Reform des Strommarktes: Grüne wollen Deutschland in mehrere Preiszonen aufteilen
Als erste große Partei fordern die Grünen einen regionalen Strompreis. Damit soll belohnt werden, wer Strom nutzt, wo und wann er produziert wird.
Die Grünen machen sich für regionale Strompreise stark. Auf ihrem kleinen Parteitag verabschiedete die Partei am Wochenende einen Leitantrag für eine neue Preislogik auf dem deutschen Strommarkt: In Netzgebieten mit hohem Stromangebot – was speziell auf Wind- und Solarstrom abzielt – soll der Strom billiger werden. „Mit Märkten, die die Realität im Netz abbilden, sorgen wir für grüne Energie aus der Region, für die Region“ heißt es in dem Beschluss.
Bislang gibt es im deutschen Großhandel nur eine einzige Preiszone. Dieser Einheitspreis an der Strombörse führt zunehmend zu Verwerfungen auf dem Markt, weil Stromkunden zum Beispiel in Süddeutschland auch dann billig Strom einkaufen können, wenn der üppige Windstrom des Nordens den Süden physikalisch gar nicht erreichen kann. Im vergangenen Jahr hatten die europäischen Übertragungsnetzbetreiber im Rahmen einer groß angelegten Analyse vorgeschlagen, Deutschland in bis zu fünf Preiszonen aufzuteilen.
Damit gewinnt ein Thema an Dynamik, das seit den 2010er-Jahren diskutiert wird. Vor allem im hohen Norden rumort es zunehmend. Erst vor wenigen Wochen hatte das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik im Auftrag der landeseigenen Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein eine Studie vorgelegt, die in der Branche für Aufsehen sorgte; sie verspricht Schleswig-Holstein Vorteile, wenn sich das Land aus dem einheitlichen deutschen Strommarkt herauslösen und eine gemeinsame Strompreiszone mit dem westlichen Dänemark bilden würde.
Als die Idee vor Jahren aufkam, den deutschen Strommarkt sachgerechter zu organisieren, ging man noch von einer Aufteilung in nur zwei Gebotszonen aus, eine Nord- und eine Südzone. Doch dieses Modell lehnen die Grünen jetzt „klar ab“. Eine solche Aufteilung würde nach ihrer Einschätzung „keiner Engpassgrenze“ folgen, sondern „einer politischen Linie“. Damit würde man „das Land spalten, ohne die Kostenvorteile für alle zu heben“.
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Preiszonen sollen Netz entlasten
Deswegen setzen die Grünen auf „knotenscharfe Preise“, die sich allein an der Struktur und den Anforderungen des Netzes orientieren. Die Preiszonen würden dann so gestaltet, dass „der Zuschnitt die Netze entlastet, die Systemsicherheit und Stabilität stärkt, unsere industriellen Kerne erhält, neue Produktionen ermöglicht und den Markt liquide hält“. Zudem sollen „mit dynamischen Netzentgelten Flexibilität und netzdienliche Speicher marktwirtschaftlich“ gesteuert werden. Kernbotschaft: „Wer Strom nutzt, wann und wo er entsteht, wird belohnt.“
Der Vorstoß, in Deutschland solche Preise einzuführen, stützt sich auch auf Erfahrungen und Debatten in anderen Ländern. Großbritannien diskutiert lokale Preise ebenfalls, in einer Reihe von US-Bundesstaaten sind sie etabliert, ebenso etwa in Chile und Neuseeland.
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