Kurd*innen in Syrien: Rückkehr nach Afrin mit Hindernissen
Die langjährige Vertreibung von Kurd*innen aus Afrin endet mit einem Konvoi von 1.300 Familien. Doch viele Häuser sind weiter besetzt.
Mit Tränen in den Augen, Matratzen auf dem Autodach und einem Olivenzweig in der Hand sind die letzten Vertriebenen nach Afrin zurückgekehrt. Rund 1.300 Familien erreichten am Donnerstag in einem Konvoi aus Hasakeh ihre Heimat. Die Lokalbehörden hätten sich mit den zuständigen Institutionen abgestimmt, um den Konvoi zu organisieren, sagte der Leiter des Pressebüros von Afrin, Mohammad al-Hassan.
Am Freitag verkündete das Komitee zur Organisation der Rückkehr seine Auflösung. Damit endet offiziell die lange, gewaltsame Vertreibung von Kurd*innen aus dem kurdisch geprägten Kanton Afrin nördlich von Aleppo.
Die Türkei hatte den kurdischen Selbstverwaltungskanton Afrin mithilfe der Syrischen Nationalen Armee (SNA), einer von ihr gestützten Rebellengruppe, 2018 völkerrechtswidrig besetzt. Bei der „Operation Olivenzweig“ nutzte das türkische Militär auch Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion.
In ganz Nordsyrien waren seit der türkischen Militäroffensive mit dem perfiden Namen „Operation Friedensfrühling“ im Oktober 2019 Bomben und Drohnenangriffe Teil des Alltags der Menschen. Die SNA beschlagnahmte Grundstücke und verweigerte vertriebenen Kurd*innen die Rückkehr in ihre Heimat.
Die Angst bleibt
Nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 gab es Angriffe der Truppen der neuen Übergangsregierung auf die kurdische Gemeinschaft und Kämpfe mit den kurdischen Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Beide Seiten einigten sich am 29. Januar 2026 auf die militärische und politische Integration der kurdischen Selbstverwaltung in den syrischen Staat. SDF-Kämpfer sollten demnach dem neuen Verteidigungsministerium unterstellt werden.
Während nun viele Rückkehrende ihre beschädigten Häuser reparieren, stehen andere vor erheblichen Problemen: „Die bloße Tatsache, dass einige Personen in der Lage sind, die Stadt vorübergehend zu betreten, bedeutet nicht, dass die Bedingungen für eine sichere, freiwillige und würdige Rückkehr gegeben sind“, schreiben die Organisationen Syrians For Truth and Justice, Dar Association for Victims of Forced Displacement und PÊL – Civil Waves in einem Brief an die UN-Sonderberichterstatter.
Der Zugang zu Heimat, Land oder Geschäft bleibe mit Angst, Erpressung, Diskriminierung und fehlendem Rechtsbehelf behaftet.
Rückkehrende berichteten von Morddrohungen oder Angriffen auf diejenigen, die versuchten, nach ihrem Eigentum zu sehen. Sowohl lokale Sicherheitskräfte als auch türkische Gruppen verhinderten die Rückkehr. Häuser, Geschäfte und Grundstücke blieben beschlagnahmt. Auch gebe es weiterhin Checkpoints. Opfer hätten keine Stelle, an die sie sich wenden könnten, um ihre Besitzrechte geltend zu machen.
Anwohner spricht von „kosmetischem Wandel“
Gegenüber den Organisationen beschrieb ein Anwohner die Situation als „kosmetischen Wandel“. Militärfraktionen, die früher mit der SNA verbunden waren, hätten zwar ihre Integration in die neue syrische Armee verkündet, aber ihre Kommandeure und Kämpfer seien an Ort und Stelle geblieben. Der Gemeinderat sei nicht ersetzt worden und die „behauptete Unterordnung unter Damaskus“ entspreche nicht der lokalen Realität.
In dem Dorf Sheikhourzeh al-Fawqaniyah hat die türkische Armee weiterhin einen Militärstützpunkt und hindert die Anwohner daran, in ihre Häuser zurückzukehren, berichtet die kurdische Hawar News Agency. Zwar habe das türkische Militär einige Basen geräumt, doch seien auf dem Stützpunkt in dem Dorf immer noch türkische Spezialeinheiten mit schweren Waffen. Familien bewaffneter Gruppen des türkischen Staats seien präsent und hinderten kurdische Familien an der Rückkehr in ihre Häuser.
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