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AfD-Fakes gegen PostkolonialismusWeiße Schuld weißwaschen

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich greift die postkoloniale Forschung an. Eine Studie offenbart Intentionen und Fakes.

Gedenken kann auch dazu dienen, die Erinnerung zu verzerren. Die Website „Post“-Kolonialismus hat ein modernes Design. Freundlich schaut der Verantwortliche mit gepflegten Haaren und ordentlichen Jackett auf der Startseite. Matthias Helferich hat sich früher mal ironisch eine Selbstbeschreibung gegeben, die bis heute an ihm haftet: „Das freundliche Gesicht des NS“. Die postkoloniale Forschung will er nun als eine von Mythen getragene Erzähung darstellen. Mit der Kampagne deutet der AfD-Bundestagsabgeordnete den Postkolonialismus zum „linken Kulturkampf“ um, der eine „weiße Schuld“ propagiere, sagt Berit Kö. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts „Geschichte statt Mythen“ an der Universität Jena betont, dass Helferich sowohl die Geschichte des Kolonialismus als auch des Nationalsozialismus relativieren wolle.

In der selbst ernannten Alternative greift Helferich, der seit 2021 der AfD im Bundestag und seit 2025 der Bundestagsfraktion angehört, nicht alleine die Aufarbeitung der deutschen Geschichte an. Alexander Wolf, AfD-Bundestagsabgeordneter, beklagte 2024 noch als Hamburger Bürgerschaftsfraktionsvize, dass mit der Aufarbeitung des Kolonialismus eine Umdeutung betrieben werde, „um uns Deutschen ein ganz überwiegend negativ geprägtes Bild unserer Geschichte einzubläuen“.

Mit der Website, auf der sich auch eine Broschüre zum Downloaden befindet, soll die Debatte nun weiter forciert werden. Die Intention verschweigt Helferich nicht: „Hiermit sollen Argumente gegen diesen neuen ‚Schuldstolz für ganz Europa‘ geliefert werden.“ Der Terminus „Schuldstolz“, so Kö in einer Studie zu der Kampagne, wird hier als ein „perverser Stolz der Deutschen auf die eigene Schuld“ verwendet.

Die Relativierung der Kritik am Kolonialismus will Helferich mit einem „Mythen-Check“ forcieren. In den 16 Seiten der Broschüre folgen jedoch statt Fakten Fiktionen beziehungsweise Fehler. Schon auf Seite 3, betont Kö, wird Ambalavaner Sivanandan als „afrikanischer Aktivist“ zitiert: „Wir sind hier, weil ihr dort wart.“ Sivanandan stammt allerdings aus Sri Lanka, nicht aus Afrika, und leitete das Institute of Race Relations in London. „Eine Publikation, die antritt, Geschichtsmythen zu entlarven, scheitert an der Herkunftsangabe ihres ersten Zitatgebers“, hebt Kö hervor. Diese „rassifizierende Pauschalisierung“ wird mit einem KI-generierten Bild – neben dem Zitat – von einer schreienden Schwarzen Frau mit erhobener Hand verdichtet.

Kö warnt vor einer Doppelstrategie

Viele Mythen will Helferich aufdecken. Etwa den, dass die Sklaverei nicht erst „mit dem transatlantischen Handel begann“. Eine „Strohmann“-Argumentation, sagt Kö: „In den Standardwerken zur Geschichte der Sklaverei wird diese Darstellung gar nicht bestritten.“ Ein weiterer Mythos, dass Europa die Sklaverei in Afrika aufrechterhielt, soll zudem widerlegt werden. Kö zeigt aber auf, dass im „Auftakt der kolonialen Aufteilung Afrikas“ auf der Berliner Kongokonferenz 1884/85 nicht die Abschaffung der Sklaverei das „Hauptziel“ war, sondern die Abstimmung für eine „Art Freihandelszone“.

Dass die Niederschlagung des Herero-Aufstands ein Völkermord war, möchte der AfD-Bundestagsabgeordneter ebenso als „Mythos“ abwehren. Die Opfer seien selbst schuld gewesen, da sie entschieden hätten, nach Omaheke zu gehen. „‚Wählen‘ konnten die am Waterberg Eingekesselten zwischen den deutschen Gewehren und der Wüste – auf ihrem eigenen Land, in einem Krieg, den es ohne die Kolonialherren gar nicht gegeben hätte“, so Kö.

In der Studie weißt Kö auf eine weitere Argumentation gegen die Verantwortung für den Kolonialismus hin. 2021 führte Martin Sellner auf sezession.net aus, dass ein „postkolonialer Angriff auf den ‚Auschwitz-Mythos‘“ zu einen „Kampf zwischen dem deutschen postnazistischen Schuldstolz“ führe, da die „Unvergleichbarkeit“ hinterfragt werde.

Kö warnt vor einer Doppelstrategie: „Einerseits wird postkoloniale Forschung als ideologischer Angriff auf Europa und den Westen bekämpft; andererseits werden sich einzelne ihrer Interventionen dort angeeignet, wo sie als Hebel gegen jene kritischen Erinnerungsregime fungieren.“ Das verbindende Ziel liege in der Schwächung der Erinnerung an die koloniale und nationalsozialistische Gewalt.

Keine bloße Theorie. Der AfD in Sachsen-Anhalt erscheint die „historische Aufarbeitung“ inklusive Provenienzforschung so auch als eine weitere „politische Schuldpolitik“. Der Landeszuschuss für das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg soll gestrichen werden. Helferich macht den Postkolonialismus aber auch mitverantwortlich für die „Transformation Europas in ein multikulturelles Siedlungsgebiet“. Die Kritik an der postkolonialen Forschung wird so mit der „Remigration“ verbunden. In der Broschüre führt Helferich unter „Meine Projekte im Kulturkampf“ auch gleich „Remigration jetzt“ an.

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2 Kommentare

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  • Es ist so abartig wie diese AFD Schurken, auch mithilfe von gedungenen Pseudowissenschaftlern, schamlos Geschichtsklitterung betreiben.



    Wenn jemand in seiner Doktorarbeit mal vergisst den Urheber eines Zitats zu nennen ist gleich der Teufel los.



    Aber wenn diese schmutzigen Lügenbarone Unwahrheiten en masse verbreiten, passiert so gut wie nichts!

  • Der "Transatlantische Sklavenhandel" ein Mythos, die "Niederschlagung des Herero-Aufstandes" ein Mythos, "Ausschwitz" ein Mythos.



    Nein, mein Lieber - das sind alles keine Mythen - das ist alles wirklich passiert.



    Es gibt nur einen wirklichen Mythos, nämlich den der "Transformation Europas in ein multikulturelles Siedlungsgebiet“. Und den haben Sie und Ihre Kumpane erfunden.