+++ Heiße News von der Hitzewelle +++: Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer
Wissenschaftler:innen haben den Effekt des Klimawandels berechnet. Höchste Warnstufe in Österreich und Großbritannien. WHO fordert mehr Geld für Hitzeschutz.
Inhaltsverzeichnis
- WHO ruft Europa zu mehr Investitionen in den Hitze-Schutz auf
- Britischer Wetterdienst warnt vor Rekordhitze
- Stuttgart verbietet Wasserentnahme aus Gewässern
- Höchste Hitze-Warnstufe in Österreich
- Die gute Nachricht: es gibt noch Bier
- Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer
- Auch in Deutschland teils 2 Grad Celsius heißer
- Hitze und Gewitter am Mittwoch
- Hitzewelle in Frankreich: 68.000 Haushalte ohne Strom
- Warnung vor extremer Sonnenbrandgefahr
- Stadtfest in Wittstock abgesagt
WHO ruft Europa zu mehr Investitionen in den Hitze-Schutz auf
afp | Angesichts der derzeit extrem hohen Temperaturen in weiten Teilen Europas hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu mehr Investitionen in den Hitze-Schutz aufgerufen. „Die Hitzewelle in Europa führt zu Schulschließungen und gefährdet die Gesundheit der Menschen“, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch im Onlinedienst X zu der aktuellen extremen Wetterlage.
„Die Daten sind klar: Die Temperaturen in Europa steigen doppelt so schnell wie im globalen Vergleich, und das erhöht die Wahrscheinlichkeit und die Schwere extremer Wetterphänomene“, fügte der WHO-Chef mit Blick auf die Klima-Entwicklung auf unserem Kontinent im Zuge der Erderwärmung hinzu. Die Politik müsse daraus Konsequenzen ziehen.
Britischer Wetterdienst warnt vor Rekordhitze
ap | Großbritannien erwartet die höchsten Temperaturen in einem Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die britischen Behörden gaben für Mittwoch und Donnerstag die Warnstufe Rot für weite Teile Mittel- und Südenglands sowie für Wales heraus und warnten vor den Gesundheitsgefahren der Hitzewelle, die weite Teile Westeuropas erfasst hat.
Der Wetterdienst Met Office prognostizierte die höchsten jemals im Juni gemessenen Temperaturen. Für Südengland wurden Höchstwerte von 38 Grad erwartet. Am Dienstag wurden in Wisley südwestlich von London bereits 34,6 Grad erreicht. „Wer glaubt, es sei jetzt schon heiß, nun, das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was noch kommt“, sagte der Meteorologe Alex Burkill vom Met Office.
Stuttgart verbietet Wasserentnahme aus Gewässern
afp | Angesichts hoher Temperaturen verbietet die Stadt Stuttgart ab Freitag die Wasserentnahme aus Gewässern. Damit darf kein Wasser mehr für den privaten Gebrauch aus Bächen, Flüssen oder Seen geschöpft oder abgepumpt werden, wie die Stadt am Mittwoch in einer Allgemeinverfügung mitteilte. Bei Missachtung droht eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro. Die Maßnahme dient nach Stadtangaben dem Natur- und Umweltschutz.
Höchste Hitze-Warnstufe in Österreich
dpa | In Wien und einigen anderen österreichischen Städten gilt wegen der Hitzewelle am Wochenende die höchste Wetterwarnstufe. „Es ist mit extremer Hitzebelastung zu rechnen“, teilte das staatliche Meteorologie-Institut Geosphere Austria mit. Betroffen ist demnach der Nordosten Österreichs mit Städten wie Wien und Linz sowie weitere östliche und südliche Städte wie Graz und Klagenfurt.
Die gute Nachricht: es gibt noch Bier
kna/taz | Trotz der anhaltenden Hitzewelle müssen die Deutschen nach Einschätzung der Brauer derzeit keine Engpässe bei Bier oder Leergut befürchten. „Sowohl die Versorgung mit Bier als auch der Nachschub mit Leergut sind gesichert“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Brauer-Bundes der Rheinischen Post. Na denn: Prost!
Tipps zur Unterstützung von Wildtieren
epd | Der Nabu Niedersachsen rät Bürgerinnen und Bürgern dazu, aktuell im Garten oder auf dem Balkon für Wildtiere Wasser bereitzustellen und schattige Rückzugsorte zu schaffen. „Die aktuellen Hitzeperioden sind für viele Tiere lebensbedrohlich“, sagte Bärbel Rogoschik vom Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde am Mittwoch. In Phasen extremer Hitze erreichten täglich mehr als 100 neue Pfleglinge das Zentrum – auch, weil natürliche Wasserstellen austrockneten.
Fledermäuse und Vogelarten, die unter Dächern und an Hauswänden brüten, seien hohen Temperaturen oft schutzlos ausgeliefert und drohten zu überhitzen. Betroffen seien unter anderem Haussperlinge, Mauersegler sowie Mehlschwalben. Lüften in den Morgen- und Abendstunden sowie das Aufhängen von nassen Tüchern könne eine Hilfe für die Gebäudebrüter und Fledermäuse sein, rät die Expertin.
Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer
dpa | Der menschengemachte Klimawandel verschärft die derzeitige Hitzewelle in Frankreich, Deutschland und weiteren Teilen Westeuropas Fachleuten zufolge deutlich. „Das Wettermuster hinter dieser Hitzewelle ist nicht außergewöhnlich“, sagte Davide Faranda von dem Projekt Climameter. „Was außergewöhnlich ist, ist, dass der Klimawandel den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu 4 Grad Celsius hinzugefügt hat.“ Man nähere sich den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen könnten.
Climameter beschäftigt sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf Wetterbedingungen in Europa. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem französischen Forschungsinstitut CNRS finanziert und vom Klimaforschungsinstitut IPSL unterstützt.
Für ihre Analyse haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zirkulationsmuster am 22. Juni angeschaut. Temperaturen seien etwa 2 bis 4 Grad Celsius höher, als sie bei ähnlichen meteorologischen Bedingungen in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen wären. Dass ähnliche Wettermuster heute höhere Temperaturen hervorbrächten, liege an Treibhausgasemissionen.
Auch in Deutschland teils 2 Grad Celsius heißer
dpa | Die Fachleute von Climameter listen in ihrer Untersuchung die berechneten Temperaturunterschiede für mehrere Städte in Europa und auch in Deutschland auf. Im spanischen Saragossa sei es 4 Grad Celsius heißer, in Mailand 3,8 Grad Celsius und in Paris 2,4 Grad, als es unter ähnlichen Bedingungen noch vor mehreren Jahrzehnten gewesen wäre.
Auch in München treibe der Klimawandel die Hitzewelle mit 2,3 Grad Celsius mehr an. In Frankfurt liege der Unterschied bei etwa 1,7 Grad Celsius, in Köln bei 1,6 Grad Celsius und in Berlin bei 1,2 Grad Celsius.
Hitze und Gewitter am Mittwoch
taz | Der Deutsche Wetterdienst warnt aktuell im Südwesten und Westen vor einer sehr hohen Wärmebelastung. Unter hohen Luftdruck über Mitteleuropa strömt weiter aus Süden zunehmend heiße bis sehr heiße, Richtung Wochenende extrem heiße Luft nach Deutschland. Das führe ausgebreitet zu extremer Hitze im Norden Westen und Südwesten.
In süddeutschen Mittelgebirgen sowie an den Alpen seien einzelne Hitzegewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen nicht ausgeschlossen.
Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut DWD heiß. Am Freitag könne es im Westen und Südwesten lokal bis 41 Grad geben. Mit ähnlichen Werten sie bis Sonntag zu rechnen. Dann erwarten die Expert:innen des DWS unwetterartige Gewitter.
Hitzewelle in Frankreich: 68.000 Haushalte ohne Strom
afp | Die Hitzewelle in Frankreich hat in der Bretagne zu massiven Stromausfällen geführt. Wie die Behörden des Départements Finistère mitteilten, waren dort am Mittwochmorgen rund 68.000 Haushalte ohne Strom. Der Grund war demnach ein überhitzter Transformator in Ergué-Gabéric in der Nähe von Quimper. Der Störfall am Dienstagabend sei auf die „derzeit herrschende große Hitze“ zurückzuführen, erklärte die Präfektur.
Unmittelbar nach der Störung waren 106.000 Haushalte ohne Strom. Obwohl die französischen Netzbetreiber RTE und Enedis schon in der Nacht an der Behebung des Problems arbeiteten, kann die Stromversorgung nach Angaben von RTE voraussichtlich erst am Abend vollständig wiederhergestellt werden. Pflegeheime werden demnach mit Notstromaggregaten versorgt.
Warnung vor extremer Sonnenbrandgefahr
dpa | Tückisch bei der Hitze ist die nicht direkt spürbare UV-Strahlung. Am Mittwoch und Donnerstag werden die bislang höchsten Indexwerte des Jahres erwartet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilte. In Norddeutschland werde ein UV-Index bis 8 erwartet, in Mitteldeutschland bis 9, in Süddeutschland seien stellenweise 10 möglich, im Hochgebirge gar 11 („extrem“). Der UV-Index-Wert gibt an, welche Tagesspitzenwerte der sonnenbrandwirksamen Strahlung am Boden erwartet werden.
Stadtfest in Wittstock abgesagt
dpa | Zu heiß für Open-Air-Veranstaltungen: Das Stadtfest in Wittstock/Dosse im Kreis Ostprignitz-Ruppin an diesem Wochenende ist abgesagt worden. „Höhere Mächte“ schrieb die Kleinstadt in den sozialen Medien. Es sei nicht zu verantworten, dass Menschen bei angekündigten 35 Grad und mehr auf dem Marktplatz „wortwörtlich durchgebraten“ werden und damit ihre Gesundheit gefährdeten.
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