+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Ukrainischer Drohnenangriff auf die Krim
Vor dem Nato-Gipfel wollen die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten EU-Staaten ihre Ukrainepolitik bei einem Treffen in Berlin abstimmen.
Stromausfall auf der Krim, Gasanlage attackiert
Die Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim ist nach nächtlichen Drohnenangriffen der Ukraine ohne Strom. Die Energieinfrastruktur sei getroffen und beschädigt worden, bestätigte der Gouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram. Medienberichten zufolge ist auch in einigen anderen Teilen der Krim nach einem Drohneneinschlag in einem Kraftwerk die Stromversorgung zusammengebrochen. In den ebenfalls von Russland besetzten Teilen der südukrainischen Region Cherson haben die Behörden nach mehreren Stunden Ausfall die Energieversorgung wiederhergestellt.
Unter Beschuss ist auch die weit von der Front entfernte Wolgaregion Orenburg in Russland geraten. Der Gouverneur der Region, Jewgeni Solnzew, berichtete von einem schweren Angriff. Verletzte gebe es nicht. Laut Medienberichten wurde eine Anlage zur Verarbeitung von Erdgas beschossen. Über das Ausmaß der Schäden ist bislang nichts bekannt.
In der russischen Grenzregion Belgorod ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff nach Angaben der Behörden ein Mensch getötet worden. Der Mann sei im Bezirk Wejdelewski bei der Explosion einer Drohne getötet worden, teilten die Behörden am Mittwoch im Onlinedienst Telegram mit. Eine Frau wurde demnach durch Splitter verletzt und ins Krankenhaus gebracht.
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte im staatlichen Onlinedienst Max mit, die russische Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 323 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. In der Ukraine war bei russischen Angriffen in der Nacht eine Frau in der Region Charkiw getötet worden. (dpa/afp)
Europäer stimmen sich vor Nato-Gipfel ab
Zwei Wochen vor dem Nato-Gipfel in der Türkei stimmen sich die Staats- und Regierungschefs fünf mächtiger europäischer Mitgliedstaaten in Berlin ab. Bei dem Treffen auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird es um die weitere Unterstützung der Ukraine, die Rolle der Europäer bei der Lösung des Irankonflikts und die Lastenverteilung zwischen den Nato-Staaten gehen. Es ist das erste Spitzentreffen der sogenannten E5 seit dem bislang letzten Nato-Gipfel im Juni 2025 in Den Haag. Damals war auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dabei. Die Gruppe besteht aus den vier europäischen G7-Ländern und Polen. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs werden aber bisher von einer kleineren Gruppe, der E3, im Namen der Europäer vorangetrieben. Ihr gehören nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien an, was auf Kritik bei Italien und Polen stößt. Das dürfte in Berlin Thema werden.
Wer in Sachen Ukraine für Europa spricht, ist seit einiger Zeit Streitthema. Beim EU-Gipfel in Brüssel sorgte vergangene Woche EU-Ratspräsident António Costa für Aufsehen, weil sein Team unabgesprochen Kontakt zu Russland aufgenommen hatte. Von einigen EU-Staaten wie Irland und Österreich bekam er Unterstützung dafür. Die deutsche Delegation sah die Initiative dagegen als Affront gegen die E3.
Neben Tusk, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reist auch der britische Premierminister Keir Starmer nach Berlin, der seinen Rücktritt angekündigt hat. Nato-Generalsekretär Mark Rutte wird aus Washington zugeschaltet, wo er sich anschließend mit US-Präsident Donald Trump trifft. Die USA erwarten von den Europäern, mehr für die Bündnisverteidigung zu tun. Gleichzeitig sind sie verärgert über aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung der Verbündeten im Irankrieg, den die USA im Februar an der Seite Israels begonnen hatten. (dpa)
Ukraine meldet fünf Tote nach russischen Angriffen
Bei russischen Luftangriffen sind in verschiedenen Regionen der Ukraine fünf Menschen getötet worden. Im südostukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk kamen nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft drei Menschen durch Drohnenangriffe im Kreis Nikopol ums Leben. Fünf weitere seien verletzt worden. Im benachbarten Gebiet Saporischschja wurde nach Angaben von Militärgouverneur Iwan Fedorow eine Frau durch einen Angriff mit Gleitbomben getötet. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden. In der südukrainischen Stadt Cherson wurde laut Militärgouverneur Olexander Prokudin ein Mann durch russischen Beschuss getötet. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
Ukraine hofft auf OECD-Kandidatenstatus im Herbst
Die Ukraine hofft auf einen Beitrittskandidatenstatus für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Herbst. „Die Mitgliedschaft der Ukraine in der OECD ist uns sehr wichtig“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Organisation, Mathias Cormann, in sozialen Medien. Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko habe einen aktualisierten Antrag eingereicht.
Die OECD veröffentlichte drei Berichte zur Ukraine mit einer Beurteilung der Lage in den Bereichen Infrastruktur, öffentlicher Verwaltung und Justiz. Diese Berichte zeigten ein Land, „das in Echtzeit Reformen durchführt und seine Institutionen näher an die von den fortschrittlichen marktwirtschaftlichen Demokratien der Welt geteilten Standards bringt“, sagte Cormann laut einer Mitteilung der Organisation. Kyjiw hatte bereits 2022 einen Antrag auf die OECD-Mitgliedschaft gestellt. Schon vor dem russischen Angriff von 2022 war die Ukraine Statistiken des Internationalen Währungsfonds nach das ärmste Land Europas. (dpa)
Russlands Kritik an Trump wächst
Russland hat den USA vorgeworfen, Absprachen nicht eingehalten zu haben, die die Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump bei einem Gipfel in Alaska im August 2025 getroffen hätten. Die Agentur Interfax zitierte am Dienstag Vizeaußenminister Sergei Rjabkow mit den Worten, die USA seien von „grundlegenden Vereinbarungen“ abgewichen. Zudem beobachte Russland, dass sich „die Linie Washingtons immer mehr der fanatischsten antirussischen Politik annähert, die von den engsten europäischen Verbündeten der USA – nämlich Großbritannien und Frankreich – verfolgt wird.“ Außenminister Sergei Lawrow deutete an, der Gipfel sei möglicherweise ein „Trick der USA gewesen, um Zeit für die Wiederbewaffnung des Kyjiwer Regimes zu gewinnen“.
Die Kritik deutet auf eine wachsende Frustration Russlands über die USA hin, nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als stünde Trump Russland in dem Krieg näher als der Ukraine. Binnen drei Tagen haben damit nun drei hochrangige russische Vertreter erklärt, die USA hätten Zusagen nicht eingehalten. Was genau dabei versprochen, aber nicht eingehalten worden sein soll, blieb jedoch offen. Seit dem Gipfelt in Alaska ist von russischer Seite oft vom „Geist von Anchorage“ die Rede – laut Beobachtern eine Kurzform für Russlands Behauptung, Trump stehe seiner zentralen Forderung wohlwollend gegenüber, wonach die Ukraine die gesamte Donbass-Region im Gegenzug für ein Einfrieren der Frontlinien an anderen Stellen aufgeben solle. Die USA hatten indes nie konkret dargelegt, was – wenn überhaupt – in Alaska vereinbart wurde.
Gerhard Mangott, ein österreichischer Analyst und langjähriger Putin-Beobachter, sagte, die Kritik spiegele Moskaus Nervosität angesichts einer sehr prekären Lage für die russische Wirtschaft und das Militär wider. „Putin muss eine Reaktion zeigen, die für die Bevölkerung sichtbar ist und die demonstriert, dass er noch Trümpfe in der Hand hat“, erklärte Mangott. Er sagte eine weitere militärische Eskalation sowie russische Bemühungen voraus, Trump wieder auf Russlands Seite zu bringen. (rtr)
Putin wirft Nato Kriegsvorbereitungen gegen Russland vor
Kremlchef Wladimir Putin hat der Nato vorgeworfen, einen Krieg gegen Russland vorzubereiten. Bislang hätte sich das westliche Bündnis darauf beschränkt, die Ukraine zu unterstützen, sagte Putin im Kreml vor Absolventen der russischen Militärakademien. Nun werde im Westen offen davon gesprochen, „dass sie sich auf einen Krieg gegen uns vorbereiten und ihre Militär- und Offensivhaushalte aufstocken“.
Um die Militarisierung zu rechtfertigen, bedienten sich die Nato- und EU-Staaten falscher Behauptungen über eine angebliche militärische Bedrohung durch Russland, sagte Putin nach Kreml-Angaben. Nach Aussage Putins setzt sich Moskau für ein multipolares System der internationalen Beziehungen ein, das die militärische Sicherheit jedes Staates gewährleistet. „Gleichzeitig sind wir bereit, auf alle äußeren und inneren Bedrohungen operativ und angemessen zu reagieren“, warnte der 73-Jährige.
Der Ukraine warf Putin bei einer Beratung mit Regierungsmitgliedern vor, zivile Objekte in Russland anzugreifen, weil sich ihre Lage an der Front verschlechtere, behauptete er laut einer Mitteilung. Putin wies Behörden an, Maßnahmen zu ergreifen, um die Folgen ukrainischer Angriffe zu minimieren. Die Ukraine nimmt vor allem die russische Ölindustrie ins Visier, um den Treibstoffnachschub für die russischen Truppen zu stören und Einnahmen aus dem Energiegeschäft zu schmälern. (dpa)
Nord-Stream-2-Betreiber klagt gegen EU-Stopp für russisches Gas
Der Betreiber der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 klagt vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) gegen das geplante Importverbot für russisches Gas. Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 AG fordert die Aufhebung des EU-Beschlusses, wie aus einem öffentlich zugänglichen Gerichtsdokument hervorgeht. Das Verbot komme einer faktischen Enteignung ohne Entschädigung gleich, argumentiert das in der Schweiz ansässige Unternehmen. Die EU will die Gasimporte aus Russland als Reaktion auf den Angriff auf die Ukraine bis Ende 2027 vollständig einstellen. Nord Stream 2 wurde 2021 fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb. (rtr)
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