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Fast 12.000 Todesfälle in den USAStudie belegt deutlichen Anstieg tödlicher Polizeigewalt

In den USA wurden 2024 mehr als doppelt so viele Menschen von Polizisten getötet wie noch 2003. Die allermeisten von ihnen waren schwarz.

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Nicht erst seit dem Tod von George Floyd im Jahr 2020 ist Polizeigewalt ein großes Thema in den USA. Exzessive Gewalt durch Sicherheitskräfte sorgt immer wieder für mediales Aufsehen. Zu Beginn dieses Jahres waren es die tödlichen Schüsse von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE, die in Minneapolis und darüber hinaus zu großen Protesten geführt hatten.

Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass tödliche Polizeigewalt in den USA während der vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen hat. Die Studie, die vergangene Woche in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass zwischen 2003 und 2024 fast 12.000 Menschen durch Polizeigewalt ihr Leben verloren haben.

Die jährlichen Todeszahlen stiegen im Laufe des Untersuchungszeitraums auf mehr als das Doppelte an – von 369 auf 809 Personen pro Jahr. Unter den insgesamt 11.775 Fällen, die die Forscher aus öffentlichen Quellen für ihre Untersuchung herangezogen hatten, befanden sich auch 270 Opfer im Kinder- und Jugendalter. Auch hier war ein deutlicher Anstieg in den jährlichen Opferzahlen zu erkennen, von acht auf 37.

Die Studie zeigt, dass über 95 Prozent aller bei Polizeieinsätzen getöteten Personen männlich und schwarz waren

„Todesfälle durch Polizeieinsätze erfahren in den USA zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit. Eine landesweite Erfassung dieser Todesfälle bleibt jedoch eine Herausforderung, da die amtlichen Statistiken die durch Polizeieinsätze verursachten Todesfälle erheblich unterschätzen“, schrieben die Autoren der Studie.

95 Prozent aller Getöteten waren männlich und schwarz

Geleitet wurde die Studie von Forschern der Medizinischen Fakultät der Yale University. Unterstützung erhielten sie von Kollegen aus Pennsylvania und Minnesota. Neben dem allgemeinen Anstieg zeigte die Studie auch, dass über 95 Prozent aller bei Polizeieinsätzen getöteten Personen, männlich und schwarz waren.

Die größte Sterberate hatten dabei männliche, schwarze Personen im Alter zwischen 18 und 29. „Schwarze Männer, die nicht hispanischer Abstammung waren, wiesen in jedem Jahr des Untersuchungszeitraums die höchsten Sterberaten auf, was auf anhaltende ethnische Ungleichheiten selbst im Jugendalter hindeutet“, erläuterten die Autoren.

Naheliegend war auch der Befund, dass Schusswaffen für die überwältigende Mehrheit der Todesfälle verantwortlichen waren. In 87 Prozent der Fälle traf dies zu. Es sind Zahlen die erschrecken, doch auch nicht wirklich überraschen. Einen Grund für den dramatischen Anstieg im Zeitraum von 2003 bis 2024 nannten die Forscher nicht und auch die Untersuchungsmethode stieß an ihre Grenzen.

„Todesfälle, die durch Polizeieinsätze verursacht wurden, werden in Statistiken oft nur lückenhaft erfasst“, erklärten die Forscher. In früheren Arbeiten zum Thema hieß es, dass weniger als die Hälfte solcher Fälle überhaupt erfasst werden würden. Auch die ausführliche Medienberichterstattung nach Fällen mit großem Öffentlichkeitsinteresse, wie etwa nach der Ermordung von George Floyd durch den Polizeibeamten Derek Chauvin im Jahr 2020, kann temporär die Daten beeinflussen, hieß es.

Für die Forscher ist das Ergebnis ihrer Arbeit ein Beweis dafür, dass es noch mehr Untersuchungen bräuchte, um zu verstehen, wie die Zahl der Todesopfer durch Polizeigewalt zustande kommt.

Auch wenn der Anteil von tödlicher Polizeigewalt im Vergleich zu anderen tödlichen Gewaltakten nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt, so ist die Zunahme besorgniserregend. Denn die allgemeinen Mordraten in den Vereinigten Staaten verzeichnen eine gegenläufige Entwicklung. Sie sind seit den Hochzeiten Anfang der 1990er deutlich gefallen.

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