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Global Sumud FlotillaLibyen lässt vier Gaza-Aktivisten frei

Vor knapp einem Monat wurde in Libyen ein Solidaritätskonvoi aufgehalten, der Richtung Gaza unterwegs war. Einige der Inhaftierten kommen jetzt frei.

Mirco Keilberth

Aus Tunis

Mirco Keilberth

Einen Monat nach ihrer Inhaftierung haben die Behörden Ostlibyens am Mittwoch vier Aktivisten der Global Sumud Flotilla freigelassen. Der Tunesier Achraf Khoja, Matias Rodriguez aus Uruguay und Domenico Centrone und Leonarda Alberizia aus Italien waren zusammen mit 230 anderen Freiwilligen aus 20 Ländern im Juni von Tunesien aus in einem Fahrzeugkonvoi in Richtung Gaza aufgebrochen.

Die in Algerien gestartete Initiative wollte Hilfsgüter an den Grenzübergang Rafah bringen oder diese sogar in dem von israelischen Sicherheitskräften abgeriegelten Gazastreifen verteilen.

Ähnlich wie der kurz zuvor gestartete Global-Sumud-Schiffs-Konvoi auf dem Mittelmeer wurde die Aktion jedoch vor Ankunft gestoppt. Die 400 Freiwilligen auf den Schiffen waren von israelischen Kommandoeinheiten verhaftet und nach Israel gebracht worden. Den Fahrzeugkonvoi umzingelten Soldaten der libysch-arabischen Armee östlich der Hafenstadt Sirte. Das Gebiet trennt die Machtbereiche Ost- und Westlibyens voneinander, nach dem Bürgerkrieg von 2019 schweigen derzeit die Waffen.

Die Mehrheit des gestoppten Landkonvois kehrte nach Tripolis und Tunesien zurück, doch einige Aktivisten wurden in die ostlibysche Provinzhauptstadt Bengasi gebracht.

In sozialen Medien als „Karneval“ verunglimpft

Offiziell wird den jetzt Freigelassenen und den sechs noch Inhaftierten Sumud-Teilnehmern vorgeworfen, ohne die erforderliche militärische Genehmigung in die Cyreneika-Provinz eingereist zu sein.

Doch in ostlibyschen und ägyptischen Medien wird eine andere Begründung gegeben. Demnach seien die internationalen Teilnehmer wissentlich oder unwissentlich Teil einer provokativen Mission der Muslimbrüderbewegung, die von Algerien aus gesteuert worden sei.

Die Initiatoren hätten die Behörden in Ägypten und Ostlibyen gar nicht erst kontaktiert und wollten diese nur bloßstellen. Weil einige der Teilnehmer in Libyen unübliche kurze Hosen und „anzügliche“ Kleidung trugen, wird der Konvoi in sozialen Medien oft als „Karneval“ verunglimpft.

Die Aktivisten weisen die Vorwürfe zurück, die Inhaftierten protestierten mit einem Hungerstreik gegen die offenbar als Abschreckung gedachte Haft.

Gaza-Solidarität im Spiel der ideologischen Konflikte

Sumud ist damit zwischen die Fronten des anhaltenden ideologischen Konfliktes in Nordafrika geraten, der zunehmend auch die Solidarität mit dem Schicksal der Palästinenser bestimmt.

Bengasi wird von Feldmarschall Khalifa Haftar kontrolliert, in Westlibyen haben Milizen das Sagen, die mit dem international anerkannten Premierminister Dabaiba verbündet sind.

Haftar ist unter anderem mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten verbündet, Tripolis sehen der 82-Jährige und seine Generäle als Rückzugsort der Muslimbrüder und Islamisten. Sein 2019 begonnener Versuch, die Hauptstadt Tripolis zu erobern, scheiterte an der zu Hilfe gerufenen türkischen Armee.

Haftar pflegt mittlerweile auch gute geschäftliche Beziehungen zu Ankara und hat selbst salafistische Einheiten in der von ihm und seinen Söhnen befohlenen Armee. Den von seiner Armee aus Bengasi vertriebenen islamistischen Milizen hatte sich auch palästinensische Freiwillige angeschlossen. Die Solidaritätsaktion mit Gaza wird daher als Versuch der Islamisten gesehen, wieder in Bengasi Fuß zu fassen.

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