Treibstoffkrise in Russland: Als Polizist verkleidet, um an Sprit zu kommen
Wegen der Benzinknappheit werden die Warteschlangen vor russischen Tankstellen länger. Im Netz suchen einige nach Anleitungen, um Benzin selbst herzustellen.
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Die Treibstoffknappheit hat fast ganz Russland erfasst und wirkt sich mittlerweile auch auf sein Nachbarland Kasachstan aus. Dort werden die Grenzkontrollen verschärft, um illegalen Benzinschmuggel nach Russland einzudämmen, sagte Kasachstans Vizeminister für Energie, Kairchan Tutkyschbajew, dem Nachrichtenportal Orda. Pkw und Lkw dürfen nur noch einmal täglich nach Russland einreisen. Zudem kontrollieren die Behörden Fahrzeuge mit nachgerüsteten Zusatztanks. Seit wann die Beschränkungen gelten und von wem sie eingeführt wurden, verriet Tutkyschbajew indes nicht.
Laut Energieministerium gebe es keine Daten, wie viel kasachisches Benzin genau außer Landes gebrachten worden sei. Gleichzeitig seien die Benzinverkäufe in den drei an Russland grenzenden Regionen Westkasachstan, Aqtöbe und Pawlodar deutlich gestiegen.
Dass die ukrainische Armee gezielt die russische Energieinfrastruktur angreift, spürt auch die russische Zivilbevölkerung. Das Betanken von Kanistern ist untersagt und Menschen, die über den Schwarzmarkt überteuertes Benzin verkaufen, werden bestraft.
Besonders angespannt ist die Lage in den russischen Regionen im Osten, in Transbaikalien und im Gebiet Irkutsk in Sibirien. Wegen der Treibstoffkrise haben sich dort lange Warteschlangen an Tankstellen gebildet. In Transbaikalien wurde offenbar eine Art Rationierung beim Tanken eingeführt. Wer öfter als einmal alle drei Tage tanken möchte, muss sich in die langen Warteschlangen einreihen.
Als Polizist verkleidet
Auch aus anderen Regionen werden lange Warteschlangen gemeldet. So veröffentlichte der Telegram-Kanal „Perm 36,6“ ein Video aus der Ortschaft Barda. Dort war eine Tankstelle zwei Tage lang geschlossen. Nach der Wiedereröffnung warteten rund 100 Fahrzeuge auf Kraftstoff.
In der Stadt Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan seien die Warteschlangen an den Tankstellen zwar kürzer geworden, schreibt das Onlineportal Kawkasski Usel. Die Kraftstoffpreise seien jedoch stark gestiegen. Vor Beginn der Treibstoffknappheit im Juni 2026 kostete ein Liter Benzin der Sorte AI-95 circa 73 Rubel. Nun sind es inzwischen zwischen 115 und 120 Rubel – ein Anstieg von fast 66 Prozent.
Eigentlich sollen Menschen mit Behinderung ohne Wartezeit tanken können. Betroffene aus dem Gebiet Irkutsk beklagen, dass ihnen dieses Recht verweigert wird. Ein spezieller Chatbot soll prüfen, ob Behindertenausweise echt und noch gültig sind. Innerhalb eines Tages erhielten 47 Antragsteller eine Ablehnung. Wie der Bot genau arbeitet, ist unklar.
In der Region Transbaikalien nahm die Polizei zudem einen Mann fest, der sich als Polizist ausgab, um die Wartezeit an einer Tankstelle abzukürzen. Die Uniform habe er eigenen Angaben zufolge im Internet gekauft.
Angesichts des Treibstoffmangels suchen Russinnen und Russen offenbar nach anderen Wegen, um an Benzin zu kommen. Auf Yandex, der beliebtesten Suchmaschine Russlands, wurde der Suchbegriff „Benzin“ im Juni 21,1 Millionen Mal eingegeben. Im Mai waren es mit 4,3 Millionen Suchanfragen noch fast fünfmal weniger. Auch die Suchanfragen nach „Benzin kaufen“ stiegen deutlich – von 178.000 im Mai auf 982.000 im Juni. Die Suchanfragen zum Thema „Wie stellt man Benzin her?“ stieg im Juni ebenfalls stark an.
So könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich in russischen Tanks schwarzgebrannter Sprit befindet.
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