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Videos mit SturmgewehrAfD-Influencer inszeniert sich als Russland-Kämpfer

Noah Krieger behauptet auf Instagram, im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu kämpfen. Er erreicht mit seiner Propaganda 400.000 Menschen.

Der AfD-Influencer Noah Krieger, mit bürgerlichem Namen Murad Dadaev, aus Hannover kämpft derzeit offenbar aufseiten der russischen Armee in der Ukraine. Das legen Recherchen der taz nahe. In den vergangenen Monaten reiste er bereits durch Russland und traf sich mit hochrangigen Vertretern des tschetschenischen Regimes.

Aktuelle Videoaufnahmen zeigen Dadaev mit schusssicherer Weste und einem Sturmgewehr in der Ukraine. Auf der Brust trägt er einen Patch mit der Aufschrift „Wir sind Russen, Gott ist mit uns.“ Die taz konnte ein von ihm veröffentlichtes Video geolokalisieren, das ihn vor den Ruinen des Kokswerks von Awdijiwka zeigt. Die Stadt wurde 2024 durch russische Truppen eingenommen. Die aktuelle Frontlinie verläuft derzeit rund 45 Kilometer entfernt.

In den vergangenen Tagen postete er regelmäßig Videos aus dem Kriegsgebiet. Sie dokumentieren unter anderem die nächtliche Bekämpfung ukrainischer Drohnen mit Maschinengewehren, den Start eines Kampfhubschraubers sowie den Einsatz von Mehrfachraketenwerfern. Ein anderes Video zeigt offenbar einen ukrainischen Drohnentreffer auf Dadaevs Konvoi. Er selbst schrieb über seinen Kampfeinsatz auf Instagram: „Wir werden nicht zulassen, dass dieses innere Übel und der äußere Feind Russland brechen. Wir werden diese Seuche bis zum Ende bekämpfen.“

Zwischen russischem Patriotismus und deutschen Rechten

Dadaev stammt ursprünglich aus Tschetschenien und betrieb in der Hannoveraner Nordstadt eine Villa mit Coworking-Spaces und Veranstaltungsräumen. In der Vergangenheit nahm er an Veranstaltungen der AfD in Hannover teil und posierte dort mit AfD-Bundestagsabgeordneten wie Stephan Brandner und Jörn König. Im August 2025 traf sich der Vorstand des AfD-Kreisverbands Hannover sogar in Dadaevs angemieteter Villa. Auf Instagram, wo er rund 400.000 Fol­lo­wer*­in­nen hat, inszeniert er sich als Brückenbauer zwischen russischem Patriotismus und der deutschen Rechten.

Auf seinem Profil gibt er an, AfD-Mitglied zu sein, ist in der Partei aber mittlerweile in Ungnade gefallen. Der Landesverband Niedersachsen teilte auf taz-Anfrage über einen Sprecher mit, dass Dadaev mittlerweile ausgeschlossen und das Verfahren abgeschlossen sei.

Als An­ti­fa­schis­t*in­nen im Oktober 2025 eine Villa mit Farbe beschmierten, setzte er ein Kopfgeld von 10.000 Euro aus und rief zur Jagd auf die „Antifa-Ratten in Hannover“ auf. Recherchen des Portals Correctiv belegen zudem Kontakte zu einem Netzwerk von Vertretern der tschetschenischen Diaspora, die dem Machthaber Ramsan Kadyrow nahestehen. Ein Bruder Dadaevs war bereits 2009 an der Ermordung eines tschetschenischen Dissidenten in Wien beteiligt.

Im Dezember 2025 kam es zu einem Brand in der von Dadaev genutzten Villa. Vor Ort wurden mehrere Antifa-Tags gesprüht. Dadaev selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer AfD-Veranstaltung im Düsseldorfer Landtag. Das Mietverhältnis der Villa stand ohnehin vor dem Ende, da Dadaev monatelang keine Zahlungen geleistet haben soll.

Schießübungen in Tschetschenien

Aufnahmen aus den vergangenen Monaten zeigen ihn mit Waffen oder bei Schießübungen in Tschetschenien. Bereits während seiner Zeit in Hannover hatte er mehrfach mit einem Kampfmesser oder einem Luftgewehr posiert.

Auf Instagram veröffentlichte er Bilder einer SS-Uniform oder postete ein Bild des rechtsradikalen polnischen Abgeordneten ⁠Konrad Berkowicz mit einer israelischen Flagge, bei der der Davidstern durch ein Hakenkreuz ersetzt wurde. Videos unterlegte er mit Hitler-Reden und einer Rede von Joseph Goebbels, in der es heißt: „Einmal wird unsere Geduld zu Ende sein und dann wird den Juden das freche Lügenmaul gestopft werden!“

Dem tschetschenischen Informationsminister Achmed Dudajew überreichte Dadaev einen Dolch mit Hakenkreuzemblem, Fotos davon postete er bei Instagram. Wenige Tage später besuchte er eine Sitzung im tschetschenischen Parlament, an der auch das tschetschenische Oberhaupt Ramsan Kadyrow teilnahm.

Weitere Aufnahmen zeigen Dadaev beim Essen mit Zamid Aliyevich, dem Kommandeur des tschetschenischen Spezial-Polizeiregiments. Aliyevich gilt als Schlüsselfigur bei der völkerrechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder nach Tschetschenien und steht deshalb auf der EU-Sanktionsliste.

Dadaev leugnet russischen Überfall auf die Ukraine

Seine Motivation erklärte Dadaev bereits vor Monaten in Videos auf dem Roten Platz in Moskau. Er leugnete den russischen Überfall auf die Ukraine und behauptete stattdessen: „Die bösen Russen, die haben Ukraine angegriffen – niemand hat was angegriffen.“ In Bezug auf die Bundesrepublik verbreitete er antisemitische Verschwörungsmythen: „In unser Land kommen und regieren die Juden. Das ist ein Fakt.“

Laut Correctiv hat die AfD Niedersachsen bereits im April ein Parteiausschlussverfahren gegen Dadaev beantragt. Im Mai war Dadaev noch zur Aufstellungsversammlung des AfD-Kreisverbandes Hannover-Stadt eingeladen worden. Online kündigte Dadaev an, er plane, ein Bataillon für freiwillige deutsche Kämpfer zu gründen. Vor Ort habe man ihm den Spitznamen „Führer“ gegeben.

In seinem jüngsten Video richtet Dadaev in voller Kampfmontur, bewaffnet mit Sturmgewehr und Panzerfaust, Grüße in Richtung Deutschland: „Bald sind wir da. Gott mit uns!“, sagt er grinsend in die Kamera.

Instagram-Account folgen noch zahlreiche AfD-Funktionäre

In einem anderen Posting kündigt er an: „Ich werde eines Tages da sein und mein Land von Ratten befreien. Ich habe es politisch versucht; leider war es nicht möglich. Jetzt habe ich ein anderes Mittel gefunden. Für Deutschland Kamerad.“ Dazu postet er eiserne Kreuze und martialische Musik. Und: Zwei Blitze, die wohl an SS-Siegrunen erinnern sollen, dazu eine deutsche und eine russische Flagge, dazwischen zwei sich schüttelnde Hände.

Seinem Instagram-Account folgen immer noch zahlreiche AfD-Funktionäre wie der frisch gewählte Bundesvorstand Alexander Jungbluth, der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier, die Landtagsabgeordnete Wiebke Muhsal sowie der neurechte Ideologe Benedikt Kaiser. Aus dem Umfeld des Bundesvorstands war auf taz-Anfrage zu hören, dass dieser sich den Fall ansehen werde. (Mitarbeit: Gareth Joswig)

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