Venezuela: Mindestens 32 Tote nach Doppel-Erdbeben
Die venezolanische Regierung meldet Tote und Verletzte nach zwei aufeinanderfolgenden Erdbeben. US-Erdbebenwarte befürchtet mehr als 10.000 Todesopfer.
dpa/kna/taz | Bei zwei schweren Erdbeben in Venezuela sind ersten Erkenntnissen zufolge mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen und rund 700 weitere verletzt worden. Das sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez.
Die Regierung rief angesichts der „Tragödie“ den Notstand aus. Rettungskräfte suchten in den Trümmern eingestürzter Gebäude nach zahlreichen Verschütteten. Der Zugverkehr in dem südamerikanischen Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen.
Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Eine Modellrechnung der Behörde legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befürchten war. Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe. Mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent sei mit mir aus 10.000 Toten zu rechnen, heißt es auf der Webseite der Erdbebenwarte. Demnach könnte es sogar noch mehr werden. Einen ersten Überblick über die Lage wird wohl erst bei Sonnenaufgang am Donnerstagmorgen (Ortszeit) möglich sein.
Empfohlener externer Inhalt
In Caracas sowie in mehreren Bundesstaaten im Norden Venezuelas kam es zu teils großen Schäden, wie Rodríguez sagte. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben.
Zwei schwere Erdbeben innerhalb einer Minute
Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein.
Allein in den relativ nahe gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede.
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon.
Fotos und Videos zeigen Ausmaß der Schäden
Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt.
In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie verängstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, während der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.
Ein Video auf Bluesky zeigt eingestürzte Gebäude in einem Stadtteil der Hauptstadt Caracas.
Ein anderes Video auf X zeigt die Schule einer Marienakademie in dem 40 Kilometer nördlich von Caracas gelegenen Küstenort Catia La Mar, die offenbar komplett eingestürzt ist. Dort sind offenbar auch Hochhäuser schwer beschädigt worden. Laut einem Bericht der Webseite El Nacional sind allein in der Küstenstadt dutzende Häuser eingestürzt. Die Stadt gleiche einem Katastrophengebiet.
Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an
Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien, Mexiko, Panama und weitere Staaten signalisierten Hilfsbereitschaft.
Innenminister: „Äußerst alarmierende Situation“
„Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.
Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert