Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Zehntausende auf der Flucht
Immer mehr afrikanische Migranten verlassen Südafrika. Die Grenze zu Simbabwe wird zum wichtigsten Transitpunkt. Auch dort sollen sie nicht bleiben.
Die Massenflucht afrikanischer Migranten aus Südafrika infolge der ausländerfeindlichen Gewalt dort sorgt für Krisen in den Nachbarstaaten Simbabwe und Mosambik. In Mosambiks Hauptstadt Maputo sind Tausende Malawier gestrandet, die auf eine Transportmöglichkeit in ihre Heimat warten. Simbabwe sieht sich mit einem Zustrom von Reisenden aus Südafrika am Grenzübergang Beitbridge konfrontiert – der wichtigste Grenzübergang nicht nur zwischen den beiden Ländern, sondern im gesamten südlichen Afrika.
Beitbridge ist nicht nur ein Handelsknotenpunkt, sondern auch für Waren- und Menschenschmuggel berüchtigt. Jetzt ist er gefüllt mit rückkehrenden Simbabwern und anderen fliehenden Afrikanern, die über Simbabwe weiterreisen wollen. Bis Ende vergangener Woche wurden bereits 35.000 Grenzübertritte von Repatriierten und Deportierten aus Südafrika registriert, melden die Behörden.
Viele davon sind Migranten aus Malawi und Sambia, die sich illegal in Südafrika aufhielten und jetzt von dort evakuiert werden. In Simbabwe wird nun befürchtet, dass sie sich auf simbabwischem Gebiet niederlassen könnten.
Um das zu verhindern, verschärft Simbabwes Regierung ihre Grenzkontrollen. „Eine umfassende Überwachungsoperation ist in Gang gesetzt worden“, erklärte Nick Mangwana von Simbabwes Informationsministerium. Wer über Beitbridge einreist, muss sich einer strengen Kontrolle und Überprüfung durch die Migrationsbehörden und die Polizei unterziehen. Grundlage sind die Passagierlisten bei staatlich organisierten Repatriierungsaktionen. Für Alleinreisende gelten besondere Verfahren.
„Eine Bewährungsprobe für Simbabwe“
Auf den Fernstraßen, die von Beitbridge quer durch Simbabwe in Nachbarländer führen, sind verstärkte Kontrollen in Kraft. An wichtigen Haltepunkten werden Busse und Fahrzeuge überprüft, ebenso an den Busbahnhöfen der Hauptstadt Harare. Die Reisenden werden mit den Einreisenlisten aus Beitbridge abgeglichen, um sicherzustellen, dass alle als „in Transit“ deklarierten Eingereisten auch wieder ausreisen.
Es soll auch darauf geachtet werden, dass Reisegruppen, die aus finanziellen Gründen nicht sofort weiterreisen können, überwacht bleiben. Und es gibt Kontrollen, damit sich keine illegalen Einwanderer unter die registrierten Gruppen von Repatriierten mischen.
„Dies ist eine Bewährungsprobe für Simbabwe“, sagt Kommentator Cosmas Tsikai. „Die Regierung behandelt dies als prioritäre Angelegenheit, damit daraus nicht eine unkontrollierbare breitere Krise wird.“ Wenn die humanitäre Aktion, Rückkehrer aufzunehmen und auch Bürgern von Drittstaaten die Durchreise zu gewähren, stattdessen zu einer Welle illegaler Einreisen nach Simbabwe führt, wäre dies ein Sicherheitsrisiko.
Menschenrechtsaktivist Patrick Chatukuta hingegen warnt, dass Simbabwe durch die strengen Kontrollen seine Verpflichtungen unter der UN-Flüchtlingskonvention und der Afrikanischen Flüchtlingskonvention brechen könnte. „Simbabwe ist rechtlich verpflichtet, allen Schutz zu bieten, die vor Gefahren durch ausländerfeindliche Mobs in Südafrika fliehen“, so Chatukuta.
Die Situation dürfte für eine Weile angespannt bleiben
Simbabwe steht an vorderster Front der Flucht von Migranten aus Südafrika, weil mehrere Staaten des südlichen Afrika kein Geld haben, um ihre Staatsbürger per Charterflug herauszuholen, wie es entferntere Länder wie Nigeria und Uganda getan haben. Sie organisieren also Transporte auf der Straße, was dann durch andere Länder wie Simbabwe führt.
Die Situation in Beitbridge dürfte noch eine Weile angespannt bleiben. Südafrikas Regierung und die Regierung der südafrikanischen Grenzprovinz Limpopo haben bei Beitbridge ein Repatriierungszentrum mit einer Kapazität von mehreren tausend Menschen errichtet, um die Migranten Richtung Simbabwe zu kanalisieren.
Infrastrukturminister Dean Macpherson sagte: „Was vor einer Woche noch Busch war, ist jetzt eine Einrichtung, die es dem Innenministerium und der Grenzbehörde möglich machen wird, Migranten unter sicheren und ordentlichen Umständen bei der Ausreise aus Südafrika behilflich zu sein.“
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