Plan gegen Shein und Temu: Paris beschließt Gesetz gegen Wegwerfmode
Ultra-Fast-Fashion-Plattformen wie Shein oder Temu sollen nicht mehr werben dürfen. Andere EU-Länder könnten nachziehen.
Die mexikanische Influencerin Karime Pindter räkelt sich in einem schwarzen Trägertop von Shein, das nur knapp fünf Euro kostet. Der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Anbieter erreicht mit dieser Art von Werbung täglich Millionen Kundinnen und Kunden. Doch damit soll in Frankreich bald Schluss sein. Ein neues Gesetz, das am Dienstag abschließend durch den Senat ging, verbietet Werbung für Wegwerfmode – auch für Influencerinnen und Influencer.
„Wir können nicht die Exzesse eines Wirtschaftsmodells kritisieren, das auf übermäßigem Konsum beruht, und gleichzeitig die Werbung dafür grenzenlos weiter laufen lassen“, sagte Handelsminister Serge Papin bereits in der vergangenen Woche in der Nationalversammlung, wo das Gesetz zuerst verabschiedet wurde. 3,6 Milliarden neue Textilartikel seien im vergangenen Jahr neu auf den französischen Markt gekommen, rechnete der ehemalige Chef der Supermarktkette Super U vor. Als Hauptschuldige dieser Schwemme nannte Papin neben Shein die chinesischen Online-Plattformen Temu und AliExpress.
Alle drei Unternehmen trifft nun das neue Gesetz – und droht mit Strafen. Diese werden fällig, wenn zwei eher vage formulierte Kriterien erfüllt sind: eine außergewöhnlich hohe Zahl neu auf den Markt gebrachter Produkte und ein so niedriger Preis, dass sich das Reparieren nicht lohnt.
Umweltverbände und Grüne kritisierten diese Formulierung, die europäische Hersteller wie Zara oder den französischen Sportdiscounter Decathlon faktisch ausklammere. „Unter dem Gewicht der Lobbyisten hat der Text an Ehrgeiz verloren“, bemerkte der Grünen-Abgeordnete Charles Fournier. „Zara, H&M und Uniqlo sind keine Vorbilder für nachhaltige Mode.“
Informationen zu Umweltschäden
Die genauen Grenzwerte des Gesetzes, das am 1. Januar in Kraft tritt, sollen später Verordnungen regeln. Klar ist, dass die Strafzahlung höchstens die Hälfte des Nettopreises betragen darf. Für einen Mantel kämen bis zu 13 Euro und für eine Jeans bis zu 7 Euro zusammen, kündigte der beigeordnete Minister für den ökologischen Umbau, Mathieu Lefèvre, an. Das eingenommene Geld soll in ökologisches Recycling und die Reparatur von Kleidung fließen.
Außerdem soll der Kauf von Ultra-Fast Fashion künftig mit Informationen zu Umweltschäden verbunden sein. Kundinnen und Kunden sollen aufgefordert werden, nicht zu viel Billigkleidung zu kaufen und sie lieber auszubessern oder weiterzuverkaufen anstatt wegzuwerfen.
„Dieser Text ist ein entscheidender erster Schritt“, sagte die Abgeordnete Anne-Cécile Violland von der Regierungspartei Horizons, die den Gesetzentwurf vor gut zwei Jahren eingebracht hatte. „Er muss Europa den Weg weisen.“
Auch andere Länder engagieren sich. Beim EU-Umweltrat in Luxemburg setzten sich in der vergangenen Woche neben Frankreich auch Deutschland und die Niederlande für ein koordiniertes europäisches Vorgehen gegen Ultra-Fast Fashion ein. Sie forderten die EU-Kommission auf, die Regelungen wirksamer gegen besonders kurzlebige Textilien auszurichten. Slowenien und Dänemark unterstützten die Initiative.
Auch bei Päckchengebühr war Frankreich Erster
Frankreich war auch bereits mit einer Gebühr auf Päckchen Vorreiter. Das Land verlangt seit März 2 Euro für jedes kleine Päckchen, das dort ankommt. Die Maßnahme zielte auf den außereuropäischen Onlinehandel und da wiederum besonders auf die Fast-Fashion-Plattformen. Diese umgingen die Strafe allerdings, indem sie ihre Produkte nach Belgien lieferten und von dort aus mit Lastwagen nach Frankreich transportieren ließen.
Am Dienstag kündigte die Regierung an, die Gebühr aufzuheben. Stattdessen soll ab Mittwoch die EU-weite Aufhebung der Freigrenze von 150 Euro gelten. Dann muss für Pakete aus dem außereuropäischen Ausland, deren Wert unter 150 Euro liegt, eine 3 Euro hohe Zollgebühr gezahlt werden. Außerdem dürfen große Modehersteller ihre unverkauften Waren ab dem 19. Juli EU-weit nicht mehr vernichten. Kleinere Unternehmen könnten folgen.
Die Ultra-Fast-Fashion-Händler sollen so für die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden in die Verantwortung genommen werden, die sie mit ihren Produkten verursachen. Die Textilindustrie verursacht bis zu 8 Prozent der jährlichen globalen Treibhausgasemissionen. Seit Jahren treiben Onlinehändler wie Shein und Temu den Absatz von Billigprodukten an. Allein Shein soll täglich rund 6.000 neue Modelle anbieten. Französische Marken wie NafNaf oder Kookaï mussten schließen, weil sie der chinesischen Konkurrenz nicht standhalten konnten.
Die Billigware kommt täglich in Millionen Kleinpaketen aus China in die EU. Die Herstellung der Kleidung belastet Luft, Gewässer und die Gesundheit derer, die sie tragen. Die französische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde DGCCRF testete im Mai 700 Billigprodukte: 70 Prozent der Waren verletzten nationale Regeln, 45 Prozent waren gesundheitsgefährdend.
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