Jugendnetzwerk Lambda : Die Kürzungspolitik trifft Queers
Die Bundesregierung streicht dem queeren Jugendnetzwerk Lambda das Geld. Das ist ein Angriff auf gemeinnützige Vereine – und LGBTQI+ in Deutschland.
D ie Union verhält sich derzeit wie die Feuerwehr, die den Brandmelder ausschaltet und in unmittelbarer Nähe zuguckt, wie das Feuer weiterbrennt. Ab und zu schüttet sie selbst ein bisschen Benzin hinein und guckt fasziniert zu. Wusch! Eine beeindruckende Stichflamme nach der nächsten schlägt hoch; Hauptsache, der Brandmelder piept nicht mehr.
Denn wer die politische Berichterstattung verfolgt, kann live dabei zusehen, wie der Staat die Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement aushöhlt – getrieben von der AfD. Besonders im CDU-geführten Familienministerium ist das zu beobachten: Das neueste Öl im Feuer ist die Streichung der Finanzierung des bundesweit einzigen gemeinnützigen Jugendverbands für Queers. Lambda e. V. wird vom Familienministerium mit 379.954 Euro gefördert, nun wurde der Rahmenvertrag zum Ende des Jahres gekündigt.
Dass ein gemeinnütziger Verband gefördert wird, ist sinnvoll: Gemeinnützigkeit hilft der Allgemeinheit, nicht bloß den Einzelnen. Wie kann es der Gesellschaft gut gehen, wenn wir nicht sicher sein können, dass es queeren Jugendlichen gut geht? Wenn es in der Küche schon angefangen hat zu brennen, freut man sich ja auch nicht, dass es im Bad auf einmal schön warm ist.
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Eine Woche zuvor war mit der Kürzung beim Unterhaltsvorschuss klar: Die Jugendlichen von Alleinerziehenden sind im Familienministerium entweder egal oder zu vernachlässigen. Nun wird deutlich, dass das auf queere Jugendliche genauso zutrifft. Allen abseits einer vermeintlichen Norm wird damit signalisiert: So wichtig, dass ihr finanziell unterstützt werdet, seid ihr nicht.
Anlaufstellen fallen weg
Lambda e. V. organisiert Workshops, berät LGBTQI+, vernetzt sie und setzt sich für eine bessere rechtliche und medizinische Situation der trans* und inter* Jugendlichen ein. Jugendliche und junge Erwachsene, die Unterstützung bei einem Coming-out brauchen oder Hilfe benötigen, weil sie queerfeindliche Gewalt erfahren oder bedroht werden, haben ab dem kommenden Jahr möglicherweise keine Anlaufstelle mehr. Dabei liegt das Suizidrisiko von queeren Jugendlichen vier- bis fünfmal so hoch wie bei nicht queeren Jugendlichen.
Der Bundesvorstand schreibt in einer Pressemitteilung: „Unsere Beratungsanfragen steigen immer weiter an, ebenso die Zahl an Jugendlichen, die sich mit akuten Krisen an uns wenden. Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie.“
Das ist in Zeiten des Rechtsrucks kaum verwunderlich. Ein beliebtes rechtes Feindbild sind Queers. So wurde unter dem Deckmantel des Kindeswohls schon in der vergangenen Legislatur gegen Lambda e. V. gehetzt.
Matthias Helferich, AfD-naher fraktionsloser Bundestagsabgeordneter, brachte Lambda e. V. bei der ersten Lesung zum Selbstbestimmungsgesetz im November 2023 im Bundestag ein und unterstellte dem Verein, für die „aktiv-kämpferische Simulation von Sexualpraktiken bei Minderjährigen“ zu werben. Er nannte den damaligen Queerbeauftragten Sven Lehmann (Grüne) wegen dessen Fördermitgliedschaft im Verein einen „Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz staatlich begleiteten Kindesmissbrauchs“.
Es ist das alte Narrativ: Queer gleich pädophil. Ein Feuer war gelegt. In einer schriftlichen Frage im Juni 2025 stellte derselbe Abgeordnete – mittlerweile wieder Teil der AfD – die Gemeinnützigkeit von Lambda e. V. infrage. Ein weiteres Feuer gelegt.
Stärkung der Demokratie
Dass die AfD die Gemeinnützigkeit von zivilgesellschaftlichen Projekten bekämpft und die Union diesen Projekten seit ihrer Regierungsbeteiligung die Gelder kürzt, ist verheerend.
Dass seit Bestehen des Vereins (1990) öffentliche Gelder an den Verein fließen, ergibt Sinn. Für queere Jugendliche ist es niedrigschwellig, sich an einen Verein zu wenden. Außerdem fördert es indirekt die Demokratie: Bin ich Teil eines Verbands und erfahre, dass die eigene Stimme etwas verändert, festigt sich das Demokratieverständnis. Entweder ist Prien sich dieser Effekte nicht bewusst. Oder sie weiß um die Effekte, ignoriert sie aber. Beides ist fatal und einer Familienministerin unwürdig.
Der damalige Queerbeauftragte Lehmann war im Bundestag übrigens aufgestanden und hat Lambda e. V. verteidigt. Und die heutige Queerbeauftragte Sophie Koch (SPD)? „Für die Kündigung der Rahmenvereinbarung habe ich kein Verständnis“, sagt sie auf taz-Anfrage. Ob ein Gespräch mit Prien notwendig sei, werde sich zeigen, so ihr Sprecher.
Während es brennt und die Union munter Öl ins Feuer gießt, steht die SPD daneben, hält einen Wasserschlauch in der Hand, macht ihn nicht an und stampft beleidigt mit dem Fuß auf: „So geht das nicht!“
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