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Frauen und Vorstände Feminismus ist Wirtschaftspolitik

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Trotz Quotenvorgaben sinkt der Frauenanteil in Vorständen erstmals. Das zeigt: Es braucht dabei endlich mehr Verbindlichkeit.

S eit Beginn seiner Amtszeit rätselt Bundeskanzler Friedrich Merz, warum die deutsche Wirtschaft einfach nicht in Schwung kommt – und macht in seiner Ratlosigkeit Kranke und Teilzeitkräfte dafür verantwortlich. Dabei sollte er lieber auf die Che­f:in­nen­eta­gen der deutschen Wirtschaft schauen, die meist gar nicht gegendert werden müssen, da sie eben Chefetagen sind.

Kürzlich veröffentlichte der Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) den Women-on-Board-Index 2026. Darin untersucht die Initiative den Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und den zwei Führungsebenen unterhalb des Vorstands von 160 Unternehmen, die in DAX, MDAX und SDAX gelistet sind; außerdem 23 weitere börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen, in denen der Aufsichtsrat hälftig aus Anteilseignern und Arbeitnehmervertretern zusammengesetzt ist. 101 der untersuchten Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat mindestens 30 Prozent Frauen zu berücksichtigen.

Die übrigen müssen eine Zielgröße des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Managementebenen festlegen. Das Ergebnis: Der Frauenanteil in Aufsichtsräten steigt nicht mehr weiter, in Vorständen sinkt er sogar erstmals wieder. Wie stark, hängt davon ab, ob für ein Unternehmen die gesetzliche Quote gilt. Außerdem steigt die Zahl der Unternehmen, die sich ein Ziel von „null“ Frauen an der Spitze setzen, die also gar nicht erst versuchen wollen, Frauen nach oben zu bringen.

Verzerrte Wahrnehmungen spielen eine wesentliche Rolle

Den Kanzler sollten diese Ergebnisse beunruhigen. Denn Studien zeigen, dass gemischtgeschlechtliche Führungsteams bessere Entscheidungen treffen, innovativer sind und seltener pleitegehen, als es bei rein männlich geführten Unternehmen der Fall ist. Warum Frauen dennoch aus der Führungsriege ferngehalten werden, ist in der Arbeits- und Organisationspsychologie gut erforscht. Klammert man die soziologischen Gründe aus, dass Frauen zum Beispiel aufgrund von Sorgearbeit oft weniger arbeiten und zeitlich unflexibler sind, gibt es zusätzlich zahlreiche Gründe, weswegen Frauen benachteiligt sind.

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Verträglichere Frauen

Zum einen sind da die Unterschiede in der Persönlichkeit. Frauen sind durchschnittlich verträglicher, gewissenhafter, rücksichtsvoller als Männer, außerdem weniger auf Status und Dominanz aus. Metaanalysen zeigen zum andern, dass Strukturen und Wahrnehmungsverzerrungen wesentlich stärkere Faktoren sind als Persönlichkeitsunterschiede. So wird das gleiche Verhalten bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet, einem Mann positiv ausgelegt und einer Frau negativ. Zudem sind die männlich dominierten Netzwerke für Männer leichter zugänglich.

Verbindliche Quoten würden dies aufbrechen. Und sie würden der Quatschzielgröße „null“ ein Ende bereiten, die Unternehmen so gern in ihre Geschäftsberichte schreiben. Und was heißt das für Friedrich Merz? Feminismus könnte die Antwort auf seine Ratlosigkeit sein.

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Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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