Hitzewelle und Klimapolitik: Dümmer als jeder Frosch
Ein Hitzedom lässt Westeuropa glühen. Er wird Tausende Menschen das Leben kosten. Ein Krisenstab der Bundesregierung wäre überfällig.
K ennen Sie diese ausgelutschte Geschichte mit dem Frosch? Der, der im Topf mit sich langsam erhitzendem Wasser hocken bleibt, bis er gar ist, statt herauszuspringen? Die ist natürlich Blödsinn. So dumm sind Frösche nicht. Noch blöder aber ist, dass die Bundesregierung dümmer ist als jeder Frosch. Und angesichts der drohenden Klimakatastrophe einfach nichts tut. Nicht langfristig, nicht mittelfristig, nicht kurzfristig. Und damit sind wir beim Wetter, das als Folge des Klimawandels heißläuft.
Bis zu 40 Grad sagen die Meteorologen für den Süden und Westen des Landes noch im Laufe dieser Woche voraus. Das wäre – ach, man wird schon müde, es zu betonen – mal wieder ein Rekord. Nie dagewesen im Juni seit Menschengedenken. Und nein, es geht hier nicht darum, denjenigen, die Spaß daran haben, die Laune zu vermiesen. Wer ein funktionierendes Freibad oder einen noch nicht veralgten See oder wenigstens eine fette Portion Zitroneneis in der Nähe weiß, soll es genießen. Aaaah! Schön, oder?
Oder eben nicht für alle. Denn leider ist die Hitze ein gravierendes Problem, tödlich vor allem für ältere Menschen. Gefährlich für Kranke und Obdachlose. Vor gerade mal zwei Wochen warnten 150 Organisationen davor, dass die Bundesrepublik nicht angemessen auf Hitzewellen vorbereitet sei, dass ein sogenannter Hitzedom zu mehreren Zehntausend Toten binnen weniger Tage führen könne. Der dringende Rat ist, den Hitzeschutz in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren.
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Was klang wie ein fernes Katastrophenszenario, ist ruckzuck Realität geworden. In Frankreich gilt in vielen Regionen höchste Hitzewarnstufe. Atomkraftwerke werden abgeschaltet, weil Kühlwasser fehlt. Und in Deutschland? Wir haben ja keine AKW mehr. Glück gehabt.
Die viel gescholtene Bahn verteilt an solchen Hitzetagen gern mal Eis an ihre Kund:innen. Und die Bundesregierung? Hat sie schon einen Krisenstab eingerichtet, um Aktivismus wenigstens zu simulieren? Hat sie sich überhaupt schon zum Thema geäußert?
Es ist leider auch ein Problem der Wahrnehmung. Die Zahl der Menschen, die in den kommenden Tagen infolge der hohen Temperaturen ums Leben kommen, werden durch die erst rückblickend berechenbare Übersterblichkeit bekannt werden.
Und der Klimawandel wird immer noch viel zu oft in der fernen Zukunft vermutet. Dabei bedeuten die 3 Grad mehr bis zum Jahr 2100, auf die es derzeit hinausläuft, laut Berechnungen renommierter Klimaforscher rund 6 Grad in Deutschland.
Davon betroffen sind nicht erst die dann 80-Jährigen, die die heutigen Grundschulkinder sind. Denn der Klimawandel ist längst da. Und wird stärker. Jahr für Jahr. Doch im Autoland Deutschland wird Lebensqualität weiter nicht per Schattenindex gemessen, sondern in Kilometern pro Stunde. Vielleicht löst deshalb eine Meldung vom Wochenende die angebrachte Reaktion aus: Da mussten aufgrund von Hitze erste Spuren auf Autobahnen gesperrt werden.
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