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Heiße Tage und TropennächtePech gehabt

Nick Reimer

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Nick Reimer

Durch heiße Sommer sind in den vergangenen Jahren mehr Menschen gestorben als im Verkehr. Aber für Hitzeschutz machen die Länder kein Geld locker.

U m die Entwicklung zu beschreiben, führte der Deutsche Wetterdienst zuerst den Fachbegriff „Heiße Tage“ ein: Tage, an denen das Thermometer die 30-Grad-Marke übersteigt. Seit den 1950er Jahren hat sich diese Zahl in Deutschland verdreifacht. Danach kamen die „Tropennächte“ hinzu, in denen sich die Luft nicht mehr unter 20 Grad abkühlt. Neuerdings benutzen die Meteorologen den Begriff „Wüstentag“ – und zwar dann, wenn es wärmer als 35 Grad wird: Die menschengemachte Erderwärmung sorgt eben nicht nur dafür, dass es im Durchschnitt immer wärmer wird, auch die Spitzentemperaturen steigen immer weiter an. 40 Grad in Hamburg, wie im Juli 2022 gemessen, werden künftig keine Ausnahme mehr sein.

Die menschliche Körpertemperatur liegt bei 37 Grad, ab etwa 35 Grad Umgebungstemperatur fällt es uns schwer, den Körper runter zu kühlen. Hitze ist tödlich, in den vergangenen heißen Jahren starben in der Bundesrepublik mehr Menschen an hohen Temperaturen als im Straßenverkehr. Vor allem Alte, Vorerkrankte, Kleinkinder gelten als Risikogruppe. Und hier wird es absurd: Während der Staat jedes Jahr Milliarden in die Verkehrssicherheit investiert, fehlt bei der Vorsorge gegen den Hitzetod Geld.

Hitzeschutz ist im föderalen Deutschland Ländersache, einen bundeseinheitlichen Plan gibt es nicht. Die Bundesländer aber scheuen sich, neue Pflichtaufgaben zu verteilen: Sie müssten den Kommunen dafür entsprechende Mittel zur Verfügung stellen, Geld, das in den Länderkassen fehlt. Hitzeschutz wird so zu einer Frage des lokalen Willens. Wer in Köln, Erfurt, Mannheim, Berlin-Marzahn wohnt, hat Glück: Dort gibt es ein personalaufwendiges Hitzetelefon. Gefährdete können sich anmelden, werden mit Trinkwasser versorgt und beraten, beispielsweise darüber, wie sie die Dosierung von Medikamenten bei Hitze ändern müssen.

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Andernorts haben die Menschen Pech: Dort gibt es allenfalls Flyer, in denen lapidar darauf hinweisen wird, bei Hitze viel zu trinken. In der Hauptstadt lautet die Überschrift: „Hitzewelle? Berlin bleibt cool.“ Es ist zum Verrücktwerden!

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Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.

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