Folgen der Klimakrise: Niederlande ringen ums Wasser
In den Niederlanden verschärft sich die Wasserknappheit. Nun greift der Staat ein. Sicherheit und Trinkwasserversorgung sollen gesichert bleiben.
Foto: Jeffrey Groeneweg/imago
Wegen der anhaltenden Trockenheit greifen die Niederlande zu einschneidenden Maßnahmen: Seit Freitag wird der Wasserverbrauch reguliert. Die nationale Wasserbehörde Rijkswaterstaat rief zuvor einen „faktischen Wassermangel“ aus. Im dreistufigen Krisen-Modus gilt nun die mittlere von drei Warnstufen, hieß es unter Berufung auf das Nationale Wassermanagement-Zentrum in Lelystad. Beschlossen hat die Warnstufe die dortige Kommission zur Wasserverteilung (LCW).
Normalerweise bekommt die niederländische Bevölkerung weder von Existenz noch Vorgehensweise dieser Behörden etwas mit. In diesem Jahr jedoch trat die LCW schon zum 1. Juli auf den Plan und rief die niedrigste Warnstufe, „drohender Wassermangel“, aus. Die höchste Stufe, „Krise“ genannt, galt zuletzt 2003, die mittlere im August 2022. Harold van Waveren, Vorsitzender des LCW, verglich die Lage kürzlich mit dem Rekord-Sommer von 1976. Sowohl Pegelstände der Flüsse als auch der fehlende Niederschlag seien auf einem Niveau, das einmal in 20 Jahren erreicht werde.
Wie Rijkswaterstaat am Donnerstag bekanntgab, werden nun „zusätzliche Maßnahmen eingeleitet, um das zur Verfügung stehende Wasser möglichst gut zu verteilen“. Die Trinkwasserversorgung sei davon nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung. Wohl aber werde „von Region zu Region geschaut, was nötig ist“. Beispiele seien die Regulierung der Pegelstände der Rheinarme durch Stauwehre und das Vorbereiten von Notfallpumpen. Grundsätzlich gilt: Sicherheit und Zugang zu Trinkwasser gehen vor. Konkret bedeutet das, dass etwa Sperrwerke und Deiche, die durch Trockenheit Risse bekommen können, Priorität haben.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist, in trockenen Gebieten die drohende Versalzung zu verhindern und Trinkwasservorrat und den Bedarf der Landwirtschaft zu sichern. Schleusen, über die salziges Wasser in Flüsse dringen kann, sollen seltener geöffnet werden, was für Schiffe zu längeren Wartezeiten führt. Mithilfe des Stauwerks in Hagestein bei Utrecht soll zusätzliches Süßwasser über den Lek in die westlichen Landesteile gelangen. Ein spezieller ‚Trockenheitsmonitor‘ gibt einen aktuellen Überblick. Am 21. Juli soll die Situation erneut evaluiert werden.
Das Problem: Trockenheit
Mit einer Verbesserung rechnet die Behörde, die dem Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft unterstellt ist, allerdings nicht. Das Kernproblem – kaum Niederschlag und zu wenig Wasser, das über die Flüsse ins Land strömt, bei gleichzeitigem erhöhtem Wasserbedarf durch Trockenheit und Wärme – hält sich seit Wochen. In der südöstlichen, an Nordrhein-Westfalen grenzenden Provinz Limburg hat die Wasserbehörde deswegen die höchste Warnstufe ausgerufen.
Seit Freitag darf nun Bächen kein Wasser mehr entzogen werden, was die Landwirtschaft vor Probleme stellt. Wasser aus Flüssen zum Bewässern von Gärten oder Sportplätzen zu benutzen, ist schon seit Anfang Juli verboten. In Teilen der benachbarten Provinz Noord-Brabant sieht es ähnlich aus. In mehreren Regionen im Osten des Landes drohen Bäche zu versiegen.
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