

Christoph Butterwegge

Die geplanten Kürzungen bei den Sozialversicherungen würden mehr Altersarmut bedeuten. Dabei gibt es Alternativen – man muss sie nur wollen.

N ach der Abschaffung des Bürgergeldes, durch die die Mindestabsicherung wieder auf ein Hartz-IV-ähnliches Niveau verbunden mit scharfen Sanktionen abgesenkt wurde, planen CDU, CSU und SPD eine Radikalreform mehrerer Sozialversicherungszweige. Und viele Medien applaudieren und fordern möglichst radikale Änderungen. Weil die Gesetzliche Krankenversicherung, die Soziale Pflegeversicherung und die Gesetzliche Rentenversicherung als Kernbestandteil des Bismarck’schen Sozialversicherungsstaates gelten, wächst mit den umfassenden Änderungsplänen der Koalition die Gefahr, dass dieser schrittweise in einen bloßen Fürsorge-, Almosen- und Suppenküchenstaat umgewandelt wird.

Dass Kanzler Friedrich Merz ausgerechnet in einer Rede vor Bankern verkündete, dass die gesetzliche Rente „allenfalls noch die Basisabsicherung“ für das Alter sein könne, legt die skizzierte Entwicklungsrichtung jedenfalls nahe. Moritz Schularick, als Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft einer der prominentesten deutschen Ökonomen, wurde bei Caren Miosga“ vor einer Woche noch deutlicher, als er – ohne bei der anwesenden Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas auf vehementen Widerspruch zu stoßen – konstatierte, dass die gesetzliche Rente künftig „eine Art Grundsicherung im Alter“ sein werde.

Damit wäre eine Normalisierung der Altersarmut in Deutschland, das bereits eines der niedrigsten Rentenniveaus unter den EU-Staaten aufweist, geradezu vorprogrammiert. Schon jetzt stellen die Senior(inn)en mehr als ein Drittel der „Kund(inn)en“ von Lebensmitteltafeln, weil die Gesetzliche Rentenversicherung nach den früheren Reformen ihre beiden Kernfunktionen immer weniger erfüllt: Armutsvermeidung und Lebensstandardsicherung im Alter.

Christoph Butterwegge

Christoph Butterwegge war bis 2016 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Köln. Als Buchautor veröffentlichte er zuletzt „Umverteilung des Reichtums“ (2024, PapyRossa). 2017 kandidierte er für die Linke für das Amt des Bundespräsidenten.

Historisch betrachtet ist sowohl mit der Aufweichung des Achtstundentages, die im Koalitionsvertrag steht, wie auch mit der offenbar geplanten weiteren Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters die Rückkehr zum Regelungsstandard unter Kaiser Wilhelm II. verbunden. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde das Renteneintrittsalter von 70 auf 65 Jahre herabgesetzt; zwischen 1957 und 1992 betrug es für Frauen sogar nur 60 Jahre, ohne dass sie Abschläge in Kauf nehmen mussten. Diskutiert wird in der Alterssicherungskommission der Bundesregierung, dass sozialversicherungspflichtig Beschäftigte künftig bis zum 70. Lebensjahr arbeiten sollen. Das ist aus dem Gremium zu hören, das mehrheitlich mit Vertreter(inne)n der Union besetzt ist.

Die geplanten Reformen würden eine Rückkehr zum Regelungsstandard unter Kaiser Wilhelm II. bedeuten

Wenn die Bundesregierung den Ratschlägen dieser Expertenrunde folgt, wird es im Alter mehr Armut geben: Geringverdiener, die in anstrengenden Berufen arbeiten, müssten vermehrt Abschläge und damit eine reale Rentenkürzung hinnehmen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Kurz nach Beginn der Novemberrevolution 1918 vereinbarten im berühmten Stinnes-Legien-Abkommen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften miteinander, den Achtstundentag ohne „Verdienstschmälerungen“ in allen Betrieben der beteiligten Branchen einzuführen, was kurz darauf vom Rat der Volksbeauftragten für die gesamte Wirtschaft bestätigt und in der Weimarer Republik fortgeführt wurde. Nur die Nazis wichen im Zweiten Weltkrieg davon ab, um die deutsche Rüstungsproduktion ankurbeln zu können.

Im umlagefinanzierten Sozialversicherungssystem der Bundesrepublik steigen tendenziell die Beiträge, wenn die Bevölkerung altert. Davon müssen schließlich mehr Renten, Krankheitskosten und Pflegeleistungen bezahlt werden. Da die Sozialversicherungsbeiträge paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmer(inne)n aufgebracht werden, wird beiden Gruppen im demografischen Wandel mehr Solidarität gegenüber Alten, Kranken und Pflegebedürftigen abverlangt.

Hier und nicht in der Demografie liegt das Problem: Seit dem Höhenflug des Neoliberalismus um die Jahrtausendwende sind die Arbeitgeber hierzulande immer weniger bereit, die Hälfte der steigenden Kosten für Alterssicherung, Gesundheitsversorgung und Pflege ihrer Beschäftigten zu übernehmen, obwohl sich die Beitragssatzsteigerungen trotz der jüngsten Kassandrarufe der „Fünf Wirtschaftsweisen“ der Bundesregierung in Grenzen halten.

Lieber höhere Beiträge

Was war das für eine Panikreaktion, als der Sachverständigenrat prognostizierte, dass der zusammengerechnete Beitragssatz aller Sozialversicherungen von momentan 42,3 auf 49,7 Prozent im Jahr 2040 steigen könnte! Dadurch sehen Unternehmerverbände, Politiker der Regierungsparteien und die Meinungsmacher und Meinungsmacherinnen der Leitmedien die Existenz des Wirtschaftsstandorts Deutschland akut gefährdet, während die Versicherten in Meinungsumfragen aus gutem Grund angeben, lieber höhere Beiträge entrichten zu wollen, als gekürzte Leistungen und verschärfte Anspruchsvoraussetzungen in Kauf nehmen zu müssen.

Außerdem gibt es entgegen der propagierten Notwendigkeit zum „Sparen“ sehr wohl Alternativen: Statt die Versichertengemeinschaft durch eine Kürzung der Leistungen, eine Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen oder eine (Teil-)Privatisierung der Altersvorsorge einseitig zu belasten, wie das bei der Riester-Reform, der Anhebung der Lebensarbeitszeit und der Einführung des Nachhaltigkeits- ebenso wie des Nachholfaktors in die Rentenanpassungsformel der Fall war, könnte man längst nach dem Modell einer solidarischen Bürger- oder Erwerbstätigenversicherung finanzkräftige Bevölkerungsgruppen (Selbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler, Beamte, Abgeordnete und Minister) in das Sozialversicherungssystem einbeziehen.

Man kann deren Beitragsbemessungs- und Versicherungspflichtgrenzen auf- oder stark anheben, damit die Solidarität mit materiell Schlechtergestellten nicht ausgerechnet dort endet, wo sie problemlos eingefordert werden kann. Und man kann auch mehr – beispielsweise durch eine stärkere Heranziehung von Hochvermögenden und Spitzenverdienern gewonnene – Steuermittel zu seiner Finanzierung bereitstellen. Es liegt an den linken Parteien und den Parteien der linken Mitte, diese Alternativen klar zu benennen und für sie kämpfen.

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88 Kommentare

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  • Der Grundgedanke der Sozialsysteme war ja mal das sich Arbeitnehmer durch einen Teil ihres Lohnes + einen Teil der Arbeitnehmer eine Absicherung für Notfälle wie Krankheit, kurzfristige Arbeitslosigkeit schaffen. Es war sicher nicht vorgesehen das aus diesem System Millionen von Personen Leistungen erhalten die hier niemals einbezahlt haben. Die große Ungerechtigkeit hierbei ist das sich der Staat aus seiner Verantwortung verabschiedet hat und alles durch immer höhere Sozialkostenbeiträge auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber abwälzt.

  • »Hätte jemand für die Arbeitswelt ein System entwerfen sollen, das sich ideal dazu eignet, die Macht des Finanzkapitals aufrechtzuerhalten, so ist kaum zu erkennen, wie man es hätte besser machen können. Echte, produktive Arbeiter werden erbarmungslos unter Druck gesetzt und ausgebeutet. Der Rest gliedert sich in die terrorisierte Schicht der allgemein geschmähten Arbeitslosen und eine größere Schicht derer, die im Wesentlichen fürs Nichtstun bezahlt werden; ihre Positionen sind so gestaltet, dass sie sich mit den Sichtweisen und Empfindlichkeiten der herrschenden Klasse (Manager, Beamte und so weiter) — und insbesondere ihren finanziellen Inkarnationen — identifizieren können; aber gleichzeitig nähren sie auch einen unterschwelligen Widerwillen gegen alle, deren Arbeit einen eindeutigen, unbezweifelbaren gesellschaftlichen Wert hat. Natürlich wurde dieses System nie bewusst so gestaltet, sondern es erwuchs aus einem Jahrhundert des Ausprobierens. Aber es ist die einzige Erklärung dafür, dass wir trotz unserer technischen Möglichkeiten nicht alle einen Arbeitstag von drei bis vier Stunden haben.«

    David Graeber in "Bullshit Jobs"

  • Es gibt mehr als genug gute Beispiele: Als erstes die Schweiz, die es so macht, dann Österreich und die Niederlande. Als ob es diese Lösungen noch nirgendwo gäbe. Man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern einfach mal über die Grenzen schauen. Das ind gerade einmal 1 Meter Fußweg.

    • @Wilfried Bergmann:

      "Als erstes die Schweiz, die es so macht"

      Ein steuerlich hoch attraktives Land, in dem fast so viel deutsches Geld versteuert wird wie in Deutschland - nur zu attraktiveren Konditionen. Und das ist nicht nur betreffend Deutschland so. Mit vollem Beutel hüpft das Känguru weiter 😂

    • @Wilfried Bergmann:

      Niederlande setzt zu 2/3 auf private Vorsorge und betriebliche Altersversorgung. Um eine volle staatliche Rente zu bekommen die eigentlich nur Grundsicherung ist muss man 50 Jahre arbeiten.

  • "Hier und nicht in der Demografie liegt das Problem"

    Doch natürlich liegt da das Problem. Das hätte man natürlich kommen sehen müssen und die Sozialsysteme viel früher reformieren und natürlich brauchts dabei auch den Blick auf solidarische Besteuerung von Gewinnen. Aber es bentöigt auch das Verständnis, dass neue progressive Wege gegangen werden müssen, es allein mit Arbeitsnebenkosten nicht mehr funktioniert, dass mehrere Säulen der Finanzierung nötig sind.



    Das System an sich würde trotzdem noch funktionieren, wenn sich nicht immer weniger Einzahler immer mehr Empfänger stützen müssten. Oder um diese unangenehm überstrapazierte Phrase noch mal aufzugreifen: It's Mathematik stupid!

  • Der Zwangscharakter Vermittlungsvorrang wird erst durch Arbeitsagentur Sanktionsregime rechtswirksam relevant und offenbart politisch gewollte Umverteilung von Unten nach Oben für Lohnsubvention ohne Bedürftigkeitsnachweis noch Businessplan kommunaler, kirchlicher, staatlicher Arbeitgeber zulasten Arbeitnehmerschaft, Rentenanwartschaft in prekärem Arbeitsmarkt in Deutschlands, den es so entgegen EU-, WTO-Regeln in anderen EU Ländern nicht gibt als Wettbewerbsvorteil ohnehin subventioniert deutscher Exportwirtschaft zulasten übriger Welthandelspartner. Da tut es Not im Namen regeblasiert freien Handels, Wandels, Verkehrs von Personen, Dienstleistungen, Gütern, Technologie-, Wissenstransfer, dass deutsche Gewerkschaften, wie in anderen EU-Ländern, vor EU-, WTO Gerichten, BVG klagen können gegen prekäres Arbeitsmarkt Sanktionsregime, in vorherigen Stand von 1948 vor Gründung Bundesrepublik 1949 versetzt werden, ihr politisches Streikrecht wahrnehmen, wie damals November 1948 gegen Währungsreform TriZonen Währungskommissar Prof. Ludwig Erhard nach Währungsschnitt 1 DM zu 10 Reichsmark bei Lohnstopp, Preise für Lebensmittel, Mieten, Immobilien, Grund, Boden, Industriegüter freizugeben

  • Die Emanzipierung für die ungezwungene Freiheit jenseits des Geldes verdeutlicht, dass es genug Leerstand, ressourcenschonende Sanierungsideen, selbstständige Gesundheits- Altersgestaltung, gelingende Differenzierungsmöglichkeiten in dieser Welt gibt. Gratulation, befreit Euch von eigenen Ängsten und Projektionen.

  • Die Rentner werden alle in der Grundsicherung landen, und dann müssen es die Kommunen bezahlen. Die haben sowieso kein Geld. Super Lösung!

  • Die Umverteilung darf nicht nur von der Arbeitswelt Richtung Rente erfolgen, sondern Rentner untereinander müssen solidarischer sein. Die Instrumente dafür sind z.B. höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften und Eigentum.



    Einigen Rentnern geht es mehr als prima, und es werden hohe Vermögen vererbt...

    • @Nudel:

      Ja, das hat was. Umverteilung innerhalb einer Generation, und nicht zwischen Generationen von "arbeitend" (durchschnittlich 40 Jährige) zu "nicht mehr arbeitend".

    • @Nudel:

      Da bin ich ganz bei Ihnen, es nimmt eh keiner etwas mit. Dann gern damit den Lebensstandard aller erhöhen

      • @DerLurch:

        Deswegen rechtzeitig alles rausballern. Warum sollten andere etwas von meinem Vermögen bekommen?

        • @AmArschderHeide:

          Ach ja - "Ich mich mein" mal wieder....

  • Reiche haben Armut gern



    lesekreis.org/2007...ich-kaestner-1928/

    • @Bernardo Januar:

      Latürnich - wären die einen nicht arm, wären die anderen nicht reich.

    • @Bernardo Januar:

      Hat nicht sogar Marx dem Kapital (sicher ungewollt) nahegelegt, systematisch eine Reservearmee von Arbeitslosen zu erzeugen, um Löhne niedrig zu halten und Arbeiter*innen disziplinierbar zu machen? Je prekärer desto Disziplin - nach den strengen Gesetzen der Hydraulik.

  • Das Problem mit Herrn Butterwegge ist, dass er und seine Fans unbedingt eine bürokratische Hürde zwischen die Menschen und das Existenzminimum setzen wollen. Man nennt es 'poverty targeting' oder Bedürftigkeitsprüfung.



    Dadurch erreicht man, dass das Sozialsystem nicht alle erreicht und somit alle Angst haben müssen, vielleicht auch mal durch Netz zu fallen. Die anderen werden stigmatisiert und beschämt - und die Gesellschaft gespalten. Darüber hinaus lohnt sich für die Betroffenen die Aufnahme von Erwerbarbeit kaum wegen der Anrechnung von Einkommen.



    Außerdem fehlt Kaufkraft in der Breite, so dass die Wirtschaft abgewürgt wird (Trickle-down ist sinnlos, es ist ökonomisch wie sozial Quatsch, den Reichen oder den Konzernen immer mehr Geld rüberzuschieben).

    Aus der Nummer rauszukommen, ist machbar, man muss nur mal ein bisschen außerhalb der austretenen Pfade suchen oder denken.

    Siehe dazu von Scott Santens:



    The Universality Argument for Basic Income



    Why including everyone — yes, even billionaires like Elon Musk — works better than means-testing ever possibly can



    scottsantens.subst...r-basic-income-ubi

    • @Eric Manneschmidt:

      Man könnte sagen, die Sozialdemokratie sei auf den Hund gekommen, weil sie glaubt, das Scherenproblem durch bürokratische Spielchen lösen zu können. Klassenfrage, Systemfrage, Eigentumsfrage darf bloss nicht gestellt werden. Alles völlig alternativlos. Hauptsache den Reichen gehts gut, deshalb haben wir auch einen Blackrock-Millionär als Kanzler.

  • Eine Bemerkung zum Thema teurer Sozialstaat: Auch und gerade steigende Lebenshaltungskosten belasten Sozialkassen und Sozialetats von Bund und Ländern. Mietwucher, Preisdiktate von Tankstellenketten und Lebensmittelkonzernen, vor denen uns das Monopolrecht schützen soll und könnte, all das und viel mehr sind eigentlich Skandale. Nur 2 weitere Beispiele von vielen: Die Telecom ist inzwischen der teuerste Telefonanbieter und verlangt bei der Glasfaserversorgung hohe Preise für eigentlich ihr obliegende technische Ausrüstung von Hausanschlüssen, obwohl ihr bei Privatisierung der Post die Pflicht zur Daseinsvorsorge vom Staat übertragen worden ist. Die Leipziger Strombörse ist mit ihrer Preisstruktur zu einer mafiösen Organisation verkommen, die effektiv Geld aus den Taschen kleiner Leute auf die Konten von Aktionären pumpt. Die Bundesregierung hat verfassungsgemäß Verantwortung für Daseinsvorsorge und Mittel zur Kontrolle von Preisentwicklungen, was aber ständig juristisch, verwaltungstechnisch und medial geleugnet wird. Es gibt insgesamt sehr viel mehr zu tun als ein paar Reförmchen.

    • @Christine_Winterabend:

      Ausgerechnet den extrem wettbewerbsintensiven deutschen Lebensmittelhandel als Beispiel für Preisdiktate zu nennen - da haben Sie das ein oder andere verpasst.

      Z.B. Fa. Walmart - immerhin der weltgröße Lebensmittelhändler - hat sich kleinlaut aus dem Markt zurückgezogen mangels Gewinne. Die Lebensmittelpreise in D liegen deutlich niedriger liegen als z.B. in Frankreich oder Italien.

      Ach ja, und die Telekom. Phöse, phöse, dass diese ihre Glasfaseranschlüsse auch noch kostendeckend installieren und betreiben möchte. Frechheit.

      Da gibt es wirklich noch viel zu tun in DE ... vor allem bzgl. Finanzbildung.

  • Ja, der "Kernbestandteil des Bismarck’schen Sozialversicherungsstaates" wird "schrittweise in einen bloßen Fürsorge-, Almosen- und Suppenküchenstaat umgewandelt".



    Er wird es werden müssen, weil als Bismarck ihn einführte, da stand die Alterspyramide noch nicht auf dem Kopf.



    Es gab auch noch keine Krebstherapien und andere Behandlungen, die unglaubliche Summen verschlingen.



    Es gab auch noch keine Pflegeheime, wo wie heute für absurde Summen ein Großteil der alten Menschen geparkt wird bis sie sterben.



    Und: als Bismarck den Sozialversicherungsstaat einführte, lag das Rentenalter bei 70 Jahren (!!!), obwohl das Durchschnittsalter eines Mannes bei gerade mal 40 lag...



    Dreiviertel aller Menschen damals erreichten überhaupt nicht das Rentenalter...



    Heute dagegen beziehen Rentner im Schnitt 20,5 Jahre lang Rente...



    Es ist 150 Jahre später. Alle Parameter haben sich massiv verändert.



    Merz Aussagen sind noch massiv geschönt, die Einschnitte werden noch viel tiefer gehen müssen - wartet einfach noch ein paar Jahre ab - ansonsten bricht das System komplett zusammen -



    Dann haben wir wirklich amerikanische Verhältnisse

    • @Astrid Sehnefeld:

      Bin ja weitgehend bei Ihnen. Allerdings lag das Durchschnittsalter u.a. wegen hoher Kindersterblichkeit so niedrig.

      Interessant wäre, wie hoch die fernere Lebenserwartung der damaligen Renter war. Ich vermute mal: immer noch sehr viel weniger als heute.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Was seit der Weimarer Republik ebenfalls krass gestiegen ist, ist die Produktivität und zwar grob geschätzt um Faktor 6-10! Nach der Kathastrophe der beiden Weltkriege hat es ja auch mal ganz gut geklappt, dass die Produktivitätssteigerung auch in Lohnerhöhungen umgemünzt (was, haha, wörtlich genommen werden kann) wurde. Seit den 80ern (Reagen, Thatcher) werden aber die Daumenschrauben angezogen und die Gewinne schön nach oben durchgereicht.

      David Graeber in "Bullshit Jobs" dazu:

      »Die herrschende Klasse hat gemerkt, dass eine glückliche, produktive Bevölkerung, der viel Freizeit zur Verfügung steht, eine tödliche Gefahr ist. (Denken wir nur daran, was in den 1960er Jahren geschah, als man dem nur ein wenig näher kam.)«

      Zweifelsohne ist genug für alle da, es ist ein reines Verteilungsproblem.



      www.youtube.com/wa...xvPs&start_radio=1



      "Les aristocrates à la lanterne."

      • @Bernardo Januar:

        >krass gestiegen ist die Produktivität ... grob geschätzt um Faktor 6-10!

        Für ein ehrliches Argument müssten Sie angeben, um welchen Faktor die Nettokaufkraft der Arbeitnehmer je Arbeitsstunde im selben Zeitraum gestiegen ist.

  • "Sozialversicherungsbeiträge paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmer(inne)n aufgebracht werden" als Wissenschaftler sollte der Autor wissen, dass dies ein Taschenspielertrick der Politik ist. Jede Stelle ist budgetiert und der Arbeitgeberanteil kommt aus dem Geld, das für den Arbeitnehmer eingeplant ist. Gäbe es ihn nicht, würden die Arbeitnehmer höhere Löhne raushandeln können. Es wäre besser dieser Taschenspielertrick würde abgeschafft und es würde zu 100% als das klassifiziert, was es ist, Arbeitnehmerbeiträge.

    Würde nur ein Problem für die SPD werden weil dann die Menschen sehen, wieviel sie in das dysfunktionale System einzahlen und wie wenig sie zurückbekommen.

    Zum Rentensystem: ein umlagenbasiertes System funktioniert dann wenn der Großteil der Renter vor Renteneintritt verstirbt oder kurz danach. Wenn Menschen 20-30 Jahre lang Renten beziehen scheitert das System.

    • @Machiavelli:

      Es ist ja an sich simpel: von 40 Jahren Arbeit und 20% Beiträgen kann man 8 Jahre Rente auf Durchschnitts-Lohnniveau refinanzieren und durch das Umlageverfahren dabei auch die Inflation ausgleichen.



      Dafür fällt der Zinseszinseffekt aber auch am anderen Ende der Gleichung weg und alles oberhalb dieser 8 Durchschnitts-Jahreslöhne muss von woanders subventioniert werden.

      • @nihilist:

        Wenn Sie hier ernsthaft die Idee vertreten möchten, dass die ausgezahlte Rente irgendwie durch das eingezahlte Geld gedeckt sein müsse bzw. reflektiere, kann ich Ihnen attestieren, dass Sie - sorry - keine Ahnung haben, wie unser Rentensystem funktioniert.



        In der realen Welt spiegeln die erworbenen Rentenpunkte zum Renteneintritt einen definierten Betrag wieder. Und das wars dann auch.

    • @Machiavelli:

      So als Lohnsklave isses mir wumpe, wo aufm Lohnzettel irgendwelche Beiträge wie verbucht sind. Paritätisch ist der Spaß eh schon länger nimmer.



      Falls es irgendwannma in the year 2525 ein Sozialversicherungsmodell geben sollte, wo alle gleichlaut und alle gleichsinnlos meckern, weils wirklich clever ist, kammer sich über Spitzfindigkeiten unterhalten. Bis dahin möge mensch hier in D ned fahrlässig Gestaltungsmöglichkeiten zuungunsten von so knapp über Mindestlohn hart arbeitenden Mitmenschen wie mir populär machen ;).

  • Lustig finde ich bei den 8 Stunden Arbeitszeit den historischen Bezug auf 1918, da wurde zwar der 8 Stunden Tag eingeführt aber für 6 Tage in der Woche ( bei 12 Tagen Urlaub). Bis zur 5 Tage Woche dauerte es dann noch 49 Jahre (1967). Was haben wir heute alles ? Gleitzeit, 4 Tage Woche, Homeoffice, 30 Tage Urlaub, in all den Punkten sind die Arbeitgeber den Arbeitnehmern entgegengekommen, jetzt eine Flexibilisierung des 8 Stunden Tages (bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit) kategorisch abzulehnen ist in diesem Zusammenhang nur lächerlich.

    • @Günter Witte:

      "Gleitzeit, 4 Tage Woche, Homeoffice, 30 Tage Urlaub," Interessanterweise ist das alles "Entgegenkommen" für AN, deren Gehalt für private Zusatzabsicherungen ausreicht. Menschen, deren Arbeitsfelder all das gar nicht hergeben, sind von Flexibilisierungen des 8-Stunden-Tages und von Einschnitten bei Rente, Gesundheits- und Sozialversicherungen ganz anders betroffen. Deren "Basisabsicherung", zu der die Rente werden soll, wird so knapp, dass Armut die Folge ist, und dafür sollen sie nach Bedarf und auf Zuruf auch mal 9 oder 10 Stunden putzen, fahren, telefonieren, Kinder betreuen oder schrauben und ihren kaputten Rücken ein paar Jahre länger beanspruchen. Während die, die sich mit privater Vorsorge einen guten Lebensstandard sichern können, auf ein paar Bequemlichkeiten verzichten und nicht verstehen, wie da jemand dagegen sein kann. Wenn diese Unwuchten ausgeglichen würden und "Basisabsicherung" nicht Existenzminimum mit Tafel heißt, sondern eine auskömmliche Versorgung meint, die man nach den jeweiligen Möglichkeiten noch aufbessern kann, könnte man drüber reden. Hier reden wir aber über Sparen an der Substanz bei denen, die sowieso schon nicht genug haben.

      • @sàmi2:

        Ihre allgemeine Kritik ist sicherlich richtig und berechtigt, nur hat das nichts mit mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit zu tun. Mir ging es darum das man von den vor über 100 Jahren eingeführten Dingen schon alles, bis auf den 8 Stundentag, über Bord geworfen hat und diesen wie eine Monstranz huldigt. Bei allem hat man sich der Zeit angepasst, jetzt hier auf diese alten Sachen zu bestehen ist nur stur.

    • @Günter Witte:

      Was wir heute haben ist eine vielfach höhere Produktivität und davon haben die Arbeitgeber so wenig wie nur möglich den Arbeitnehmern entgegen gekommen, wenn es um fairen Ausgleich ging. Und das bisschen holen sie sich jetzt auch noch

      • @Nansen:

        Sie haben schon verstanden, dass es nicht um eine Erhöhung der Gesamtarbeitszeit geht sondern nur um eine Flexibilisierung? Und die körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen dürfte sich unabhängig von der Produktivität nicht so arg zurückgebildet haben, oder? Da hat @Machiavelli richtig vorgerechnet, dass die Beanspruchung, die durch das Limit von 8 Stunden am Tag unter Kontrolle gebracht werden sollte, heute auch noch ganz erhebliche andere Ausgleiche hat.

    • @Günter Witte:

      Das BIP per capita hat sich seit 1918 verzehnfacht.

      • @makei1200:

        Die Löhne oftmals auch.

        • @Machiavelli:

          Das ist noch nicht einmal nah dran. Klar, Alles sehr schwer bis eigentlich gar nicht vergleichbar. Aber das Durchschnittjahresseinkommen in Deutschland lag 1918 bei etwa 2000 Mark. Heute bei rund 57500 Euro. Das wäre, wenn man die Rechnung weiterspinnen wölle, fast das 30fache.

  • Leider funktioniert Wirtschaft nicht so, wie die tazzies sich das wünschen, sonst hätten wir heute noch eine DDR. Geld ist nie das Problem. Das Problem ist, dass eine sinkende Zahl von Arbeitswilligen einer steigenden Zahl reiner Konsumenten gegenübersteht. Daran ändert sich nix, wenn man Reiche stärker zur Kasse bittet. Es fehlt nicht an Geld sondern zunehmend an Menschen die dafür Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten. Von Geld kann man nunmal nicht abbeißen.

    Tatsächlich ist eine Anhebung des Rentenalters und eine Begrenzung des Konsums die einzige wirksame Lösung, auch wenns doof ist.

    • @Samvim:

      "Tatsächlich ist eine Anhebung des Rentenalters und eine Begrenzung des Konsums die einzige wirksame Lösung, auch wenns doof ist."

      Tatsächlich ist eine Anhebung des Rentenalters nur ein Euphemismus für eine Rentenkürzung. Und seit Jahrzehnten Gegenstand der Desinformation von Arbeitgeber-und Versicherungs-Lobbyisten. Nachlesen können Sie das bei Gerd Bosbach, der erklärt Ihnen das in "Lügen mit Zahlen".

    • @Samvim:

      Nein, das Problem ist, dass die Leute in der Breite kein Geld haben, um die nötigen Dinge zu kaufen. Und dass möglichst viele Menschen in möglichst sinnlose "Arbeit" gezwungen werden, was so lustige Folgen nach sich zieht, dass 1. Arbeit nur noch simuliert wird oder 2. Leute kaputtgehen oder 3. das Ökosystem Erde kaputt geht und wir damit dann wirklich irgendwann in eine echte Mangelsituation laufen - denn von einem stabilen Ökosystem werden wir immer abhängig sein und bleiben. Außer Elon Musk, der baut sich ja gerade eine Existenz auf dem Mars auf...

      Übrigens haben Sie wohl auch noch nicht gemerkt, dass es viele verschiedene Formen von "Arbeit" gibt. Der größte Sektor ist die unbezahlte Arbeit (Care etc.), ohne die wir überhaupt nicht leben können.



      Es gibt daher auch praktisch keine "reinen Konsumenten".

      • @Eric Manneschmidt:

        Interressant, wie der vermeintlich ausbeuterische Kapitalismus anscheinend gleichzeitig in der breiten Masse nutzlose Bullshitjobs subventionieren soll. Viel Widersprüchlicher wirds wohl nicht mehr. Die nackten Zahlen habe ich in einem anderen Kommentar benannt.

        PS: Auch Menschen die arbeiten haben Care-Arbeit

    • @Samvim:

      Sie meinen, dass die Rentner:innen die Supermärkte leer kaufen, und für anderen nichts mehr da ist, weil zu wenig produziert wird.

      Wie passt das dazu, dass die Auftragseingänge immer weiter zurück gehen.

      www.relevante-oeko...er-sind-verrueckt/

      Oder dass Unternehmen immer mehr Geld auf den Kapitamärkten anlegen anstatt zu investieren (sie Link weiter unten in der verlinkten Webseite).

      • @makei1200:

        Ich meine, dass es in D etwa 35 Mio Menschen gibt, die einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen. Davon nur 18 Mio in Vollzeit. Hinzu kommen 3,6 Mio Selbstständige. Bei einer Anzahl von knapp 84 Mio Einwohnern dieses Landes bedeutet das: Diese knapp 39,6 Mio Menschen, fast doe Hälfte in Teilzeit, versorgen mehr als 44 Mio Menschen, die keinen nennenswerten Beitrag zum eigenen Leben leisten. Und dieses Missverhältnis verschlimmert sich.

        • @Samvim:

          Sag das doch nicht so, das will doch hier keiner lesen ;-)

          Da kommt jetzt wieder „die Superreichen, die Erben, aber Blackrock“ usw.

        • @Samvim:

          Natürlich sind 38,6 Mio Versorger gemeint. Dicker Daumen und so

  • Die letzten beißen die Hunde: Solange Kapitaleinkünfte nicht gerecht besteuert werden, werden im System diejenigen zur Kasse gebeten (bzw. an selbiger abgewiesen), die über kein Spielgeld verfügen, um bei der ETF & Co. Lotterie mitzumachen.



    Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass Solidarität nicht erzwungen werden kann, sondern gewollt werden muss. Und hier hat der neoliberale Schimmelbefall die Gesellschaft marode gemacht. Der vom Autor perspektivisch genannte Suppenküchenstaat ist doch seit Schröder Realität.



    Weil Deutschland in der neuen multipolaren Weltwirtschaftsordnung unter Druck steht, wird der Verteilungskampf galliger und die Fleischbrühe in der Suppenküche magerer.



    Es fehlen Ideen und Visionen, die ein gesellschaftliches Momentum schaffen, das echte Solidarität stiftet. So leben wir in einem Zwangssystem, das vorne und hinten nicht funktioniert.

  • Die geplanten Reformen würden eine Rückkehr zum Regelungsstandard unter Kaiser Wilhelm II. bedeuten



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    Ein Ansatz den unsere "Konservativen im Ehren halten!" Zurück in die Zukunft. :-)



    Passt ins Denken von 50 % unserer BuReg & auch wohl des BuKas!



    Hat auch einen Namen: "Elberfelder Modell!"(1)



    Btw. Umgesetzt ungefähr so:



    "Die Damen strikten Strümpfe für die "armen" Arbeiterkinder, während Ihre Gatten die Väter ausbeuteten"!



    Mein Fazit dazu: Nur so kann man(n) die nicht sehr motivierten ArbeiterInnen, umgangssprachlich auch faules Pack genannt, dazu bringen, endlich mal wirklich was zu tun! Sich nicht in der "sozialen Hängematte auszuruhen! :-(



    Denn der Gedanke, alle "versicherungsfremden Leistungen" aus dem Sozialsystem rauszunehmen, die gar aus Steuermitteln zu bezahlen, widerspricht der "Fürsorge" die für "Freunde" notwendig ist. Siehe dazu gKV & Bundesfinazminister, Zuzahlungen, uvam.



    Ps. Lang lebe die "Selbstverantwortung", vor allen Dingen DIE für "private Gewinne"! :-)



    (1)de.wikipedia.org/w...Elberfelder_System

  • Auch wenn einige Forderungen wie Bürgerversicherung ja durchaus vernünftig sind, so braucht es linke Mehrheiten dafür, die es nicht geben wird. Umverteilung macht zudem Rechnung ohne den Wirt (Unternehmen, Freiberufler). Es braucht auch die, die in einer alternden Gesellschaft Dynamik entfachen. Wenn die sich vom.Acker machen, sieht es zappenduster aus. Zudem gilt ja immer Besitzstandswahrung. Die Integration von Beamten in Sozialsysteme gibts nur mit jahrzehntelangen Übergangsfristen. Wünsch Dir was, wird so an der Realität scheitern.

    • @Eckhard Hanseat52:

      Zum letzten Punkt ist aber zu entgegnen: Das darf nicht als Entschuldigung genommen werden, nie anzufangen!

      Mit der Dynamik gehe ich mit. Aber wenn die Dynamik in eben die eher unproduktiven Anlageobjekte fliesst (Bestandsimmobilien, Aktien), dann hilft uns das nicht. Dann habe wir viele Reiche aber eben wenig gute Arbeit und wenig innovative Firmen in der Produktion. Es ist ein Fehler, dass die Renditen auf den Kapitalmärkten so hoch sind, dass die Gelder zunehmend dorthin fliessen statt direkt neue Unternehmen aufzubauen oder bestehende zu erweitern. Denn die "Bedingtheit" durch die Kapitalmärkte setzt andere Anforderungen an Firmen, als es über produktive d.h. die Produktion ausweitende Direktinvestitionen tun, die eben auch nichtöffentliche Arbeitsplätze schaffen.

  • "Weil die Gesetzliche Krankenversicherung, die Soziale Pflegeversicherung und die Gesetzliche Rentenversicherung als Kernbestandteil des Bismarck’schen Sozialversicherungsstaates gelten,..." stimmt nicht ganz.



    Die gesetzliche Krankenversicherung wurde als erste Sozialversicherung 1883 (Kaiserliche Sozialbotschaft vom 17.11.1881) eingeführt.



    Danach folgte die in der Aufzählung fehlende gesetzliche Unfallversicherung, damals und heute ein erhebliches Existenzrisiko, 1884/1885.



    z.B. www.bgetem.de/die-bgetem/geschichte

    1889 kam die gesetzliche Rentenversicherung, die vor dem 1. WK über ein erhebliches! Vermögen verfügte.



    www.deutsche-rente...e_detailseite.html.

    Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde aber erst zum 01. Januar 1995 als eigenständiger Zweig der Sozialversicherung eingeführt. Bis dahin war Pflegebedürftikgeit ein rein privates Risiko, also nicht sozial versichert.



    www.bundesgesundhe...pflegeversicherung



    www.bundestag.de/d...ersicherung-217014

    Ein Blick in die Geschichte lohnt also.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Pflegebedürftigkeit war vor 1995 kein rein privates Risiko, sondern die Sozialhilfe musste die Kosten stemmen, wenn Leute das Geld nicht dafür hatten.

  • Wow. Die Vorschläge von Herrn Butterwegge haben ganz überwiegend zur Folge, dass neue Anwartschaften entstehen. Anwartschaften bei Personengruppen, die eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung haben, als die Gruppe der heutigen Versicherten. Damit sinkt die Auszahlungshöhe der heutigen Beitragszahler bei Renteneintritt.

    Um es kurz zu verdeutlichen, ich bin Freiberufler und kaufe freiwillig Rentenpunkte, da meine Vorfahren allesamt relativ alt werden und ich meine Lebenserwartung weit über der durchschnittlichen Lebenserwartung einschätzen. Das ist eine Investition und hat mit Solidarität nichts zu tun.

  • Die Probleme treffend erkannt, aber "tax the rich" als Lösung ist nun wirklich langweilig und führt zu nichts.

    • @Otto Mohl:

      Stimmt. Aber mit tax them all wird es realistischer und solidarischer

    • @Otto Mohl:

      Was führt denn aber zu etwas?

      Ich denke, das müssen sie uns schon mal sagen. Wenn sie da nämlich nichts sagen, sagen sie eigentlich: Es kann gar nichts unternommen werden.

  • Vereinfacht gesagt, Sozialversicherung (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) sind staatliche und gesellschaftliche Aufgaben, jede Form der Privatisierung bringt nur zusätzliche Gewinne für die Wirtschaft und somit fliesst bei unserem Steuer- und Sozialsystem das Geld wie üblich nach oben.

    • @Axel Schäfer:

      Das stimmt. Es gibt kein privates Versicherungsunternehmen, das sich nicht am eigenen Gewinn orientiert.



      Dazu kommt : Die Genehmigung für Prämienerhöhungen der privaten Versicherer durch die Versicherungsaufsicht gibt es schon seit 1994 nicht mehr. Der Erhöhungsautomatismus kann somit durch Gestaltung der Tarife durch die Gesellschaften manipuliert werden.



      Private Versicherungunternehmen sind auch nicht besonders an Prävention interessiert, sie können die Kosten unterbliebener Prävention auf die Prämien umlegen.

      www.bundesgesundhe...rankenversicherung



      www.bundesverfassu...000/bvg00-008.html



      www.pkv.de/wissen/...beitraege-steigen/

      Wir haben seit Generationen gesetzliche Versicherungen, die nennenswerte Mitwirkungsmöglichkeiten ( Leistungsumfang ...) der Versicherten haben (§ 31 Abs. 1 SGB IV), allerdings nehmen nur 22% der Versicherten diese Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Sozialwahl war.



      Das ist das Paradox der Forderungen.



      (Die Verdi Erklärseite " Sozialwahl - die unbekannte Wahl (?)" ist vom 23.06.2004)

  • Ideenlose Vorschläge



    Sogenannte Lösungen, die einzig auf noch mehr "Von oben nach unten verteilen" beruhen, sind keine Lösungen, sondern zeugen von Ideenlosigkeit. Wo selbst Facharbeiter schon Höchstbeträge an Steuern zahlen, sollte man nicht noch mehr holen.



    Wie wäre es mit Einsparungen im Bereich Pharmakonzerne, endlich ein Migrationsgesetz und Anerkennung bereits erlernter Beruf, damit z.B. Pflegekräfte überhaupt hier arbeiten können, fairere Bezahlung privater Pflege gegenüber "kommerzieller" Pflege.



    Und endlich mal eine klare Definition von "Spitzenverdienern", denn 69.879 Euro finde ich überhaupt kein Spitzenverdienst, welches man mit Höchstsatz (42% = 29349€) besteuern sollte. Kein Mensch kann sich so Wohneigentum leisten, die Basis gegen Altersarmut überhaupt. Ich kann dieses "von oben nach unten verteilen" nicht mehr hören, und wie man an den Wahlergebnissen der Linken sieht, können es 90% der Bürger auch nicht mehr hören.

    • @Hans Dampf:

      Ich, wie die Mehrheit derer die reiche Menschen fair besteuern wollen meinen damit keinen Menschen die unter 250000€ Einkommen haben. Es sind Besitzer von BMW Aldi Lidl und co gemeint die teils Dividenden i. Höhe von einer Milliarde! erhalten haben. Menschen die in private equity investieren und steuern meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das Höchststeuersätze zu früh greifen ist ebenso wahr wie banal, wie sehr erst die Leute die keine Job abbekommen oder krank und alt sind mit einem um ein mehrfaches geringen Betrag zu leben auskommen an ihrer Gesundheit sparenergibt sich daraus zwangsläufig. Artikel 14 und andere unseres Grundgesetzes sind für die Erhebung von Vermögenssteuern gedacht, nicht dagegen.

      • @Ingrid Müller:

        "...meinen damit keinen Menschen die unter 250000€ Einkommen haben."



        "Die Botschaft les' ich wohl, allein mir fehlt der Glauben".



        Wenn von Vermögensteuer ab einer Million aufwärts die Rede ist, was ein altes Mütterchen in ihrem Eigenheim in entsprechender Lage problemlos erreichen kann. Völlig ungewollt, dank der Niedrigzinspolitik der EZB und der dadurch ausgelösen Immobilienspekulation.



        Übrigens: Welches Jahr? 250000 in 2025 sind heute, dank 3,4 % Inflation, nur noch 240000 wert...

    • @Hans Dampf:

      Sie haben das Steuersystem nicht verstanden. Niemand, der 70.000 Euro jährlich verdient, zahlt darauf 42 Prozent Steuern. Er zahlt keine 29.000 Euro, wie Sie berechnet haben, sondern so knapp 12.000 Euro Lohnsteuer, kinderlos bei Klasse I. Vielleicht informieren Sie sich zunächst einmal. Man merkt aber an Ihrem Beispiel: solche Diskussionen sind kaum zu führen, weil eben ein großer Teil der Bürger weder das Steuer- noch das Sozialversicherungssystem verstanden hat. Das ist kein Vorwurf, es liegt ja auch daran, dass beide Systeme eigentlich zu komplex sind.

      • @Fliwatüt:

        "Sie haben das Steuersystem nicht verstanden."



        Sie haben natürlich recht. 42% ab dem ersten Euro über 70.000€.



        Das ändert aber nicht viel an der Tatsache, dass man nach Abzug von Steuern, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung sich trotzdem kaum Eigentum leisten kann, was das Alter viel erträglicher machen würde.

    • @Hans Dampf:

      "Von oben nach unten verteilen" trifft die Sache nicht ganz. Wie passt das mit der wachsenden Ungleichheit, dem steigenden Gini-Koeffizienten zusammen?



      Es ist eine Umverteilung aus der Mitte nach unten. Die Lorenz-Kurve [1] verformt sich, was der Gini-Koeffizient [2] nicht abbildet.



      Und das gefällt der produktiv arbeitenen Mitte, die das alles bezahlen soll, verständlicherweise nur begrenzt. Was manches Wahlverhalten erklären könnte.



      [1] de.wikipedia.org/wiki/Lorenz-Kurve



      [2] de.wikipedia.org/w...ent#Datenreduktion

      • @sollndas:

        "Es ist eine Umverteilung aus der Mitte nach unten."



        So ist es. Die ganz weit oben bekommt man nicht.

    • @Hans Dampf:

      Das ist halt das Problem, die wirklich großen Vermögen kriegt man nicht zu greifen gleichzeitig hat Deutschland einen bürokratischen Wasserkopf der unglaublich viel Geld kostet. Daher besteuert man die Mittelschicht.

  • "Und viele Medien applaudieren und fordern möglichst radikale Änderungen."

    Ja, komisch eigentlich, oder? Was haben eigentlich die milliardenschweren rechten Medienkonzerne davon, dass den Ärmsten noch mehr Euros aus der Tasche gerpesst werden, die die Reichen einstecken? Ob wir da in unserer Demokratie, die essentiell davon lebt, dass Menschen gut über die Hintergründe informiert sind, irgendein Problem mit der Informationsvermittlung haben?

  • Alles richtig.



    Bis auf die Milchbubenrechnung:



    Was als "Arbeitgeberanteil" bezeichnet wird, ist real Teil des Bruttolohns der für einen Arbeitsplatz als Kosten entsteht.



    Niemand beweist mir das Gegenteil.



    Resl sind daher die Sozialbeiträge bereits heute noch viel höher.



    Augenwischerei.

    • @So,so:

      Man könnte aber genauso sagen, dass der Arbeitnehmeranteil auch nur das Geld des Arbeitgebers ist. Der Arbeitnehmer entscheidet sich ja nur nach seinem Netto...

    • @So,so:

      Würden die Leute real die Abzüge sehen die sie zahlen müssen (und dazu zählt der Arbeitgeberanteil) gäbe es einen Aufstand. Der Arbeitgeberanteil der SPD ist ein Taschenspielertrick weil sonst ihre Sozialpolitik nicht mehr gewählt wird.

      • @Machiavelli:

        Würden sie Menschen die Kosten sehen, die sie hätten, wenn es die Sozialsysteme nicht gäbe, gäbe es die Aufstände erst Recht... Private Verschuldungen würden zum Standard werden, weil viele nicht genug privat beiseite legen würden/können

      • @Machiavelli:

        Also alles Schuld der SPD? Das ist sicher zu viel der zweifelhaften Ehre da ja nach 1949 die Union zwei Jahrzehnte das Zepter in der Hand hielt und damals schon nötige Reformen verhindert und verbaselt hat.

        In der Tat scheint es aber ein eklatantes Bildungsproblem zu sein, wenn man sich die Arbeitgeberanteile nicht selbst auf dem Gehaltszettel dazu addieren kann. Aber was sagt mir dieser Wert dann, dass mein Arbeitgeber mir diese Anteile aus purem Altruismus zukommen lässt und er das Geld wegen der pösen SPD nicht selbst behalten darf oder das es sich um einen Teil vom Gehalt handelt den er wie das Gehalt zahlt, weil er freiwillig meine Arbeitskraft einkauft um damit Umsatz und Gewinn zu generieren?

  • Wow. Wenn ein anerkannter Politik- und Sozialwissenschaftler wie Butterwegge den Sozialdemokraten öffentlich in der TAZ derart deutlich die Leviten liest und ihnen die rote Karte zeigt, weiß man, dass bei der SPD gerade etwas gründlich schiefgelaufen ist.

    Und tatsächlich kann niemand erklären, was durch den tiefen Kotau vor der Privatversicherungswirtschaft (Riester II oder Betriebsrente) und die Abschaffung des Achtstundentags für die Arbeitnehmer denn irgendwie besser werden soll? Es ist ein erneuter Hochverrat an den Arbeitnehmern, wie damals Hartz IV, das die Linke erst groß gemacht hat.



    Diesmal könnte die SPD sogar an der Fünfprozenthürde scheitern. Warum tun sie das? In Österreich hat man es umgekehrt gemacht und die gesetzlichen Rente sogar ausgebaut, außerdem die Wohnungsbaugenossenschaften weiter traditionell unterstützt, statt das Tafelsilber zu verschleudern, und man lebt dort heute wirklich in einer anderen Welt.

    • @hedele:

      Herr Butterwegge ist Armutforscher und hat in dem Bereich auch Einiges geleistet. Was seine politischen Konzepte GEGEN Armut betrifft, kann hingegen schwerlich als wissenschaftlich bezeichnet werden. Da ist er typischer altlinker Theoretiker, der sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden kann, dass man mit der Verteilung von Profiten erst anfangen sollte, wenn man seriös voraussetzen kann, dass sie unter den angepeilten Umständen auch wirklich noch erwirtschaftet würden (man könnte es auch ein blindes Auge im Bereich der "Reichtumsforschung" nennen).



      Mit dieser Einstellung stand er auch schon vor Jahrzehnten deutlich links der SPD, ist ja dort auch nicht umsonst kurz nach der Ausgründung der WASG ausgetreten, von der Linkspartei 2017 für die BP-Wahl aufgestellt worden und schreibt Bücher gemeinsam mit seiner mittlerweile beim BSW gelandeten Gattin. Die SPD-Schelte ist also genau so einzuordnen wie seine Heilskonzepte: Nichts auch nur ansatzweise Neues, und auch wenig außer heißer ideologischer Luft.

      • @Normalo:

        "... dass man mit der Verteilung von Profiten erst anfangen sollte, wenn man seriös voraussetzen kann, dass sie unter den angepeilten Umständen auch wirklich noch erwirtschaftet würden ..."



        Als was würden Sie dann die leistungslosen Zuwächse der Vermögen der Superreichen in diesem Land, die trotz "Krisen" immer neue Höchstwerte denn so bezeichnen?



        Was wäre jetzt, wenn wir alle mal entsprechend dem leistungslosen Vermögenszuwachs den Gürtel etwas enger schnallen würden?

        • @Axel Schäfer:

          "Als was würden Sie dann die leistungslosen Zuwächse der Vermögen der Superreichen in diesem Land, die trotz "Krisen" immer neue Höchstwerte denn so bezeichnen?"

          Die würde ich als "Investitionsdividenden" und "Spekulationsgewinne" bezeichnen. Wenn man mal die moralisierende Schnappatmung etwas beruhigt und sich weniger damit befasst, wie "unverdient" diese Einkünfte sind, kann man sich halt auch mal fragen, wo, wie und warum sie erzielt werden.



          Das sind nämlich keine Gelddruckmaschinen, die einfach immer funktionieren und jedes Jahr ein theoretisch vom Fiskus abgreifbares Fixvolumen rausknattern. Dafür muss erstmal ganz gewaltig der Rubel rollen. Und wenn er das nicht tut, z. B. weil zu Viele sich in dem Glauben aalen, man könne wirtschaftlichen Erfolg (und seinen Anteil daran) einfach beanspruchen, statt ihn immer wieder neu erringen zu müssen, ODER die Vermögensinhaber ihr Geld gar nicht auf den Markt werfen bzw. sich damit in andere Märkte verziehen (ich persönlich würde z. B. ein Multimillionen-Vermögen aktuell eher in Asien und Amerika unterbringen und von den Bahamas aus managen...), dann steht es - ganz nüchtern betrachtet - auch nicht zum fiskalen Abgriff zur Verfügung.

      • @Normalo:

        Wissen Sie, Butterwegge ist ein altlinker Theoretiker.

        Aber wenn Leute Geld zum Ausgeben haben, werden die Dinge die sie brauchen auch produziert. Das ist einfach Marktwirtschaft - wir haben überhaupt kein Produktivitätsproblem, sondern ein Nachfrageproblem - aufgrund von extremer Ungleichheit und Deprivation.



        Natürlich setzt uns das Ökosystem Erde in bestimmten Bereichen Grenzen was die Produktion von Zeug angeht.

        Aber das Märchen vom großen Mangel ist nun kein bisschen weniger "alt"(-links oder -rechts) als das, was Herr Butterwegge so von sich gibt.



        Ich empfehle die Lektüre von Prof. Günther Moewes "Weder Hütten noch Paläste" sowie Dr. Martin Luther King "Where do we go from here - chaos or community".

        • @Eric Manneschmidt:

          Das Problem ist doch, dass in einer globalisierten Welt Nachfrage und Produktion nicht notwendigerweise in dieselben makroökonomischen Töpfe wirtschaften. Was meinen Sie, warum die ebenfalls altlinke Sahra Wagenknecht keine Schmerzen beim Herumhacken auf unseren wichtigsten Außenhandelsinstrumenten (EU und Westbindung) hat und so unlinks-migrationskritisch drauf ist (mal abgesehen davon, dass sie das Thema offenbar für Urnengold hält)?



          Diese ganzen keynsianischen Konzepte basieren nun einmal auf einem abgeschlossenen Binnenmarkt - ohne Import von abgeschlossener produktiver Wertschöpfung und eben auch ohne Migration in die Sozialsysteme. Sowas könnten wir auch wieder haben, aber dann müsste eben z. B. der Fernseher wieder von Metz, Grundig oder Loewe aus dem Fränkischen kommen und das Dreifache kosten. Und Urlaubsreisen sollten in die mecklenburgische Seenplatte oder den Schwarzwald gehen und nicht nach Malle oder auf die Malediven. Die Viertelbillion Außenhandelsübeschuss könnten wir dann natürlich abschreiben, aber wenigstens wäre die Einkommensschere so wieder näher am DDR-Niveau und das mit der Migration auch nicht mehr so problematisch (weil keiner mehr käme und reinwollte)...

    • @hedele:

      In Holland sind betriebliche Rentenversicherung und private Rentenversicherungen der wichtigste Teil der Rente und das holländische System wird hier im Forum mit feuchten Augen gepriesen.

      • @Machiavelli:

        Ja das finde ich auch zum heulen.



        Das beschert den privaten Versicherern dort langfristig gleichbleibende Gewinnmargen von 10% und die Verwaltungskostenanteile sind dort das zwei- bis dreifache wie bei nicht profitorientierten Rentenversicherungen. Auch hier ist das Geld nicht weg, sondern nur wo anders.

    • @hedele:

      Der Großteil der SPD-Wähler sind zur Union und zu AFD abgewandert, meinen Sie wirklich das hat was mit der Hartz IV-Reform zu tun?

      • @Klaus Baumgart:

        Sagt das irgendwas darüber aus, dass diese Parteien, insbesondere die AgD jetzt irgendeine Agenda verfolgen würden die Umverteilung nach oben zu stoppen oder gar umzukehren?

        • @Axel Schäfer:

          Nö, aber es lässt zweifeln, ob die Wählerbewegung von der SPD weg dadurch aufzuhalten bzw. umzukehren wäre, dass sie nun mit aller Konsequenz in dieses Horn tutet. Schon einmal in Erwägung gezogen, dass die Wähler, die heute bei Union und AfD zu finden sind, gar nicht dieses Grundvertrauen in die Heilswirkung staatlicher Umverteilungsmechanismen haben, das Linke und Grüne auszeichnet?

    • @hedele:

      Na ja, deutlich schief gelaufen ist mit der sPD schon alles seit Schröder inklusive. Das ist nicht neu.



      Sie haben, nachdem durch Thatcher und Regan die neue Religion des Neoliberalismus in die Welt kam und nachdem die cdU/csU unter Kohl die Umverteilung von unten nach oben begeistert aufgriffen in den 80ern, das Rad weitergedreht. Bei ihnen fällt es natürlich mehr auf, weil sie ja eigentlich auf der Gegenseite standen.



      Aber unser Armani-Kanzler Schröder hat aus der SPD die sPD gemacht. Die cdU/csU stand ja schon vorher für Feudalismus.

  • Der ein oder andere genannte Posten ist absetzbar oder betrifft nicht alle oder greift erst ab einem Schwellenwert. Das ist jedoch bei Angestellten nicht anders.

    Liebe taz, bleibt bitte auf dem Boden der Realität. Fragt eure Freiberufler/Selbstständigen, was sie tatsächlich bezahlen, anstatt alle pauschal über den Spitzenverdienerkamm zu scheren!

  • Geht es nicht letztendlich darum, den meisten Menschen dauerhaft Existenznöte zu breiten, damit einige wenige sich ungestört die Taschen voll machen können? Wer Probleme hat, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und Abstiegsängste hat wird, unsolidarisch und spuckt der Regierung eher nicht mittels irgendwelcher NGOs in die Suppe.



    Das Motto „Divide et impera“ war schon immer ein Leitmotiv der Union, um die eigenen und die Pfründe ihrer Gönner zu sichern.

  • Nicht alle Freiberufler und Selbstständige sind Spitzenverdiener, auch wenn sich dieses Märchen hartnäckig hält. Ich wage zu behaupten, dass die meisten Soloselbstständigen, Freiberufler zähler durchaus dazu, eher Jahresumsätze im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich erzielen. Darauf werden Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer bei nicht freien Berufen sowie ggf. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag erhoben. Angestellte bezahlen weder Umsatz- noch Gewerbesteuer.

    Auch Soloselbstständige sind in der Regel sozialversichert. Nur zahlen sie, im Gegensatz zu Arbeitnehmern, den vollen Satz. Das sind, wenn man einer schnellen Google-Recherche glauben darf, etwa 300 Euro plus 115 Euro in die Rentenkasse. Freiwilig, ja. Nicht versichert zu sein, kann sich allerdings kaum jemand leisten.

    Krankengeld gibt es nicht, es sei denn, man hat eine Zusatzversicherung. Jeder kranke Soloselbstständige muss, sofern er keine Zusatzversicherung hat, Verdienstausfälle im Krankenheitsfall in Kauf nehmen.

    Wer besondere Räume braucht, wie Ihr Friseur, Bäcker oder Handwerker, ist auch darauf Umsatzsteuer zu entrichten.

    • @p2c2e:

      Das ist falsch. Umsatzsteuer, im Volksmund auch Mehrwertsteuer genannt, zahlt der Endkunde. Der Unternehmer erhebt sie nur und gibt sie dann an das Finanzamt weiter.

      Gewerbesteuer zahlt effektiv auch nur, wer in einer sehr teuren Gegend arbeitet (z.B. in München), da ansonsten die bezahlte Gewerbesteuer komplett auf die Einkommensteuer angerechnet wird.

      Gruß vom Steuerfachwirt. ;)