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Google bevorzugt? Nein, wir verbiegen uns nicht!

Ein kleiner Hinweis auf taz.de hat viele Le­se­r:in­nen stark irritiert. Zu Recht – hier klären wir auf

Von Raoul Spada

Das ganze Internet ist von Google besetzt. Das ganze Internet? Ja! Sogar die von unbeugsamen Re­dak­teu­r:in­nen bevölkerte taz, die tageszeitung hat augenscheinlich aufgegeben und flaggt auf ihrer Website das Gelb-Rot-Grün-Flau von Googles Mutterkonzern Alphabet aus.

Was ist da bloß passiert? Verschiedenste Nachrichtenseiten, die taz inklusive, forderten ihre Le­se­r:in­nen im Mai und Juni auf, sie als eine „bevorzugte Quelle“ bei Google festzulegen. Die Suchmaschine hatte ihre Nut­ze­r:in­nen genötigt, festzulegen, welche Medien ihnen beim Suchen bevorzugt angezeigt werden.

Zeit und Bild , die „Tages“- und die „Sportschau“ in der ARD,die Leipziger Volkszeitung und der Mannheimer Morgen , alle sprangen auf. Auch die taz machte mit und beschränkte ihren Widerstand auf ein Minimum: Auch wir wollen bei Google „bevorzugte Quelle“ sein, bloß mit einem Zusatz: Wer Google gerne meiden möchte, könne ja unverfänglichere Alternativen wie DuckDuckGo, Ecosia und Startpage nutzen.

Die Stimmung in Zuschriften, die uns daraufhin erreichten, reichten von wütend gerunzelter Stirn bis Fünf-vor-Abokündigung. Und zu Recht muss eine taz-Leserin da schlucken. Macht die taz, wie in einer Mail vermutet, damit den Kniefall vor dem Silicon Valley?

Nein – aber das verdient eine Erklärung: Monatlich werden unsere Artikel millionenfach von Menschen gelesen, die nicht gezielt unsere Website oder App ansteuern. Rund die Hälfte der Aufrufe unserer Artikel kommt über einen anderen Weg: Webseiten, Nachrichten-Aggregatoren, Social-Media-Plattformen und eben Suchmaschinen wie Google. Menschen, die nicht regelmäßig taz lesen – Jüngere, Bildungsfernere, Ärmere, Nicht-Muttersprachler:innen –, erreichen wir eher dort.

Viele von ihnen kennen die taz nicht. Um die verlorenen Schafe also auf den rechten Pfad zu führen, liefern wir unsere Artikel auch an Suchmaschinen, News-Aggregatoren und Social-Media-Plattformen aus. Zwar verbiegen wir uns nicht für mehr Reichweite, doch legen wir die taz damit unaufwendig in die Zeitungsauslagen des Internets. So findet man unseren Journalismus neben all den anderen großen Medien auch bei Google News.

Mit unserem Hinweis haben wir versucht, barrierearm – ganz im Sinne unseres freiwilligen Bezahl­modells „taz zahl ich“ – ein paar Menschen zu erreichen, die die taz (noch!) über Google-Dienste abrufen.

Alle anderen dürfen das gern als starke Empfehlung lesen, den Tech-Konzernen zu entsagen: Deinstallieren Sie Google-Apps, schmeißen Sie Ihre Apple-Geräte weg, nutzen Sie andere Suchmaschinen, wechseln Sie von ihrem Microsoft-Betriebssystem Windows zu Linux. Für fast jede Software gibt es eine datensichere, quelloffene („Open Source“) Alternative. Welche genau? Das lässt sich ganz einfach „ergoogeln“!

Raoul Spada, Jahrgang 1992, ist Co-Ressortleiter der Regie, der Nachrichtenzentrale der taz.

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