Nein zum Zivildienst : Hinterlistiger Schritt der Bundesregierung
Zivildienst hat viele Vorteile: Junge Männer leisten Care-Arbeit und erweitern ihren Horizont. Trotzdem sollte er nicht wiedereingeführt werden.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa/picture alliance
D er Vorschlag der Bundesregierung, den Zivildienst wieder einzuführen, ist komplett abzulehnen. Wer noch vor der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 Ersatzdienst geleistet hat, erinnert sich oft gern zurück: durchfeierte Nächte und viel Schabernack. Was Zivis auch trieben, rausschmeißen konnte man sie nicht, erinnert sich ein Ex-Zivi im Gespräch mit der taz nostalgisch. Es war schließlich ein Pflichtdienst.
Während die einen in Altenheimen und andere in Krankenhäusern tätig waren, wurde dieser Mann in einer Tagesstätte für Kinder mit Behinderung eingesetzt. Dort beaufsichtigte er unter anderem einen 6-jährigen Autisten, was den damals 18-Jährigen erklärtermaßen deutlich überforderte. Doch die ausgebildeten Hauptamtlichen, die unter permanentem Personalmangel litten, hätten die besonders anstrengenden Kinder gern den Zivis aufgedrückt. Aber er habe viel gelernt, betont er.
Nicht nur, dass man irgendwann aufhören müsse zu saufen, um morgens wieder fit zu sein. Auch habe er Menschen getroffen, mit denen er sonst kaum in Berührung gekommen wäre – also nicht nur die behinderten Kinder, sondern auch seine Zivikollegen, die anders als er von der Hauptschule kamen. Klingt das alles nicht super?
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Auch rich kids müssen mal Scheißjobs machen
Junge Menschen tun etwas Soziales fürs Land – diese Idee dürfte vielen gefallen, von rechts bis links. Zivildienst heißt, dass auch rich kids mal Scheißjobs machen müssen. Männer schauen über den Tellerrand, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und leisten – teilweise das einzige Mal in ihrem Leben – richtig Care-Arbeit. Auch aus feministischer Sicht sollten wir die Pläne zur Wiedereinführung des Zivildiensts also begrüßen, oder nicht?
Nein. Denn all die positiven Effekte ließen sich auch anders erreichen. Manche fordern ein verpflichtendes soziales oder ökologisches Jahr. Eine andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen und großziehen. Oder – es mag in diesen Zeiten fast verrückt klingen – der Staat bezahlt genug ausgebildete Menschen für die Arbeit in diesen Pflegebereichen. Es gibt viele Möglichkeiten.
Nicht zu unterstützen ist jedoch der untrennbar mit dem Wehrdienst verbundene Zivildienst. Diesen jetzt, im Sommerloch, zu fordern, ist ein hinterlistiger Versuch der Bundesregierung, Akzeptanz für die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu schaffen. Also für das staatlich organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer.
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