Konkurrenz aus China: E-Auto-Zölle der EU lassen Importe einbrechen
Seit 2024 gelten EU-Sonderzölle auf E-Autos aus China. Eine Studie zeigt, wie sie wirken. Experten raten, auch Batterien aus Fernost mit Sonderabgaben zu belegen.
Die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos wirken. Seit ihrer Einführung vor knapp zwei Jahren ist der Anteil der in China hergestellten E-Autos auf dem europäischen Markt von 22 auf 17 Prozent gesunken. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des europäischen Verkehrsverbands T&E hervor. Der Grund für den Rückgang ist demnach, dass westliche Marken wie Tesla, BMW und Volvo ihre Produktion von China nach Europa verlagerten.
Seit Herbst 2024 gelten europaweite Schutzzölle auf Elektroautos aus China. „Wir begrüßen den Wettbewerb, auch im Bereich der Elektrofahrzeuge, aber er muss durch Fairness und gleiche Wettbewerbsbedingungen untermauert werden“, begründete damals EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis deren Einführung. Denn die Kommission warf Peking eine unfaire Subvention seiner E-Autobauer zulasten europäischer Hersteller vor.
Damals nahm die Krise insbesondere der deutschen Autohersteller schon an Fahrt auf. Ein wichtiger Grund war, dass deren Anteil am wichtigen chinesischen Markt bereits sank, während günstige chinesische E-Modelle auf den europäischen Markt drängten. Die EU führte deshalb Schutzzölle auf Modelle der chinesischen Marken BYD, Geely und SAIC in Höhe von 17, 18,8 beziehungsweise 35,3 Prozent ein. Aber etwa auch Importe von Tesla-Modellen „Made in China“ wurden mit einer Abgabe von 7,8 Prozent bedacht. Bei dem US-Hersteller führte das dazu, dass der Anteil der Autos, die er für den europäischen Markt in China produzieren lässt, von 26 Prozent auf 19 Prozent sank.
Bei den chinesischen Herstellern ist der Effekt der Zölle nicht so eindeutig. Während SAIC seine Importe fast halbierte, konnte BYD sie verdoppeln. Denn Modelle aus Fernost sind trotzdem im Schnitt noch 21 Prozent günstiger als die europäischer Hersteller. Gleichzeitig verlagern laut der Studie auch chinesische Autobauer ihre Produktion zum Teil nach Europa. Seit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im September 2023 die Zölle ankündigte, wurden 10 geplante Produktionsstätten bekanntgegeben.
In Europa dominieren noch westliche Marken
Doch in Europa dominieren noch westliche Marken. Vergangenes Jahr lag der Marktanteil von chinesischen Autoherstellern im Elektrowagenbereich bei 9 Prozent. In der Top Ten der beliebtesten Modelle findet sich kein einziges E-Auto aus der Volksrepublik, stattdessen drei Modelle von VW. Das in Europa beliebteste Elektroauto war 2024 wie 2025 der Tesla Y. Er wurde mehr als 128.000 Mal verkauft.
Dennoch wollen die Expert*innen des europäischen Verkehrsverbands T&E nicht entwarnen. „Die EU-Zölle waren wirksam, um Produktion zurück nach Europa zu verlagern“, sagt die T&E-Expertin für E-Mobilität, Susanne Goetz. „Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen bei E-Autos und Batterien steht trotzdem auf dem Spiel und der Standort Deutschland hat dabei besonders viel zu verlieren.“
Ihr bereitet vor allem Sorge, dass sich die Importe von Batterien aus China zwischen 2020 und 2025 versiebenfacht haben. Von den in der EU hergestellten Batterien entfallen weniger als ein Viertel auf europäische Hersteller. „Wenn wir auch eine starke heimische Batterie-Lieferkette aufbauen wollen, müssen wir mit Zöllen auf importierte Batterien die heimische Produktion schützen und gleichzeitig gezielt fördern“, sagt Goetz.
Ihrem Verband zufolge würden solche Handelsmaßnahmen europäischen Batterieherstellern helfen, auf dem heimischen Markt erfolgreich zu sein, ohne den Umstieg auf E-Autos zu verlangsamen. So berechnete T&E in seiner Studie, dass Zölle auf chinesische Batterien in Höhe von 20 Prozent den Preis von in der EU hergestellten E-Autos lediglich um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöhen würden.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!