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AfD-Parteitag in ErfurtWeidels Wahlverein

Sabine am Orde

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Sabine am Orde

Tino Chrupalla ist der große Verlierer des AfD-Parteitages. Seine Co-Vorsitzende Alice Weidel kann ihre Machtbasis festigen.

O berflächlich betrachtet ergänzen sich Tino Chrupalla und Alice Weidel gut – und diese Erzählung hat die AfD auch lange bespielt. Er, der Malermeister aus Sachsen, galt dabei als Mann der Basis, eng verbunden mit den Landesverbänden in Ostdeutschland. Sie, die promovierte Ökonomin, die für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet hat und in der Schweiz mit ihrer aus Sri Lanka stammenden Partnerin zwei Kinder großzieht, stand für Wirtschaftskompetenz, Westdeutschland und scharfe Rhetorik.

Das sollte unterschiedliche Wäh­le­r*in­nen ansprechen und die Basis der AfD verbreitern, was durchaus gelungenen ist. So siegesgewiss wie in Erfurt hat sich die Partei noch nie präsentiert, ganz so, als hätte Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt die Wahl zum Ministerpräsidenten schon gewonnen. Mit Blick auf die beiden Vorsitzenden stimmt aber auch: Die beiden beäugen sich seit langem misstrauisch und stehen in scharfer Konkurrenz.

Nach der Wahl der neuen Bundesspitze ist klar: Weidels Netzwerk, das maßgeblich von Sebastian Münzenmaier aus Rheinland-Pfalz organisiert wird und mit dem auch der Thüringer Rechtsextremist Björn Höcke verbunden ist, hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Weidel hat bei der Wahl zur Parteivorsitzenden leicht zugelegt, Chrupalla deutlich verloren. Wen die biegsame Weidel zur Wahl vorschlug, der wurde gewählt – und Höcke hat im Parteivorstand nun mehr Einfluss denn je: Mit seinem Thüringer Co-Landeschef Stefan Möller und der Bayerischen Fraktionsvorsitzenden Karin Ebner-Steiner sind zwei der drei stellvertretenden Vorsitzenden enge Vertraute.

Diese hatte ihre Kandidatur erst kurzfristig bekannt gegeben, der Bundestagsabgeordnete Peter Boehringer, den Chrupalla gern als Vize behalten hätte, zog danach seine Kandidatur zurück. Das ganze lief – trotz einiger Kampfkandidaturen – schnell und strukturiert ab, vor den wichtigen Landtagswahlen wollte die AfD sich geschlossen und professionell präsentieren. Auch das: gelungen.

Weidel und Chrupalla werden noch eine Weile gemeinsam an der Spitze der AfD weitermachen. Mittelfristig aber spricht viel dafür, dass Weidel alleinige Vorsitzende wird und möglicherweise Münzenmaier ihr Generalsekretär. Chrupalla könnte der Abgang mit einer Spitzenkandidatur bei der sächsischen Landtagswahl versüßt werden – wenn sich Landeschef Jörg Urban zur Seite schieben lässt.

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Chrupalla ist der große Verlierer dieses Parteitags. Interessant dabei: Als der Sachse 2019 neben Jörg Meuthen zum ersten Mal zum Parteichef gewählt wurde, galt er als der Radikale, als Kandidat des völkischen Flügels. Jetzt ist Chrupalla im Vergleich eher der, der mahnend auftritt und vor einer zu scharfen Rhetorik mahnt. Bräuchte es noch einen Beleg dafür, dass sich die extrem rechte Partei immer weiter radikalisiert: Hier ist er.

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Sabine am Orde

Sabine am Orde Innenpolitik

Jahrgang 1966, Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 1998 bei der taz - in der Berlin-Redaktion, im Inland, in der Chefredaktion, jetzt als innenpolitische Korrespondentin. Inhaltliche Schwerpunkte: Union und Kanzleramt, Rechtspopulismus und die AfD, Islamismus, Terrorismus und Innere Sicherheit, Migration und Flüchtlingspolitik.
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