Frauenfeinde in Florida festgenommen: Die Taten von Tate und Tate
Die Influencer Andrew und Tristan Tate wurden in Miami festgenommen. Die Liste ihrer mutmaßlichen Vergehen wird immer länger.
Foto: Vadim Ghirda/ap/dpa
Und wieder einmal klicken für die Tate-Brüder die Handschellen, diesmal im US-Bundesstaat Miami. Die beiden Influencer wurden diesen Samstag von den Behörden festgenommen und sollen nach Großbritannien ausgeliefert werden. Aktuell erheben sieben Opfer Vorwürfe gegen Andrew und Tristan Tate, darunter Vergewaltigung, organisierter Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung als auch Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischem Material. So schlimm sich die Vorwürfe auch lesen, für die Tate-Brüder sind sie längst nichts Besonderes mehr.
Im letzten Jahrzehnt hat sich insbesondere der 39-jährige Andrew Tate als eine Art Oberhaupt der frauenfeindlichen Manosphere etabliert. Als zigarrenrauchender, Pseudoweisheiten verbreitender Influencer hat er seine Karriere auf Misogynie und der Ausbeutung anderer aufgebaut. Seine Online-Plattform „The Real World“, ehemals „Hustlers University“, versucht junge Männer mit Online-Kursen für das schnelle Geld durch Aktien und Crypto zu gewinnen. Dahinter steckt ein Schneeballsystem, das auf verzweifelte Männer abzielt.
In seinen unzähligen Videos, die das Internet wie Herpes in nicht enden wollenden Zyklen heimsuchen, spricht er vom Stoizismus und versucht sich als großen Denker zu inszenieren. Seine Versuche, als Intellektueller aufzutreten, sind lächerlich, und was er erzählt, falsch. Tate predigt, dass Frauen unterwürfig zu sein haben, er meint, dass Depressionen nicht existieren, Sexualpartnerinnen möglichst jung sein sollten und Gewalt gegen sie legitim sei. Was auch immer man sich an frauenverachtenden Aussagen vorstellen kann – Andrew Tate hat sie nicht nur gesagt, sondern übertroffen.
Sein jüngerer Bruder Tristan ist ein Mitläufer, seine Misogynie nicht weniger stark. Was beide eint, ist ein überbetont maskulines Auftreten, bestehend aus (zu) engen Anzügen, Sonnenbrillen, Muskeln, Kampfsport und aggressiven Aussagen. Zuweilen wirken sie mehr wie die Karikatur eines klassischen Männlichkeitsbildes.
Illegales Porno-Business
Zusammen haben sie 2017 in Rumänien ein illegales Pornografie-Business mit Livestreams aufgebaut, in dem sie Frauen durch vorgetäuschte Liebesbeziehungen manipuliert und in das Geschäft hineingezogen haben. Rumänien gewählt haben sie aufgrund von Steuervorteilen. Im Juni 2023 wurden die Brüder von den rumänischen Behörden verhaftet und angeklagt: mehrfache Vergewaltigung, Menschenhandel, Körperverletzung und mehr. Zu viel, um alles aufzuschlüsseln. Und damit nicht genug, denn auch in Großbritannien wartet eine Liste von insgesamt 59 Klagen auf die beiden.
Nach weiteren Anklagepunkten wurden sie nun in Miami erneuten festgenommen. Und umgehend erhalten sie – dank diverser Posts auf X und Tiktok – riesige Aufmerksamkeit. Ihre mehrheitlich männliche Anhängerschaft ist sofort zur Stelle, um die misogynen Brüder – allen voran Andrew – zu verteidigen und ihnen Beifall zu spenden. In beiden Fällen kann man ihre Follower nur bedauern, die auf ein Geschäftsmodell hereinfallen, das Frauenhass mit finanzieller Ausbeutung verbindet.
Andrew Tate, der sich den Vorwürfen noch in diesem Jahr in Großbritannien stellen muss, hat es geschafft, sich zur Symbolfigur für eine junge, radikale, männliche Bewegung zu stilisieren. Dass er als frauenverachtender Möchtegern-Unternehmer so viel Zuspruch findet, zeigt, wie tief verwurzelt dieser Hass ist.
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