Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: Das Urteil steht an
Das Landgericht wird am Freitag das Strafmaß für den Täter vom Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verkünden. Ob er es war, steht außer Frage.
Was am Abend des 20. Dezembers 2024 passierte, sitzt bei vielen in Magdeburg noch tief. Ein Mann raste mit einem schwarzen SUV in die Menge auf dem Weihnachtsmarkt der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, verletzte damit mehr als 300 Menschen und tötete sechs. An diesem Freitag fällt das Landgericht Magdeburg das Urteil.
Beim Prozessbeginn im vergangenen November verlas die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg die Anklage: Sie beschuldigte den Täter unter anderem in sechs Fällen des Mordes sowie in 338 Fällen des versuchten Mordes. Es gibt 204 Nebenkläger:innen. An 40 Verhandlungstagen berichteten mehr als 100 Zeug:innen.
Die Generalstaatsanwaltschaft forderte bereits Anfang Juni eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Dem schlossen sich die Rechtsanwält:innen der Nebenkläger:innen an. Die Verteidigung plädierte hingegen, von einer Sicherungsverwahrung abzusehen. Das Gericht hatte sich nach dem letzten Wort des Angeklagten am 12. Juni zur Urteilsberatung zurückgezogen.
Wegen der Größe des Prozesses errichtete ließ das Justizministerium eine Leichtbauhalle in Magdeburg errichten, östlich der Elbe auf dem Jerichower Platz. Das Gelände umfasst 4.700 Quadratmeter und bietet 700 Personen Platz. Außen ist es umzäunt. Innen ist der Raum für die Zuschauer:innen und Presse mit Glasscheiben vom Gerichtssaal getrennt.
Täter zeigt keine Reue
Der Täter und seine Verteidiger befinden sich in einer Art Baucontainer, dessen Wände aus schusssicherem Glas bestehen. Es soll den Angeklagten schützen. Es führt auch dazu, dass er sich nur per Mikrofon äußern kann.
Prozesstag für Prozesstag hat der Täter versucht, den Gerichtsprozess als Bühne für seine Inszenierung zu nutzen. Zum Beispiel tippte er politische Botschaften auf seinen Laptop und hielt ihn in die Kameras. Reue? Davon war selbst beim letzten Wort nichts zu hören.
Der Täter bezeichnet sich als Islamkritiker und findet, Deutschland nehme zu viele Geflüchtete auf. Mehrfach stellte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg ihm das Mikrofon ab, wenn der Angeklagte sich auch nach mehrfacher Ermahnung nur zu Themen äußerte, die nichts mit der Tat zu tun haben.
Im Februar legte dann der psychiatrische Sachverständige Bernd Langer vor Gericht dar, nach seiner Einschätzung habe der Angeklagte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, sei aber voll schuldfähig. Während dessen schimpfte der Täter so laut, dass er zu hören war, obwohl er sich im Glaskasten befand und das Mikrofon abgestellt war.
Für die Betroffenen der Tat war das Verhalten schwer zu ertragen. Zudem hätten sie vor Gericht zeitweise das Gefühl bekommen, sich rechtfertigen zu müssen, berichtet der Nebenklageanwalt Thomas Klaus laut der Süddeutschen Zeitung. Demnach habe es das Gericht nicht immer geschafft, genügend Empathie für die Betroffenen aufzubringen.
In der bundesweiten Berichterstattung geriet der Täter schnell in den Fokus. Zuletzt arbeitete er in Bernburg südlich von Magdeburg als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er stammt aus Saudi-Arabien, ist seit 2006 in Deutschland und erhielt zehn Jahre später Asyl.
Spätestens der Untersuchungsausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt zu dem Anschlag arbeitete heraus, dass der Täter seit 2016 an 34 Strafverfahren beteiligt war. Warum er in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt fahren konnte, obwohl ihn die Behörden als gefährlich einstuften? Bei den Ermittlungsbehörden habe Verantwortungsgefühl gefehlt, heißt es im Bericht des U-Ausschusses. Allerdings: „Ganz überwiegend“ verantwortlich für das unzureichende Sicherheitskonzept des Weihnachtsmarkts sei die Stadt. Die habe Kosten drücken wollen.
Einen Monat nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt tötete ein Mann in Aschaffenburg zwei Menschen mit einem Messer. Mitte Februar fuhr ein anderer mit einem Auto in eine Verdi-Demo. Dass in allen drei Fällen die Täter nicht in Deutschland zur Welt gekommen waren, befeuerte kurz vor der Bundestagswahl Ende Februar Forderungen nach harter Migrationspolitik.
Kurz nach dem Anschlag organisierten zivilgesellschaftliche Organisationen in Magdeburg ein stilles Gedenken. Auch am 20. Dezember 2025, genau ein Jahr nach dem Anschlag, beteiligten sich Tausende an einer Lichterkette rund um den Weihnachtsmarkt.
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