Atommüllschiff in Brunsbüttel angekommen: Deutschland bekommt seinen Schrott zurück
Ein Atommüllschiff aus England hat in der Nacht in Brunsbüttel angelegt. In Brokdorf soll der Atomschrott nun jahrzehntelang zwischenlagern.
Sechs Tage nach dem Start im britischen Hafen Barrow-in-Furness in Nordwestengland hat ein Atommülltransportschiff mit sieben Castorbehältern an Bord am frühen Dienstagmorgen Deutschland erreicht. Die „Pacific Grebe“ habe gegen vier Uhr den Elbehafen im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel erreicht, berichteten Antiatominitiativen, die die Fahrt via Internet und durch eigene Beobachter:innen von Beginn an verfolgten. Die Polizei hatte seit der Nacht mit mehreren Einsatzfahrzeugen die Zufahrten zum Hafen abgesperrt.
In Brunsbüttel werden die jeweils mehr als 100 Tonnen schweren Castoren mit einem Kran auf Speziallastwagen umgeladen. Das Bündnis „Castor stoppen“ rechnete damit, dass sich der Atommüllkonvoi in der Nacht zu Mittwoch unter starkem Geleitschutz der Polizei auf den Weg zum Zwischenlager auf dem Gelände des 15 Kilometer entfernten AKWs Brokdorf macht. Nach einem Probelauf mit einem leeren Behälter war bis Dienstagmittag allerdings erst ein Castor auf einen Tieflader gehievt worden – dies sprach für einen späteren Beginn des Straßentransports.
In den jetzt in Brunsbüttel angelandeten Behältern befinden sich in Glas eingeschmolzene Atomabfälle, die in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield bei der Verarbeitung verbrauchter AKW-Brennelemente aus deutschen Reaktoren entstanden sind. Der Atommüll kommt aufgrund geltender Verträge mit Großbritannien zurück nach Deutschland. Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen AKW zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert.
Helge Bauer, „ausgestrahlt“
Lange Zeit war Gorleben als Ort für die Zwischenlagerung dieser zurück genommenen Abfälle vorgesehen gewesen. Nach dem Atomausstieg und dem Neustart der Endlagersuche hatten sich Bund und Länder aber darauf verständigt, die Abfälle aus den Plutoniumfabriken in Frankreich und Großbritannien nicht länger nach Gorleben zu transportieren, sondern auf mehrere Zwischenlager an den deutschen AKW-Standorten zu verteilen. Die aktuelle Fuhre nach Brokdorf ist der letzte dieser sogenannten Rücktransporte.
Atomkraftgegner:innen warnen vor Zwischenlager
Die sieben Castoren sollen nun so lange in Brokdorf bleiben, bis – voraussichtlich erst im nächsten Jahrhundert – ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zur Verfügung steht. Dabei wurden die 16 oberirdischen Zwischenlager in Deutschland, also auch das in Brokdorf, zunächst nur für eine Betriebsdauer von 40 Jahren konzipiert und genehmigt.
Betreiber des Brokdorfer Zwischenlagers ist die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Es verfügt über 100 Stellplätze für Behälter. Derzeit lagern dort 76 Castoren mit Brennelementen aus dem AKW Brokdorf. Mit der Aufnahme der 7 Behälter aus England endet der Einlagerungsbetrieb an diesem Standort.
Atomkraftgegner:innen halten es zwar für richtig, dass der in Deutschland produzierte Atommüll von Deutschland zurückgenommen werden muss. Sie kritisieren aber die aus ihrer Sicht unsinnige und überflüssige Zwischenlagerung in Brokdorf. Schon heute sei klar, dass der Atommüll dort nicht bleiben könne, sagt etwa Helge Bauer von der Antiatomorganisation „ausgestrahlt“: „Das Hin- und Herverschieben von Castoren bringt uns einer sicheren Lagerung nicht näher, im Gegenteil: Jeder Castortransport birgt enorme Risiken.“ Atommüll, so Bauer, sollte deshalb nur ein einziges Mal transportiert werden – und zwar in ein Endlager.
Die deutschen Zwischenlager böten keinen ausreichenden Schutz für hochradioaktive Abfälle. Sie seien schon bei ihrer Errichtung den sicherheitstechnischen Herausforderungen nicht gewachsen gewesen und erst recht nicht gegen aktuelle Bedrohungen gesichert. Weder ein Castortransport noch ein Atommülllager könne einem Drohnenangriff standhalten, das zeigten auch zwei aktuelle von „ausgestrahlt“ beauftragte Sicherheitsstudien.
Kerstin Rudek vom „Castor-stoppen-Bündnis“ wertet auch die strikte Geheimhaltung der aktuellen Atommüllfuhre als „ein Eingeständnis, dass die Transporte gefährlich und ein potenzielles terroristisches Ziel sind“. Der „bittere Beigeschmack“: Der Transport erfolge damit ohne die Möglichkeit eines vorbeugenden Katastrophenschutzes oder einer transparenten Kontrolle seitens der Zivilgesellschaft. Für den späten Dienstagnachmittag um 17.30 Uhr riefen Antiatominitiativen zu einer Kundgebung am AKW Brokdorf auf.
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