Jahrestag des Hitler-Attentats: Eklat bei Stauffenberg-Gedenken
Anlässlich einer Gedenkveranstaltung in Berlin wollte die AfD einen Kranz niederlegen. Der Nachkomme eines NS-Widerständlers verhinderte das.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
dpa, taz | Bei einer Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler ist es am Dienstag zu einem Eklat gekommen. Tobias Korenke, ein Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, versuchte, ein Gebinde der AfD-Bundestagsfraktion an der Gedenkstätte im Bendlerblock in Berlin zu entfernen, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur schilderte. Sicherheitsmitarbeiter gingen dazwischen. Bei dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt.
Der dpa sagte Korenke: „Viele Nachkommen, und dazu gehöre auch ich, empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren.“
Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte, dass diese einen Kranz für die Gedenkstunde bereitgestellt hatte. Ob auch Fraktionsmitglieder anwesend gewesen seien, könne er nicht abschließend sagen. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der AfD-Fraktion, Götz Frömming, sagte, die Fraktion werde zu diesen offiziellen Gedenkfeiern als im Bundestag vertretene Partei eingeladen.
Die Hauptrede der Gedenkveranstaltung hielt in diesem Jahr Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Sie stehe hier auch als „Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Shoah“, sagte sie. Die CDU-Politikerin berichtete davon, dass ihre Urgroßmutter im NS-Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde.
„Dafür sind wir Demokraten“
„Die Geschichte des Widerstands zeigt uns, Menschen werden nicht als Helden geboren, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, lange bevor Freiheit und Menschenwürde auf dem Spiel steht“, sagte die CDU-Politikerin. „Die Freiheit von morgen entscheidet sich in unserem Handeln heute.“
Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich versucht, Diktator Hitler mit einer Bombe zu töten, die nationalsozialistische Herrschaft zu stürzen und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Stauffenberg und drei weitere Beteiligte wurden noch am Abend im Hof des Bendlerblocks in Berlin-Tiergarten erschossen. Heute hat das Bundesverteidigungsministerium seinen zweiten Dienstsitz im Bendlerblock.
Ein Enkel Stauffenbergs, Karl Graf von Stauffenberg, sah Korenkes Aktion zwiespältig. Der AfD warf er vor, seinen Großvater für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, und nannte das „widerlich“. Aber man dürfe „der AfD, glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen“, sagte er im Sender Welt TV. „Dafür sind wir Demokraten, dafür müssen wir schauen, dass wir auch andersdenkende Menschen zu Wort kommen lassen.“
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