Libanesische Umweltaktivistin getötet: Ein Leben für das Meer und die Schildkröten
Mona Khalil schützte die gefährdeten Nester der Tiere im Südlibanon. Nun starb sie nach einem Luftangriff des israelischen Militärs auf ihr Haus am Strand.
Sie liebte das Meer und sie liebte die Schildkröten, die sie beim Brüten beschützte. Diese Liebe wurde vom israelischen Militär tragisch beendet: Die 76-jährige Meeresaktivistin Mona Khalil starb am Freitag, nachdem sie zuvor bei einem israelischen Angriff auf ihr Haus am Strand im Südlibanon schwer verletzt wurde.
Die Umweltschützerin wurde 1949 geboren, sie wuchs zunächst im Haus der Familie am Strand des am Meer gelegenen Dorfs Mansouri im Südlibanon auf. Während des Bürgerkriegs verließ die Familie den Libanon; Khalil lebte fast 20 Jahre in den Niederlanden.
Doch sie wollte wieder in den Libanon zurückkehren, erzählte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Zurück ans Meer, zurück in das Haus, das ihr Vater damals am Strand gebaut hatte, als sie noch ein Kind war. Doch lange schien ihr das zu gefährlich: Von 1982 bis 2000 besetzte die israelische Armee den Südlibanon.
1999 kehrte sie dann zurück, um sich das Familienhaus am Strand nochmal anzuschauen. Um nachzufühlen, ob sie dort wieder leben könnte. An einem Morgen im Mai ging sie damals, noch als Touristin, an den Strand. So erzählt sie es selbst in einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011. Auf einmal habe sie ein Geräusch im Sand gehört. Und gemerkt: Neben ihr baute gerade eine Wasserschildkröte ihr Nest. Doch wilde Hunde und Menschen zerstören immer wieder deren Nester.
Mit Ökotourismus für den Schutz von Schildkröten
Noch im gleichen Jahr zog sie in den Libanon zurück, in ihr Haus am Strand. Ein paar Monate später, im Jahr 2000, zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab. Mona Khalil strich das geerbte Familienhaus orange – die Farbe der Niederlande, als Zeichen der Dankbarkeit für die vielen sicheren Jahre, die sie dort verbracht hatte. Im gleichen Jahr eröffnete sie mit ihrer Mitarbeiterin Habiba Fayed dort ein Gästehaus. Mit der Zimmervermietung im Orange House finanzierte Khalil den Schutz der Schildkröten-Nistplätze.
Wissenschaftler*innen der „Mediterranean Association to Save the Sea Turtles“ (Medassette) bildeten Khalil aus, damit sie für die Schildkröten und den Strand sorgen kann. Denn der Strand von Mansouri ist der wichtigsten Nistplätze für Karettschildkröten und Grüne Meeresschildkröten im Libanon. Sie kommen in der Nacht an Land, graben ihr Nest, legen ihre Eier ab und kehren ins Wasser zurück.
Mona Khalil über den Krieg im Libanon 2006
Khalil steckte die Nester mit Stöcken ab und sicherte sie mit Metallnetzen. Sie half den Baby-Schildkröten, nach dem Schlüpfen sicher ins Wasser zu gelangen. Gemeinsam mit Freiwilligen befreite sie den Sand von Plastik.
Im Krieg zwischen der schiitischen Hisbollah und Israel im Sommer 2006 blieb Khalil in ihrem Haus. „Ich weigerte mich zu gehen. Es war Brutzeit“, sagte sie dem Sender BBC dazu. „Eine Rakete schlug im Haus ein und explodierte. Meine Tiere und ich waren traumatisiert, ich verlor einen Teil meines Gehörs. Aber ansonsten bin ich noch am Leben und wohlauf“, sagte sie damals. Stolz erklärte sie, dass durch die wenigen Strandbesucher*innen damals besonders viele Schildkrötennester am Strand lagen.
Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.
„Die die Politik kontrollieren, bestimmen über uns“
Auch während des Krieges ab Oktober 2023 blieb Khalil in ihrem Haus am Strand. Während des Krieges schloss sie die Tür für Gäste, weigerte sich aber, selbst zu fliehen. So erzählten es Khalils Freunde der libanesischen Zeitung L'Orient Today: „Mona hatte sich in ihrer Wohnung verbarrikadiert, ließ niemanden herein und glaubte, sie sei als Zivilistin in Sicherheit.“
Am 4. Juni 2026 traf ein israelischer Luftangriff ihr Haus. Zeugen zufolge schlug das Geschoss auf der Seite ihres Schlafzimmers ein. Khalil wurde verletzt. Auch eine Mitarbeiterin erlitt schwere Verbrennungen. Trotz Behandlung in zwei Krankenhäusern und nach einem zweiwöchigen Überlebenskampf starb Khalil nun.
„Du bist ein Mensch ohne Wert. Diejenigen, die die Politik kontrollieren, bestimmen über uns“, sagte Khalil in dem Dokumentarfilm von 2011. „Sie haben das Recht zu entscheiden, ob wir leben oder sterben dürfen. Es ist zu krank für mich, um es zu begreifen. Zu grausam.“
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