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Neuer britischer VeteidigungsministerDan Jarvis kann nicht Nein sagen

Mit dem Selbstverständnis, dass keine Aufgabe zu groß ist: der Ex-Elitesoldat und ehemalige Bürgermeister von Sheffield wird ins Kabinett Starmer berufen.

Dominic Johnson

Aus London

Dominic Johnson

Dan Jarvis hielt gerade eine Rede an der britischen Elite-Militärakademie Sandhurst, als sein Telefon pausenlos klingelte. „Ich ignorierte es, aber dann musste ich sagen: Da ist wohl was los“, erzählte Großbritanniens neuer Verteidigungsminister dem Sunday Telegraph über die Ereignisse des vergangenen Donnerstag. Der bisherige Verteidigungsminister John Healey hatte sein Amt niedergelegt. Jarvis, Healeys Staatsminister für Sicherheit, eilte nach London zurück – und wurde zum Nachfolger ernannt.

Ignoriert man die Umstände, gibt es für diesen Posten wohl kaum einen geeigneteren Kandidaten. Der 53-jährige Veteran der britischen Spezialkräfte hat Einsatzerfahrung in Kosovo, Sierra Leone, Irak und Afghanistan, er verkörpert das Selbstverständnis der Elitetruppen des britischen Militärs, dass mit der richtigen Einstellung keine Herausforderung zu groß ist. So behandelte er auch die Bitte, Minister zu werden, sagte er dem Sunday Telegraph: Wenn der Premierminister fragt, „kann ich nicht Nein sagen“. Verteidigungsminister sei ein „Traumjob“.

Die Umstände sind aber eher ein Alptraum. Seit Monaten arbeitet die britische Regierung an einem „Verteidigungsinvestitionsplan“ zur Aufrüstung. Healey konnte sich dabei nicht durchsetzen. Nach aktuellem Stand sollen die britischen Militärausgaben bis 2030 lediglich um 13,5 Milliarden Pfund zulegen, nicht 28 Milliarden wie vom Ministerium angepeilt – eine Steigerung von 2,6 auf bloß 2,68 Prozent des BIP, faktisch Stillstand. In seinem Rücktrittsschreiben schimpfte Healey, Premierminister Starmer sei „unfähig“ und Finanzministerin Rachel Reeves „unwillig“.

Jarvis’ Loyalität gilt Starmer

Nun muss Jarvis beweisen, dass er mehr herausholen kann. Zugleich muss er überlegen, auf wessen Seite er sich dafür im laufenden Labour-Machtkampf schlägt, sollte in wenigen Tagen Andy Burnham, der Labour-Bürgermeister von Manchester, bei einer Nachwahl ins Parlament einziehen und dann Premierminister Keir Starmer die Führung streitig machen. Jarvis’ Loyalität gilt eher Starmer, seine Karriere passt aber eher zu der von Burnham. Von 2018 bis 2022 war Jarvis Labour-Bürgermeister von Sheffield; das Tandem Jarvis-Burnham als zwei wichtige nordenglische Lokalpolitiker war ein Gegengewicht zum linken Labour-Parteichef Jeremy Corbyn. Dessen Nachfolger Keir Starmer holte Jarvis nach dem Labour-Wahlsieg 2024 in die Regierung.

Ist sein Aufstieg jetzt der Höhepunkt der Karriere des engagierten Marathonläufers – oder ihr Ende? Der Anfang war schon dramatisch gewesen. 2010 starb Jarvis’ erste Ehefrau an Krebs, was ihn als alleinerziehenden Vater kleiner Kinder zurückließ. Er legte die Militärlaufbahn nieder und wechselte 2011 per Nachwahleintritt ins Unterhaus in die Politik, als erster britischer Berufssoldat seit dem Zweiten Weltkrieg. Als möglichen zukünftigen Premierminister porträtierte die Labour-nahe Wochenzeitschrift New Statesman ihn schon wenige Jahre später.

Ist sein Aufstieg jetzt der Höhepunkt der Karriere des engagierten Marathonläufers Jarvis – oder ihr Ende?

Damals beschrieb Jarvis seinen letzten Kriegseinsatz in Afghanistans Provinz Helmand 2007, wo er sechs Monate lang unter Lebensgefahr eine Fallschirmjägertruppe befehligte, als „fantastische professionelle Chance“. Seine kranke Frau hatte ihn ermutigt, den Einsatz durchzuziehen, da schließlich das normale Leben weitergehen müsse. „Egal wie hart Politik sein kann – nichts ist mit diesem Level von Druck und Risiko vergleichbar“, sagte Jarvis. Es sind Qualitäten, die Großbritanniens Labour-Regierung gerade dringend braucht.

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