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Wärmeplan 2026 für BerlinAm Ende unverbindlich

Der Senat legt seinen „Wärmeplan“ für die Energiewende bis 2045 vor. Ein scharfes Schwert ist das Dokument aber nicht – nur eine Orientierungshilfe.

In gut 20 Jahren soll Berlin klimaneutral sein. Das bedeutet auch, dass die Versorgung mit Wärme – für das Heizen von Wohnräumen, aber auch für warmes Wasser in Bad und Küche – ohne fossile Brennstoffe wie Erdgas, Öl und Kohle funktioniert. Aktuell entstehen in diesem Bereich rund 40 Prozent aller Berliner CO₂-Emissionen, denn nur 6 Prozent der Wärme wird mit erneuerbaren Energien oder durch Nutzung von Abwärme erzeugt.

Um der Wärmewende den Weg zu bahnen, hat der Senat am Dienstag den Berliner Wärmeplan 2026 beschlossen. Er bildet sowohl den aktuellen Stand der Wärmeversorgung als auch die künftigen Potenziale ab: Ein digitales Kartenwerk zeigt, in welchen Gebieten mit dem Ausbau der Fern- und Nahwärmenetze zu rechnen ist – und wo die Wärmeerzeugung wohl auf lange Sicht dezentral bleiben wird, also etwa durch Wärmepumpen in einzelnen Gebäuden.

Mit dem Wärmeplan 2026 erfüllt der Senat die Vorgabe des bundesweiten Wärmeplanungsgesetzes (WPG). Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten bis Mitte dieses Jahres solche Planwerke erarbeiten, kleinere Gemeinden haben noch bis 2028 Zeit. Sinn der Übung ist es, GebäudeeigentümerInnen und BauherrInnen Orientierung zu geben: Liegt ihre Immobilie etwa in einem Gebiet, wo der Anschluss an ein Fernwärmenetz zu erwarten ist, können sie ihre Entscheidungen bei Heizungsmodernisierung oder -neubau darauf stützen.

Allerdings lautet das entscheidende Attribut in diesem Zusammenhang „unverbindlich“: Weder verpflichtet der Plan EigentümerInnen zum Einbau eines bestimmten Heizungstyps, noch können sie aus dem Plan irgendwelche Ansprüche ableiten. Dass ein bestimmter Häuserblock in der Zukunft tatsächlich an ein Wärmenetz angeschlossen wird, kann die Senatsverwaltung nicht garantieren. Sie sagt lediglich auf der Grundlage eines aufwändigen Analyseverfahrens eine Wahrscheinlichkeit voraus.

Heizen mit KI-Abwärme

Die BEW betreibt ein systematisches Schönrechnen der Dekarbonisierung

Matthias Krümmel

Zu den Grundlagen der Prognose gehören neben vielen anderen Faktoren die Standorte von Rechenzentren, wo unsere boomende KI-Nutzung künftig immer mehr nutzbare Abwärme entstehen lässt. Aber auch in der Nähe von Flussabschnitten oder großen Abwasserleitungen, denen mit großen Wärmepumpen Energie entzogen werden kann, ist vom Ausbau öffentlich oder privat betriebener Netze auszugehen.

Das Planwerk soll laut Umweltverwaltung kontinuierlich fortgeschrieben werden. Muss es auch, denn beispielsweise steht die Erforschung der Tiefengeothermie in Berlin noch ziemlich am Anfang. Hier könnten künftige Erkenntnisse das Gesamtbild noch deutlich verändern.

Im Zielszenario für den Berliner Wärmemix im Jahr 2045 rechnet man im Haus von Senatorin Ute Bonde (CDU) damit, dass der gesamte Wärmebedarf durch Gebäudesanierungen und Effizienzmaßnahmen um rund 20 Prozent sinkt. Die verbleibende Menge soll ungefähr zur Hälfte über Fern- und Nahwärmenetze geliefert und zur anderen Hälfte direkt vor Ort erzeugt werden – Letzteres hauptsächlich in den dünner besiedelten Außenbereichen.

Wie Berlins Großerzeuger von Fernwärme – die Berliner Energie und Wärme (BEW) – fossilfrei werden will, hat das 2024 rekommunalisierte Unternehmen erst kürzlich vorgestellt. Dieser „Dekarbonisierungsfahrplan“ löst eine frühere Version ab, die noch vom privaten Voreigentümer Vattenfall stammte. Bei Umwelt- und Klimaschutzverbänden stößt allerdings auch die Neufassung auf Kritik.

Der Fahrplan zeige „weniger einen belastbaren Weg zur klimaneutralen Fernwärme als vielmehr die Grenzen einer Wärmewende ohne klare politische Rahmensetzung“ auf, monierte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die BEW mache Annahmen über das Tempo der Gebäudesanierung und die Verfügbarkeit von Biomasse oder grünem Wasserstoff, die sie selbst gar nicht steuern könne. Damit betreibe sie ein „systematisches Schönrechnen der Dekarbonisierung“, so der Referent für Klimaschutzpolitik im BUND-Landesverband, Matthias Krümmel.

Konkret habe die BEW zwar den von Vattenfall geplanten massiven Ausbau der Biomassenutzung – Stichwort Holzkraftwerke – zurückgeschraubt. Das sei aber keine strategische Entscheidung, sondern nur der Tatsache geschuldet, dass es zurzeit gar kein entsprechendes Angebot solcher Brennstoffe gebe. Gleichzeitig setze das Unternehmen weiterhin auf Müllverbrennung als Wärmequelle. Das aber schaffe einen „strukturellen Bedarf an brennbarem Abfall“, so der BUND, und laufe allen Strategien zur Abfallvermeidung zuwider.

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