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Gen-Untersuchung bei SchwangerenNicht auf Kosten der Menschen mit Behinderung

Gastkommentar von

Jeffrey Raffo

Die Debatte um ein Monitoring von Pränataltests ignoriert bisweilen die, die unter dem Begriff „vermeidbares Risiko“ laufen. Das ist Diskriminierung.

E s ist nervig, wenn man sich sicher ist, auf der Seite der Engel zu stehen, und dann feststellt, dass der Teufel die ganze Zeit mit am Tisch saß. In diesen Wochen debattiert der Bundestag darüber, ob es ein Monitoring über die Folgen der Kassenfinanzierung nichtinvasiver Pränataltests geben soll. Und es gibt immer noch Abgeordnete, die genau das verhindern wollen: dass Daten und Fakten überhaupt ans Licht kommen. In meinem Herkunftsland wird kritisch über „White Feminism“ diskutiert. Gemeint ist damit ein Feminismus, der Rassismus wie einen störenden Nebenfaktor behandelt.

Jeffrey Raffo

kommt aus Cleveland „dem Ruhrpott der USA“ und ist seit vielen Jahren in verschiedenen Organizing-Projekten in den USA und Deutschland tätig.

Ich erlebe gerade in Deutschland eine Variante davon: einen Feminismus, der die Perspektive von Menschen mit Behinderung zur Nebensache erklärt, solange reproduktive Freiheit berührt wird. Dabei werden die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderung wie meinem Sohn, der Trisomie 21 hat, wieder ignoriert. Wenn ein behindertes Kind als „vermeidbares Risiko“ erscheint, dann bewegen wir uns längst mitten im Ableismus, mitten in der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung.

Meine erste politische Aktion war der Schutz von Abtreibungskliniken. Meine Haltung zu Paragraf 218 könnte also kaum klarer sein. Der Kampf für reproduktive Freiheit darf aber nicht dazu führen, dass wir Ableismus mit offenen Armen begrüßen. Und darin liegt genau die eigentliche Lehre aus der Kritik an White Feminism: Wer glaubt, eine Form von Diskriminierung bekämpfen zu können, indem andere Diskriminierungsformen geduldet werden, wird am Ende feststellen, dass keine der beiden verschwindet. Das hätten progressive Po­li­ti­ke­r:in­nen längst gelernt haben müssen.

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Gerade deshalb macht mich die Debatte so wütend über die Bundestagsabgeordneten, die nicht bereit waren, sich mit der Komplexität dieser Thematik auseinanderzusetzen, aber bereit waren, eine belastbare Grundlage für die weitere Debatte zu verhindern – und Menschen mit Trisomie 21 auf dem Altar gesellschaftlich akzeptierter Diskriminierung zu opfern.

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2 Kommentare

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  • Wenn ein behindertes Kind als „vermeidbares Risiko“ erscheint, dann bewegen wir uns längst mitten im Ableismus, mitten in der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung.

    Wenn die Untersuchung stattfindet und über eine potentielle Abtreibung nachgedacht wird, ist es ist ja gerade kein Kind. Wenn man in dieser Phase der Schwangerschaft von einem Kind sprechen will, muss man konsequent auch gegen Abtreibungen aller Art sein.

  • Als frühere Förderschullehrerin muss man auch ehrlich sagen, die überwiegende „Arbeit“ bei einem beeinträchtigten Kind trägt fast ausschließlich die Mutter. Die steht ja zig mal nachts auf, die sehe ich an jedem Elternabend, die bekommt die geballten Vorwürfe der Gesellschaft ab (muss sowas heute noch sein, etc.).



    Normalerweise bekommt man/frau ein Kind, dieses wird zunehmend selbstständiger und ist vielleicht irgendwann auch mal eine Unterstützung. Bei diesen Familien ist das anders, auch Mütter mit diversen Blutergüssen kenne ich, weil der Teenager außer Rand und Band gerät und sie die einzige vor Ort ist und alles abbekommt.

    Ich habe jeden Schüler/jede Schülerin sehr sehr gerne gehabt, wirklich, mit den Müttern hätte ich niemals tauschen wollen. Und wir sind in der Regel zu dritt/zu viert in der Klasse mit 8 bis 10, die Mutter meist alleine.