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Jahrestag des Massakers von SrebrenicaGefährliches Gedenken

Am internationalen Gedenktag an das Massaker von Srebrenica wird der serbische Schriftsteller Vladimir Arsenijević in Belgrad überfallen und bedroht.

Wer in Serbien an das Massaker von Srebrenica erinnern will, lebt gefährlich. Der serbische Schriftsteller Vladimir Arsenijević wurde in Belgrad am internationalen Gedenktag, dem 11. Juli, von einer Gruppe Männer zusammengeschlagen.

Die Männer hatten dem Schriftsteller an dem Ort aufgelauert, an dem der Schriftsteller mit einer kleinen Gruppe einige Stunden später mit Transparenten an das Massaker in der bosnischen Stadt erinnern wollte, bei dem über 8.300 bosnische Muslime, zumeist Männer, getötet wurden.

Am 11. Juli 1995 war die bosnische Stadt, die eine „UN-Schutzzone“ für Geflüchtete aus anderen Gebieten Bosniens war, vom bosnisch-serbischen General Ratko Mladić mit seinen Truppen und Milizen erobert worden. Die niederländischen UN-Soldaten hatten kein Mandat, ihre Schutzbefohlenen mit Waffen zu verteidigen, und schauten dabei zu, wie Tausende meist Männer und Jungs mit Bussen abtransportiert wurden. Sie wurden erschossen und in Massengräber verscharrt.

Der Internationalen Gerichtshof in Den Haag klassifiziert das Massaker als Genozid. Der General Mladić wurde in Den Haag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Über 30 Jahre nach Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien gibt es bis heute vom offiziellen Serbien keinerlei Bekenntnis zur Verantwortung hinsichtlich der Kriege und Kriegsverbrechen in Bosnien, geschweige denn zum Massaker in Srebrenica.

Die 2024 beschlossene UN-Resolution, die den 11. Juli zu einem internationalen Gedenktag an das Massaker von Srebrenica machte, wurde von Serbien heftig bekämpft.

Aber nicht nur die serbische Regierung schweigt zu Srebrenica. Auch in der Zivilgesellschaft wie unter den protestierenden Stu­den­t*in­nen ist die Erinnerung an das Massaker kein großes Thema.

Der Schriftsteller Arsenijević schätzt den Angriff auf ihn als gezielt organisiert ein. „Das war keine spontane Handlung“. Er erzählt, wie Männer in schwarzen Hemden und Kappen ihn am Samstag umzingelt hatten, als er an dem Ort, wo das Gedenken hätte stattfinden sollen, aus einem Taxi gestiegen sei. Er sei körperlich und verbal bedroht und schließlich mit Fäusten geschlagen worden. Anschließend hätten sie ihm gesagt, dass er sich auf Schlimmeres gefasst machen müsse und er ganz oben auf der Liste stehe.

Der Platz unter der Brankov-Brücke, wo das Gedenken hätte stattfinden sollen, sei von den jungen Männern verwüstet worden, die Graffitis wie „Ratko Mladić, serbischer Held“ und die Namen rechtsradikaler Gruppen wie „451“ und „Narodna Patrola“ (Volkspatrouille) auf die Mauern gesprayt hätten. Die Gedenkveranstaltung wurde danach abgesagt.

Arsenijević ist nicht nur als Schriftsteller seit über 30 Jahren bekannt für seine Kritik an den autoritären und nationalistischen serbischen Regimen von Slobodan Milošević bis zum heutigen Präsidenten Aleksandar Vučić. Arsenijević’ Roman „Cloaca Maxima“ war ein Bestseller und ist auch ins Deutsche übersetzt. Der in Belgrad lebende Autor und Aktivist organisiert dort seit 2009 das Literatur- und Debattenfestival Krokodil, dessen Mitarbeiter schon mehrfach Zielscheibe verbaler und körperlicher Angriffe wurden.

Als politischer Kolumnist machte sich Arsenijević bereits in den 1990er und 2000er Jahren einen Namen, wurde aber wie alle anderen kritischen Stimmen von den großen Zeitungen und Plattformen des Landes nach und nach verbannt. Der Autor bleibt aber nicht nur in seinem Land eine aktive kritische Stimme gegen Verantwortungslosigkeit, Korruption und Nationalismus. So sammelt er beispielsweise auch regelmäßig Sach- und Geldspenden für die Ukraine und fährt die mit Lkws selbst in das von Russland überfallene Land.

Verbale und körperliche Drohungen kennt Arsenijević seit Langem. Dass die politisch motiviert sind, daran besteht kaum ein Zweifel. Die Ermittlungen führten aber bisher nie zu den Tätern.

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