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Debatte über Social-Media-VerbotWeimer will Plattformen in die Pflicht nehmen

Um Jugendliche vor riskanten Inhalten zu schützen, schlägt die Familienministerin eine Altersgrenze vor. Der Kulturstaatsminister sieht das anders.

dpa/afp | Beim Jugendschutz im Internet hält es Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) für „richtig und wichtig, die Plattformen in die Pflicht zu nehmen“ für ihre Social-Media-Angebote. Die Verantwortung sollte nicht alleine auf Kinder und Eltern verlagert werden, sagte Weimer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die digitale Welt müsse sich an den Rechten, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen ausrichten und nicht umgekehrt, führte der Staatsminister aus. Er freue sich deshalb, dass eine Expertenkommission für den „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ mit ihren Empfehlungen diese Haltung unterstütze.

Gretchenfrage: Altersgrenze einführen oder nicht?

Die von Familienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Kommission schlug zur Frage von Nutzungsverboten für Kinder oder Jugendliche zwei Varianten vor. Entweder führe man für Social Media eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren ein oder man verzichte auf eine solche Grenze und lege auf EU-Ebene Altersbeschränkungen für Angebote fest, „sofern von ihnen besondere Wirkungs- oder Nutzungsrisiken ausgehen“.

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Prien setzt sich für eine Altersgrenze von 13 Jahren ein. Ausnahmen soll es aber für „nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote“ geben, darunter auch Messenger-Dienste. Weimer umriss seine Position so: „Wir verbieten unseren Kindern nicht, auf Social Media zu sein, sondern wir verbieten den Plattformen, ungehindert in unsere Kinderzimmer zu kommen. Das Verursacherprinzip sollte hier angewandt werden.“ Wichtig sei auch „eine kontrollierbare Altersverifikation, die den Plattformen verpflichtend auferlegt wird“.

Experten sehen bessere Hebel

Unabhängig davon, wie die konkreten Einschränkungen für die Nutzung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche letztlich sein werden: ihr Erfolg wird an der Umsetzung gemessen. Aktuelle Daten aus Australien zeigen, dass die Altersverifizierung durch Social-Media-Plattformen stark zu wünschen übrig lassen kann. Auch Deutschland habe weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem, meint der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg.

Ohne praktikable Altersüberprüfung bleibe jede Grenze nur Symbolik, betonte der Leiter der Klinischen Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn. Gerade wenn sich die Debatte auf eine Zahl verenge, drohe die eigentliche Aufgabe aus dem Blick zu geraten: die Gestaltung der Plattformen zu regulieren, die die Risiken erst erzeugen.

Die Daten aus Australien weisen darauf hin, dass die Altersüberprüfungen durch die Unternehmen unzureichend sind und von vielen unter 16-Jährigen umgangen werden, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal The BMJ. Einer kleinen Umfrage zufolge schränken die gesetzlich festgelegten Beschränkungen die tatsächliche Nutzung darum bisher kaum ein.

Australien hatte Ende 2025 als weltweit erstes Land ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien eingeführt. Die Plattformen sollen gezielt verhindern, dass unter 16-Jährige Konten führen. Von gut 400 befragten australischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren gaben drei Monate nach Einführung der Beschränkungen satte 85 Prozent an, weiterhin solche Plattformen zu nutzen, überwiegend über eigene Konten. Ein Drittel berichtete, bisher keine Altersverifizierungsmaßnahmen erlebt zu haben. Üblich waren ansonsten schwache Verfahren wie die Eingabe des Alters und das Hochladen eines Selfies. Es hapert also offenbar noch stark an der Umsetzung des Verbots.

Kontrolle nicht Aufgabe von App-Entwicklern?

Nach Ansicht von Antigone Davis, Sicherheitschefin des Facebook-Konzerns Meta, sollte es sowieso nicht in der Verantwortung der App-Entwickler wie Meta, sondern der von App-Store-Betreibern wie Apple und Google liegen, Altersverifikation und elterliche Kontrolle sicherzustellen, wie sie dem Stern sagte.

Auch die derzeit in der EU diskutierten Ansätze zur Altersverifikation seien leicht zu umgehen, meint Tibor Jager, Professor für IT-Sicherheit und Kryptografie an der Bergischen Universität Wuppertal. Zudem drohten Jugendliche auf andere, noch problematischere Angebote wie Dark-Web-Seiten auszuweichen. Echter Schutz funktioniere anders – Jager zieht dabei einen Vergleich zum Straßenverkehr: „Wir schützen sie nicht, indem wir sie von der Straße fernhalten, sondern indem wir die Straße sicherer machen.“

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